Ein kleines Stück Europa, gleich hinter Sydney

Unsere Australien-Reporterin Petra lässt es sich in den Southern Highlands gut gehen und genießt ein hervorragendes Mahl im prämierten Restaurant „Eschalot“ inklusive einem netten Gespräch mit Inhaber Richard Kemp.

Denkt man an Australien, so kommen einem Wüste, endlose karge Landschaften und Strände in den Sinn – weniger jedoch an die fabelhafte Küche. Der Australier grillt gern und viel, mit vorliebe Fleisch und das von Känguru bis Emu. Nachdem ich nun schon zwei Monate hier in Down Under unterwegs bin, habe ich in diesem Zeitraum mehr gerillt als in meinem ganzen Leben. Umso fröhlicher war ich, als ich in Berrima, einem kleinen historischen Örtchen in den Southern Highlands, eine Gourmet-Perle entdeckt habe: Das mehrfach ausgezeichnete Restaurant „Eschalot“. Und nachdem ich einen wunderbaren Lunch im besagten Restaurant genossen habe, stand mir der Inhaber Richard Kemp netterweise für enin paar Fragen zur Verfügung. Lest hier, was er mir erzählt hat…

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Richard, was hat dich dazu bewegt gerade hier in Berrima ein Restaurant zu eröffnen?
„Ich bin in Sydney aufgewachsen, wo ich auch schon als Koch gearbeitet habe. Daraufhin habe ich zehn Jahre in Kanada gearbeitet. Erst da habe ich gelernt ruhige und abgelegene Regionen, wie die Southern Highlands, zu schätzen. Als ich dann wieder zurück nach Australien kam, beschloss ich „Eschalot“ in Berrima zu eröffnen und ja, das ist jetzt schon 12 Jahre her.“

Eure Küche ist sehr international und wirklich hervorragend. Welche verschiedenen Einflüsse stecken dahinter?
„Viele moderne europäische Einflüsse, vor allem aber die französische Küche. Mit Eltern aus Polen bin ich in einer Arbeiter-Gemeinde in Sydney aufgewachsen, wo ich, gerade was das Essen angeht, auch von anderen Nationen, wie Griechenland, Italien und Kroatien inspiriert wurde und auch immer noch werde.“

Eschalot sieht nicht gerade aus wie ein klassisches Restaurant. Es gibt diverse kleinere abgetrennte Räume, die eher an ein Esszimmer daheim erinnern. Hat das einen Grund?
„Ich wollte eine Atmosphäre schaffen, in welcher der Gast das Gefühl hat zuhause zu sein. Er soll sich vor allem hier bei uns wohl fühlen.“

Ihr bietet unterschiedliche Karten an. Quick Lunch, Lunch, Dinner und Events. Worin unterscheiden sich die jeweiligen Angebote?
„Der Quick Lunch ist vor allem für Gäste, die spontan vorbeikommen und nicht unbedingt Anzug und Krawatte tragen. Preislich liegen wir da bei 38 Australischen Dollar (ca. 27 EURO) für zwei Gerichte und ein Glas Wein. Der Lunch wird in einem separaten Raum eingenommen, wo andere Gäste, die den normalen Lunch bestellen und eben eher in Krawatte kommen, nicht sitzen. Im normalen Lunch und beim Dinner servieren wir á la Carte. Und kürzlich habe ich gleich gegenüber auf der anderen Straßenseite eine wundervolle Location übernommen, wo wir diverse Veranstaltungen, wie Hochzeiten & Co. ausrichten können.“

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Gleich neben dem Restaurant habe ich einen wunderbaren Garten entdeckt. Was baut ihr denn alles selber an?
„So viel wie möglich! Unseren Abfall kompostieren wird auch selbst und nutzen ihn zum Düngen. Im allgemeinen versuchen wir lokale Produkte zu nutzen, das gilt vor allem für den Wein. Wir haben hier wunderbare Winzer und es kommen jährlich immer mehr dazu, die uns mit schmackhaften Wein versorgen.“

Wen lässt du denn in deiner Küche kochen?
„Wir haben wunderbare Köche und verbringen viel Zeit damit, die Richtigen für uns zu finden. Gleiches gilt auch für das Servicepersonal. Man kann Mitarbeitern vieles beibringen, aber nicht Persönlichkeit – Die ist uns sehr wichtig und sollte mitgebracht werden. Und wie gesagt, den Rest kann man beibringen. Wir haben ein super Team, die unsere Produkte kennen. Mir ist bewusst, dass sie wahrscheinlich nicht für immer bei uns bleiben werden, deshalb versuche ich den jungen Leuten so viel wie möglich mit auf den Weg zu geben.“

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Und kochst du selbst auch noch?
„Gerade im Moment ja. Wir haben viel um die Ohren, vor allem mit der zweiten Location. Deshalb schwinge ich den Kochlöffel ein bis zweimal die Woche selbst. Ich bin hier aber nicht nur der Boss, sondern auch das Mädchen für alles. Ich mache die Weinliste, kümmere mich um die Finanzen, koche und springe auch mal im Service ein. Für mich ist das super, denn ich kann eh nicht still sitzen.“

Ihr habt einige Auszeichnungen bekommen. Erzähl mir etwas dazu!
„Ja, wir sind mehrfach mit dem „Chefs Hat“ ausgezeichnet worden, der von der Zeitung „The Sydney Morning Herald“ verliehen wird. Die haben wiederum einen „Good Food Guide“ und ja, wir haben von drei möglichen Hüten acht Jahre lang hintereinander einen bekommen. Mit „nur“ einem sind wir aber sehr glücklich! Ich führe mein Restaurant nicht für Kritiker, sondern für Gäste. Als wir damals den ersten Hut verliehen bekommen haben, mussten wir uns entscheiden ob wir nach mehr streben oder lieber konstant gut bleiben wollten. Ich denke, dass die Konstante sehr wichtig ist und das gilt für jedes Geschäft und Restaurant. Wenn jemand einen guten Burger in einer Bude macht, dann sollte er immer einen guten Burger machen und die Leute kommen wieder und wollen mehr. Dieser eine Hut ist unser Maßstab und dabei soll es auch bleiben.“

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Und obwohl ich und mein Gaumen der Meinung sind, dass das „Eschalot“ von drei Hüten mindestens vier verdient hat, macht die bescheidene Einstellung von Richard ihn selbst und sein Restaurant umso sympathischer. Jeder, der sich in den Southern Highlands findet, sollte Richard und seinem Team einen Besuch abstatten – es lohnt sich wirklich.

Eure Petra!

Alles Infos zum Restaurant, der Speisekarte & Co. Findet ihr hier:

Adresse: Eschalot
24 Old Hume Highway
Berrima, NSW 2577
Website: http://www.eschalot.com.au/

"Wir sind selber leidenschaftliche Weltenbummler und möchten mit Ihnen unsere Passion teilen."

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