Von Mumien und Indianern hinter roten Felsen

Kathrins Reise geht immer weiter. In diesem Teil ihrer Kolumne kommt sie Mumien und Indianern in Argentinien ganz nah: 

Perfekt gestärkt durch die chilenischen Erdbeben- Drinks und „Comidas Rapidas“ in den vergangenen Tagen geht es jetzt weiter vorbei an den besten argentinischen Weingütern des Landes rund um Mendoza im Norden des Landes.

Wie bitte? Vorbei an den im Sonnenschein dunkelrot leuchtenden Weintrauben? Nein hier ist natürlich mindestens ein kurzer Besuch eines Weinguts Pflicht und so haben wir noch einen kleinen Abstecher in Argentiniens wohl berühmtesten Winelands gemacht. Von alten Familienunternehmen bis zu modernen industriellen Unternehmen kann man hier auf verschiedenen Touren die unterschiedlichen Weinsorten und Herstellungsprozesse kennenlernen, wobei die Verkostung natürlich am Schluss immer das Beste ist, Salud!

Mit dem Untergang der Sonne hinter den Weinbergen hieß es dann aber auch wieder warm anziehen, denn Salta am Fuße der Anden, hoch im Norde war unser nächster Halt.

Rund um den Plaza 9 de Julio findet man wunderschöne alte Gebäude aus der Kolonialzeit, wie die Kathedrale, das Rathaus und auch das Museo de Arqueologia de Alta Montana (MAAM). Da wir in Salta leider nicht so ein Glück mit dem Wetter hatten, war genau dieses Museum eine tolle und sehr interessante Abwechslung, denn es widmet sich der Entdeckung der Mumien von drei Inkakindern, die 1999 auf dem Gipfel des Mount Lullaillaco von Forschern entdeckt wurden. Aufgrund des Klimas in der Höhenlage von über 6700 Metern in den Anden blieben die Körper, die Textilien und Opferbeigaben fast vollständig erhalten. Man geht davon aus, dass die Kinder aus damals reichen Familien auserwählt und mit Maisschnaps betäubt und dann den Inkagöttern im Gegenzug für gute Ernten und Wohlwollen lebendig geopfert wurden. Jeweils eine der drei Kindermumien wird immer im Wechsel von mehreren Wochen gezeigt.

Man erhält einen sehr guten ersten Eindruck in das damalige Leben der Inkas und der anderen Völker in den Anden. Auf der anderen Seite muss man aber auch sagen, dass die Einheimischen in Salta mit dem Museum nicht wirklich glücklich sind. Denn sie sind der Ansicht, die Inkakinder gehören zurück in die Berge, wie es die Kultur und ihre Bestimmung vorgesehen hat und nicht in einem luftdicht abgeschlossenen Ausstellungsraum. Was man unserer Ansicht auch gut nachvollziehen kann. Daher sollte man das Verständnis für die Kultur vielleicht auch ein wenig im Hinterkopf behalten bei einem Besuch des Museums.

Am nächsten Tag in Salta heißt es leider immer noch Regen, Regen, Regen…! Dann fahren wir mal einen Ort weiter in den Norden nach San Salvador de Jujuy um schließlich von dort über den Paso de Jama zurück nach Chile und in die Atacama Wüste zu gelanden. Doch uns erwarteten schlechte Nachrichten:  Der Pass in über 4.200 Meter ist gesperrt. Es gab zu viel Regen und Schnee in den letzten Tagen, so dass alle Busverbindungen gestrichen wurden.

Humahuaca - Hornocal Gebirge_

Dann nutzen wir einfach die extra Zeit um uns noch ein weiteres Highlight hier im Norden anzuschauen, die Quebrada de Humahuaca, eine Gebirgsschlucht, die sich über 150 Kilometer ausweitet und 1.700 Meter hoch ansteigt. Das Besondere ist, sobald man mit dem Bus von Jujuy hoch in das Gebirge fährt, lässt man die Regenwolken auch schön hinter sich. Hoch über den verstreuten kleinen Indianerdörfern, begrüßt einen die Sonne erneut wieder. Sie lässt die roten Lehmziegelhäuser und die Farben der Kleider der Einheimischen noch mehr strahlen. Denn Nahe der Grenze zu Bolivien leben hier viele indianische Völker und Indigene, wie die Quechuas und Aymaras.

Großer Kontrast zu Buenos Aires

Wären wir nicht vorher in Buenos Aires gewesen, würde man hier gar nicht glauben, dass man sich immer noch in Argentinien befindet. So unterschiedlich sehen die Menschen, die Kleidung, die Gegend und die kleinen Dörfer aus.

Wir starten in Purmamarca mit einem Rundgang um den Cerro de los Siete Colores, dem „Berg der sieben Farben“. Und in der Tat sieht man viele verschiedene Farbschichten in dem Hügel, die durch Millionen Jahre lange geologische Prozesse entstanden sind. Den Weg kann man auch gar nicht verfehlen, denn auf einmal haben wir zwei Hunde als Begleiter, die es anscheinend lieben mit uns zu spazieren und uns den Trail entlang führen. Zurück im Dorf kann man sich noch mit der typisch bunten Kleidung der Quechua Leute einkleiden, die hier überall sehr günstig angeboten werden.

Purmamaca - Bunte Indio Kleidung_

Trampen auf den Berg

Über eine staubige Strasse erreichen wir dann mit dem lokalen Bus beim nächsten Stopp noch Humahuaca. Die Stadt selber schien außer ihrer alten kleinen Kirche, einem Markt und Kakteen nicht all zuviel zu bieten haben. Aber die Besonderheit hier liegt etwa 25 Kilometer entfernt; und zwar wartet man einfach an der Brücke bis ein Einheimischer mit einem Pickup vorbeikommt und für ein bisschen Geld fährt er einen dann hoch in die Anden. Wir haben Glück, es ist zwar schon spät, aber ein netter kleiner Herr gabelt uns auf. Wir müssen uns aber beeilen, meint er, ansonsten haben wir nicht mehr genug Sonnenlicht für die Aussicht. In rasendem Tempo geht es in 30 Minuten auf über 3.000 Meter Höhe.  Aber oben angekommen, erwartete uns ein Panoramablick auf ein gewaltiges Bergmassiv, den „Serranias del hornocal“, in einer Farbvielfalt, die beinahe schon unwirklich ist.

 

Ein absolutes Naturphänomen, das wir aber tatsächlich aber auch nur 1 Minute zu Gesicht bekommen, denn in Blitzgeschwindigkeit ziehen plötzlich die Wolken über den Berg und innerhalb von Sekunden sind wir komplett eingehüllt im Nebel. Das war echt perfektes Timing!

Am Abend zurück in San Salvador de Jujuy haben wir auch hier Glück mit dem Timing. Wir erfahren, dass der Schnee endlich nachgelassen hat und der Pass in Richtung Chile wieder frei ist. Wir freuen uns!

Eure Kathrin!

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