Kathrin ist verliebt – in die Atacama Wüste! Wieso lest Ihr im nächsten Teil ihrer Kolumne: 

Früh morgens geht es heute über den Paso de Jama und die Anden zurück nach Chile. Unser nächstes Ziel heißt San Pedro de Atacama. Dieses kleine Dorf aus Lehmziegelhäuschen liegt mitten im Herzen einer der spektakulärsten Landschaften und Wüsten der Welt.

Bereits auf der Hinfahrt verändert sich das Bild von roten Felsen zu grünen Bergen, dann durchqueren wir trockene Hochebenen,  fahren an schneebedeckten Gipfeln vorbei und an in der Sonne reflektierenden Salzseen. Aber so richtig genießen konnten wir die Fahrt in teils über 4.800 Meter noch nicht, denn die Höhenluft macht einem ganz schön zu schaffen. Der kurze Weg aus dem Bus zur Passkontrolle wird zu einem wahren Kraftakt und es kommt einem so vor, als wenn man gerade einen 100 Meter Sprint absolviert hätte. Völlig aus der Puste und mit einem Puls von 180 geht es aber bald wieder ein paar Höhenmeter bergab und auf 2.538 Meter erreichen wir – nicht mehr ganz so benommen und mit mehr Sauerstoff zur Verfügung –  San Pedro de Atacama.

Tief durchatmen und das Abenteuer Atacama Wüste kann starten!

Nachdem wir unsere Unterkunft zwischen den sandfarbenen Lehmhäusern gefunden haben, begeben wir uns erst einmal auf Erkundungstour durch den kleinen Ort. Über die staubigen, unbefestigten Straßen passieren wir eine uralte Steinkirche aus dem 17. Jahrhundert und eine mit Bäumen umsäumte Plaza. Lange suchen muss man hier wirklich nicht, denn an jeder Ecke gibt es einen Veranstalter und unzählige Möglichkeiten an Aktivitäten mit einer riesen Auswahl an Touren, an denen man teilnehmen kann.

Das ist auch irgendwie überhaupt kein Wunder, denn die Atacama Wüste hat auch richtig viel zu bieten: Von 5.960 Meter hohen aktiven Vulkanen, Salzseen, dampfenden Geysirfeldern, Thermalquellen, Riesensanddünen, skurrilen und surrealen Mondlandschaften à la Salvador Dali und einem wunderschönen Sternenhimmel lässt diese Gegend die Herzen vieler schneller schlagen – und das ganz ohne Höhenluft!

Ein wahrer Abenteuerspielplatz! Um ein bisschen fitter zu werden und uns ein wenig mehr an die neue Umgebung und Höhe zu gewöhnen, leihen wir uns als erstes Mountainbikes aus und machen eine Tour zur Teufelsschlucht, der Quebrada del Diablo. Und man glaubt es kaum, da es in den vergangenen Tagen so stark geregnet hat, müssen wir hierbei sogar mit den Rädern einige Flussläufe überqueren. Das Wetter spielt wirklich verrückt, sind wir nicht in einer Wüste? Aber anscheinend kann es auch hier an bestimmten Stellen richtig nass werden und sogar Überschwemmungen geben. Doch der Pfad schießlich durch die Schlucht ist super, vorbei an roten Felswänden über Stock und Stein, eine perfekte Offroad Strecke. Am Ende erwartet uns ein unendlich weiter Ausblick über das Altiplano mit den Vulkanen am Ende des Horizonts.

Weiter ging es dann am nächsten Tag mit einem geführten Ausflug zum Valle de la Luna, das seinen Namen tatsächlich dem ähnlichen Aussehen einer Mondlandschaft zu verdanken hat. Gegen Nachmittag besuchen wir zum Start die Tres Marías, drei durch Erosion und Wind entstandene Steinhaufen, die aussehen wie betende Frauen. Alle Geologen würden jetzt wahrscheinlich die Hände über den Kopf zusammenschlagen bei meinen Erklärungsversuchen. Aber wir sind ja auch keine Experten und wer mehr über die Entstehungsgeschichte der Atacama Wüste, der Steingebilde, Landschaften, Sand- und Salzschichten wissen möchte, der muss einfach unbedingt hier herkommen.

