Von Inseln aus Schilf auf dem Titicacasee

Von La Paz aus ging es für Kathrin zum berühmten Titicacasee. Hier war sie sowohl auf der bolivianischen als auch auf der peruanischen Seite des Sees unterwegs:

Vom verrückten La Paz machen wir uns heute auf den Weg zum höchst gelegenen See der Welt, dem Titicacasee. In 3.808 Meter Höhe erstreckt sich das Gewässer über 8.400 km2 zwischen Peru und Bolivien. Wenn man sich die Umrisse des Sees auf der Karte einmal von Weiten anschaut, sieht man Überkopf die Form eines Pumas – so lautet die Legende.

Ja mit viel Phantasie und schätzungsweise wenn man einige Kokablättern gekaut hat, glauben wir den Aymaras mal. Denn der Puma ist für dieses indigene Volk, sowie damals auch für die Inkas, ein heiliges Tier und so gehört Copacabana, ein kleiner Ort am südlichen Uferzipfel des Sees, noch heute zu einer der wichtigsten Pilgerstätten in Bolivien. Die Leute kommen hierher und geben zu Ehren von „Pachamama“, der Mutter Erde, Opfergaben und erbeten sich den Segen für allerlei Vorhaben. Zum Beispiel lässt man sich dort auch sein Auto segnen, so dass man immer unfallfrei bleibt und es einem lange nützlich ist.

Dass man die Fahrt nach Copacabana heile übersteht ist aber leider noch nicht mit inbegriffen. Von La Paz bis Copacabana ist es gar nicht weit, aber da wussten wir auch noch nicht, dass der sowieso schon schrottreife Van noch mit einem ebenso schiffbruchmäßig aussehenden Floß den See überqueren muss. Jede Sekunde zum Absprung bereit, um im Zweifelsfall noch ans Ufer zu schwimmen, kommen wir doch wider Erwarten gut in Copacabana an.

Stürmische Überfahrt auf die Schilfinseln im Titicacasee.

Copacabana ist übrigens nicht zu verwechseln mit der Copacabana in Rio. Wir befinden uns immer noch im verrückten Bolivien. Die Cholita Frauen mit ihren dicken Schichtröcken und kleinen Zylinderhüten kann man sich hier definitiv nicht in Bademoden am Strand vorstellen. Obwohl man sagen muss, dass die klare Luft, der blaue Himmel und das blendende Hochgebirgslicht einen wirklich fast dazu verleiten, sich für eine Erfrischung in die Tiefen des in der Sonne glitzernden Sees zu schmeißen. Aber bei den kühlen Temperaturen lassen wir das Eisbad mal aus.

Copacabana – in Bolivien

Copacabana selber ist sehr übersichtlich und rund um das Ufer befinden sich traditionelle Dörfer der Aymara, doch das eigentlich Interessante findet man, wenn man das Boot nimmt und zu den Inseln des Titicasees fährt. In Bolivien ist hier das Highlight die Isla del Sol. Von mediterranen Buchten wandert man über alte Inkapfade durch kleine Dörfer und vorbei an heiligen Stätten und Ruinen aus vergangenen Zeiten. Es erwarten einen immer wieder tolle Aussichten über den See und die einzigartige Flora und Fauna der Inseln lässt einen wirklich denken, man befindet sich auf einer Insel im Mittelmeer.

Blick vom Boot aus auf die Schilfinseln.

Eine Tageswanderung über die Isla del Sol ist ein echt toller Start zur Entdeckung des Titicasees, denn nicht nur Bolivien hat hier viel zu bieten, auf der peruanischen Seite gibt es sogar noch mehr Inseln zu entdecken.
So geht es am nächsten Tag von Copacabana über die Grenze und zum ersten Mal nach Peru. Puno heißt der Ort, von dem aus man unzählige Touren raus auf den See unternehmen kann. Doch wir sind besonders an den einzigartigen schwimmenden Schilfinseln der Uros interessiert. Das Volk der Uros ist mittlerweile ausgestorben, doch noch immer leben einige Hunderte der Nachfahren, gemischt mit Hochzeiten mit Aymaras und anderen Indigenen, auf ca. 50 verstreuten selbstgebauten Inseln im See. Sie nutzen das am Ufer wachsende Schilf und durch einen langen Prozess, indem immer wieder Schilfschichten aufeinandergelegt werden und sich dann mit den Wurzeln Unterwasser verbinden, bauen sie schließlich eine tragende und schwimmende Plattform. Auf dieser Insel kann dann alles Weitere erstellt werden, die Häuser, Betten, die Boote, usw. ebenfalls alles aus Schilf.

Wenn man mit dem Boot zu den Uros fährt und die ersten Inseln am Horizont auftauchen, ist dies schon ein merkwürdiger Anblick. Man kann gar nicht glauben, dass das Schilf tatsächlich so ein kleines Dorf auf einer Insel komplett trägt. Und wenn man dann das Boot verlässt und auf diese Insel steigt, muss man auch erst mal testen mit einem Fuß, ob man nicht doch gleich einsackt und ins Wasser fällt. Aber wir kommen alle trockenen Fußes an Land. Das Schilf ist ganz weich und es wippt und federt einen förmlich über die Insel. Ein seltsames, zugleich aber lustiges Gefühl!

Eine Insel ganz aus Schilf.

Auf den Uros selber werden einem dann die Unterkünfte und die Bauweise mit dem Schilf gezeigt und man bekommt einen Einblick in das Leben der Einwohner. Auch eine Bootsfahrt in einem der selbstgebauten Schilfboote ist im Programm enthalten.
Der Ausflug zu den Uros ist wirklich sehr interessant, denn wo sonst kann man Schilfinseln entdecken?
Allerdings muss man auch sagen, dass es doch mittlerweile sehr touristisch ist. So stellen die Einwohner ihre Kleidung zur Verfügung für Fotos und schon die kleinsten Kinder, die gerade sprechen können, werden darauf getrimmt für die Touristen in die Kamera zu lächeln und nach Geld zu fragen.

Kinder in tradiitoneller Tracht.

Daher unser Fazit: Um nur die schwimmenden Schilfinseln einmal gesehen zu haben, ist eine halbtägige Tour dorthin schon empfehlenswert, doch die natürlich entstandene Isla del Sol in Bolivien ist im Vergleich wesentlich schöner und nicht so touristisch.

Zum Abschluss unserer Inseltouren am Titicasee gab’s dann noch das passende Abendessen. Eine Spezialität dieser Region, „Troucha de la Plancha“. Ein Fisch aus dem See mit Reis und Salat und natürlich mit einem Pisco Sour, wir sind ja jetzt in Peru!

Eure Kathrin!

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