Food & Art in Santiago und Valparaíso

Aus der Kälte wieder zurück in die Wärme: Nach Patagonien ist Kathrin nun in Santiago de Chile und Valparaíso gereist. Beide Städte hat sie sich ganz unter dem Motto „Kunst & Essen“ angeschaut. Lest selbst: 

Nach den kräftezerrenden Wandertouren in Patagonien müssen wir jetzt neue Energie tanken. Und dafür geht es weiter nach Santiago de Chile und in die nahe gelegene Hafenstadt Valparaíso . Die beiden Städte bieten die perfekte Abwechslung zu der Weite, der Natur und auch der Kälte in Patagonien.
Hier empfangen uns wieder angenehme 25 Grad, Musik, Kultur und urbanes Leben.

Da wir immer noch ein bisschen ausgehungert sind, stehen die nächsten Tage ganz im Motto „Probieren geht über Studieren“ und so essen und trinken wir allerlei chilenische Spezialitäten und lassen uns von dem bunten Treiben in den Städten mitreißen.

Als erstes besuchen wir Santiago de Chile und hier ist der Dreh- und Angelpunkt, das „El Centro“ mit dem Plaza de Armas im Herzen der Stadt. Umgeben von Honigpalmen trifft man hier Jung und Alt, Künstler, Händler, Schuhputzer, Touristen, Leute, die ihre Meinung zur Politik proklamieren und Kinder, die im Wasser des großen Ehrenbrunnens spielen – Kurzum einfach alle, die kurz eine Pause auf einer Bank im Schatten brauchen. Hier kann man auch den ganzen Tag mit einem leckeren Eis sitzen und einfach die Stadt auf sich wirken lassen.

Santiago - Strassenmusiker_

Denn wenn man sich vom Plaza de Armas aufmacht, gelangt man auch sogleich in das Gewusel der Fußgängerstraßen und Einkaufspassagen, die sich wie ein Spinnennetz rundherum ausbreiten.
An jeder Ecke sehen wir Stände, die „Mote con Huesillo“ verkaufen. Was das ist, fragt Ihr Euch jetzt? Ein Getränk, das wirklich sehr komisch aussieht, aber hier im Sommer für alle der Erfrischungsdrink Nummer 1 ist. Es handelt sich um einen ganz süßen alkoholfreien Nektar mit in Zucker und Zimt gekochten Pfirsichen und aufgequollenen Weizenstücken. Sooo süß, wir konnten unsere Zähne fast nicht mehr auseinander kriegen.

Danach mussten wir erst einmal etwas zum Nachspülen finden. Und da schien uns La Piojera, eine der ältesten Gaststätten in Santiago, doch als eine super Wahl, um das nächste typisch chilenische Getränk auszuprobieren – einen „Terremoto“. Ein starker Weißwein, der mit einem Sorbet aus Ananas Eiscreme on top serviert wird. Diesen kann man pur oder wahlweise auch mit Syrup versüßt trinken. Aber der Terremoto hat es in sich. Nicht umsonst fangen hier die Leute auch schon mitten in der Woche nachmittags an zu singen: Chi! Chi! Chi! Le! Le! Le! Viva Chile! Und nach dem zweiten Terremoto verstehen wir auch langsam den Namen. Denn dieser Wein heißt nicht umsonst übersetzt Erdbeben. Je mehr Terremotos man trinkt, desto mehr fängt auch die Erde unter den Füßen an zu beben.

Hot Dog Deluxe – typisch chilenisch!

Schnell zurück an die frische Luft und dafür geht es hoch hinaus auf den Cerro San Cristóbal, der sich mit 870 Metern Höhe vor der Andenkulisse im Hintergrund, über Santiago erhebt. Mit einer kleinen Seilbahn kann man hier perfekt zum Sonnenuntergang auf die Millionenmetropole hinunterschauen und einen tollen Ausblick genießen. Auf dem Rückweg kommt man dann am Fuße des Berges automatisch durch das Barrio Bellavista. Ein buntes Viertel mit vielen Cafés, Bars, und Clubs. Hier spielt sich das Nachtleben Santiagos ab und kleine Snacks für zwischendurch, wie „Completos“ findet man hier an fast jedem Straßenstand. Ein Completo ist quasi ein IKEA Hotdog deluxe in dreifacher Größe! Zum Würstchen im Brot kommt eine Tomaten- Zwiebel Sauce, Avocado, Krautsalat, Chili und Mayonnaise dazu. Sehr lecker!