Willkommen im Tal des Todes

Nach den drei Marias fahren wir weiter in das Valle de la Muerte, dem Tal des Todes. Es sieht hier wirklich nur nach trockenen roten Felsen aus und nicht nach Leben. Wir erfahren, eigentlich hieß dieses Tal früher Valle de Marte, Marslandschaft. Viel treffender mit dem tief roten Boden und Steinen, finden wir. Doch da man den Franzosen, der das Valley mit dem Planeten Mars verglich, aufgrund seiner Aussprache nie richtig verstanden hat, wurde aus Valle de Marte – Valle de Muerte. Wen wunderts, wer versteht denn auch schon die Franzosen ;-)

Nachdem wir noch über riesen Sanddünen klettern, erreichen wir zum Sonnenuntergang das Valle de la Luna, wo man den Ausblick auf eine kraterbedeckte und felsige Mondlandschaft genießt und die Cordillera de la Sal, das Gebirge rund herum und die Vulkane im letzten Sonnenlicht in allen möglichen Rot- und Goldfarbtönen erstrahlen.

Danach hieß es zurück nach San Pedro und schnell ins Bett, denn vom Sonnenuntergang fahren wir morgens gleich ganz hoch zum El Tatio Geysir, um dort die Sonne wieder aufgehen zu sehen. Eine Wahnsinns- Tour, bei der man um 4.00 Uhr morgens abgeholt wird und innerhalb von einer Stunde fast 2.000 Meter aufsteigt und sich dann auf einer Höhe von ca. 4.300 Meter wiederfindet. Plötzlich steht man direkt auf dem höchst gelegenen Geysirfeld der Welt. Mit rund 64 Geysiren hört man es überall blubbern, spritzen und zischen, gerade im Dunkeln richtig unheimlich. Doch wenn es die ersten Sonnenstrahlen über die Bergspitzen schaffen und sich das Morgenlicht in den Dampfschwaden bricht, ist es echt ein toller Anblick, wie die vielen aktiven Geysire hier ihr eigenes Naturschauspiel veranstalten.

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Wunder der Natur: Geysire

Im Gänsemarsch, wir wollen weder in ein Geysirloch plumpsen noch können wir uns bei der Höhenluft schneller als Schneckentempo bewegen, folgen wir dann unserem Guide und schauen uns die verschiedenen Stadien, von winzig kleinen Blubberblässchen an der Erdoberfläche bis hin zu hochspritzenden kochenden Wasserfontänen an. Zum Abschluss kann man noch ein Bad in warmen Thermalquellen nehmen. Dies kostet aber ziemliche Überwindung bei Minusgraden die Wintersachen gegen den Bikini und die Badehose zu wechseln. Und so springen wir auch ganz schnell und ziemlich ungalant ins Wasser. Aber oh nein, so warm sind die Therme gar nicht, bibber bibber! Es gibt tatsächlich nur eine Stelle, wo richtig schönes heißes Wasser heraussprudelt. Das erklärt auch, warum die Leute dort quasi wie die Hühner auf den Haufen alle aufeinander hocken. Na gut dann quetschen wir uns mal schnell dazwischen. Ein gutes hatte es: So verschwanden die Frostbeulen an den Füßen doch noch.

Den letzten Nachmittag und Abend genießen wir dann noch in San Pedro de Atacama. Man kann auf dem Kunstmarkt ein bisschen stöbern gehen und in den kleinen Cafés und Restaurants tagsüber herrlich in Ruhe die Sonne genießen. Gegen Abend werden dann in den Innenhöfen die Lagerfeuer angezündet. Trotz der vielen Touristen hat San Pedro seinen Charme behalten. Denn wo tagsüber alle unterwegs sind die Natur zu entdecken, trifft man sich abends wieder und kann herrlich von seinen Abenteuern berichten.

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Marcell hatte am Ende auch noch nicht genug vom Atacama Fieber. Und so hat er sich einfach wieder das Mountainbike samt Board geschnappt und ist zurück zu den 150 Meter hohen Dünen im Death Valley gedüst, um hier in der Wüste das Sandboarding auszuprobieren. Aber es war wohl ziemlich anstrengend bei knallender Sonne und im tiefen Pudersand drei Mal die Düne hochzukraxeln. Doch die Mühen haben sich gelohnt, denn am Ende konnte man wieder perfekt hinunter boarden. Was für ein Erlebnis!

Hier in der Atacama Wüste hätten wir mit Sicherheit noch viel länger bleiben können. Eine so einzigartige Landschaft zusammen mit dem Angebot an Abwechslung findet man wohl selten an einem Ort. Doch wir sind schon so neugierig nach der langen Zeit in Argentinien und Chile endlich ein neues Land in Südamerika zu entdecken, so dass es für uns jetzt weiter nach Bolivien geht.

Also Chau Chile – Bienvenidos a Bolivia – Eure Kathrin!

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