Santiago - Strassensnack Completo_

 

Nachdem wir dann die ersten Tage in Santiago nur mit essen und trinken verbracht haben, widmen wir uns jetzt gestärkt neuen Entdeckungen und dafür fahren wir mit dem Bus weiter nach Valparaíso. Nur ca. 1,5 Stunden von Santiago entfernt, befindet sich diese malerische Hafenstadt direk am Pazifik. Wenn man aussteigt weht einem gleich eine kühlere Brise und Seeluft um die Nase.

Zurück ans Meer

Valparaíso gehörte früher zu den führenden Handelshäfen und war der Zwischenstopp für ausländische Schiffe auf dem Weg rund um das Kap Hoorn. Doch nach einem starkem Erdbeben und vor allem durch die Eröffnung des Panamakanals 1914 verlor die Stadt zunächst ihre komplette Bedeutung und der Reichtum versiegte. Denn nur noch ein winziger Bruchteil an Schiffen kam in den Hafen der Stadt, alle anderen nahmen nun über den Panamakanal die Abkürzung.

Valparaíso - Wandbild Inti_

Doch in den vorherigen Zeiten des blühenden Handels entstanden viele prachtvolle Villen und Gebäude und durch die internationalen Seefahrer und Immigranten entstand ein ganz besonderer Mix der Kulturen und Völker in Valparaíso. Daher wurde Valparaíso auch 2003 von der UNESCO zur Kulturhauptstadts Chiles ernannt. Überall in den verwinkelten Gassen der Stadthügel, den Cerros, trifft man auf wunderschöne alte Prachtbauten, aber auch verfallene Ruinen, die mit zahlreichen Graffitis bemalt sind. Mit den „ascensores“, den kleinen Standseilbahnen, fährt man z. B. auf den Cerro Alegre oder dem Cerro Concepción und kann die Kunstwerke von zahlreichen Streetart- Talenten bewundern. Das bekannteste ist wohl ein riesen Wandbild, das der Maler Inti im Jahr 2012 über mehrere benachbarte Gebäude erstellt hat. Kunst und Kultur mal in einem ganz neuen Rahmen und für alle kostenlos zu besichtigen. Sieht wirklich toll aus!

Valparaíso Graffiti_

Zwischendurch kommt natürlich auch hier das leibliche Wohl nicht zu kurz. Direkt am Wasser gibt es hier nämlich zum ersten Mal Empanadas Fritas de Mariscos und de Salmon. Das sind kleine frittierte Teigtaschen mit Meeresfrüchten oder Lachs. Als Dessert gibt es noch Alfajores, Schokokekse mit Dulce de Leche, einer süßen Milchkonfitüre, ähnlich wie Nutella, nur ohne Nüsse. Tolle Kombination oder? Lachs mit Schokokeksen, aber auf jeden Fall empfehlenswert.

Valparaíso - Wir in einer bunten Gasse_

Am Ende unserer Tour in Valparaíso kommen wir zurück zum Ausgangspunkt, dem Plaza Sotomayor. Von hier aus kann man noch auf ein altes verfallenes italienisches Hotel blicken. Dies wurde einst von einer Familie aus Mailand erbaut. Doch nach der Eröffnung des Panamakanals blieben die Touristen aus und das Hotel konnte niemals Ruhm erlangen. Heute lebt sogar noch eine Nachfahrin der Familie in dem riesengroßem Haus, das bis auf eine Etage komplett leersteht. Die alte italienische Oma darf hier bis zu ihrem Lebensende wohnen bleiben und als wir mit der kleinen Straßenbahn vorbeifahren, sehen wir Sie auch noch kurz draußen vor ihrer Tür stehen. Valparaíso ist wirklich ein Hafenstädtchen voller alter Geschichten, neuen Kunstwerken und neuem aufstrebendem Leben. Denn auch durch die vielen Studenten, die hier leben, ist immer was los.

Valparaíso - alte Italienerin vor Ihrer Villa_

Also unser Tipp: Santiago de Chile nutzen um sich nach Patagonien wieder aufzuwärmen und/oder in Chile zu starten und dann in das bunte Leben in Valparaíso richtig eintauchen.
Chi! Chi! Chi! Le! Le! Le! Viva Chile!

Eure Kathrin!

 

Ähnliche Beiträge

Noch keine Kommentare

Haben Sie Anmerkungen?