Der Inka Jungle Trail – Auf dem Weg zur „Verlorenen Stadt“

Klar, Kathrin hätte es auch einfacher haben. Einfach in den Zug und am berühmten Machu Picchu aussteigen – tut sie aber nicht! Stattdessen stehen drei Tage Wandern, Rafting und Radfahren auf dem Programm:

Wir sind in Peru und mit Puno und den schwimmenden Uros-Inseln beim bzw. im Titicacasee haben wir schon die ersten Orte und Einheimischen in unserem neuen Reiseland kennengelernt. Jetzt wird es aber immer spannender, denn so langsam nähern wir uns einem weiteren Highlight auf unserer Tour durch Südamerika – der verlorenen Stadt namens „Machu Picchu“. Eine sagenumwobene Festung der Inkas, versteckt gelegen zwischen den Wolken hoch in den Anden, und wohl die spektakulärste Sehenswürdigkeit in Peru!

Aber einfach mit dem Bus dort hinfahren wäre ja zu einfach und unserer Meinung nach der Geschichte und Existenz der Stadt nicht so richtig würdig. Um die verlorene Stadt sehen zu dürfen, finden wir, muss man sich den Eintritt verdienen und so machen wir es wie früher schon die Inkas und packen unseren Rucksack um in vier Tagen zu Fuß über die alten Pfade durch die Berge unser Ziel Machu Picchu selber zu erklimmen.

Nicht nur viele Wege führen nach Rom, auch die Inkas haben sich ein ausgeklügeltes System an kleinen Pfaden und Trails ausgedacht. Der berühmteste von allen Inkatrails war leider schon auf Monate hin ausgebucht, hier sollte man also wirklich weit im Voraus planen. Wir haben dann einfach einen anderen Weg gewählt und zwar den Inka Jungle Trail.

Der Trail ist alles andere als langweilig

Auch mit einer langen Wanderung verbunden, startet der erste Tag in Richtung Machu Picchu allerdings eher actionreich. Mit den Mountainbikes geht es aus 4000 Meter Höhe hinunter ins Tal. Wir schlängeln uns durch die scharfen Kurven bergab. Links von uns ein hundert Meter tiefer Abgrund und von vorne verrückt fahrende Peruaner mit ihren Trucks,. Das Ganze dann bei strömenden Regen, eine wirkliche Mutprobe und Herausforderung. Aber die tollen Ausblicke ins heilige Tal waren es definitiv wert. Unten angekommen ist es auch nach 1500 Metern Höhenunterschied gleich wieder viel wärmer.

Da wir eh schon pitschnass sind, wechseln wir gleich mal vom Mountainbike ins Raftingboot und legen den nächsten Teil unseres Weges über den Fluss zurück. Die starke Strömung schmeißt unser Schlauchboot hin und her und das Wasser spritzt uns ins Gesicht. Da gilt nur noch festhalten und paddeln, paddeln, paddeln. Hat man die stärksten Stromschnellen überstanden, fängt man erst mal an die Natur um sich herum aufzunehmen. Die grünen Dschungelwälder, Nebelschwaden hangeln sich entlang der Berge hoch und Kondore fliegen friedlich durch die Luft – einfach unbeschreiblich!

Inkatrail - Pause local Haus_

 

Und fast haben wir unser erstes Etappenziel erreicht. Nach einem letzten, aber sehr steilem Fußmarsch, erreichen wir versteckt mitten im Wald die Hütten einer peruanischen Familie. Die Mutter ist mit ihren Töchtern auch schon fleißig dabei für uns zu kochen.  In der Küche laufen auf dem Boden zwischen den Töpfen Meerschweinchen herum – es wird doch wohl nicht das sein, was wir denken? Nein, Gott sei Dank nicht. Die Meerschweinchen waren bereits für die Inkas aufgrund ihrer Fähigkeit sich so schnell zu reproduzieren heilig und sind es noch heute. So werden sie nur zu besonderen Anlässen gegrillt oder gekocht und mit der ganzen Familie zum Essen geteilt, und bis dahin hält man sie solange als Haustiere.
Aha, ja gut das heute kein besonderer Anlass ist, und dass Marcell morgen Geburtstag hat, sagen wir mal lieber nicht so laut.

Nach einer ruhigen Nacht geht es zur nächsten Etappe

Nach einer Nacht in einer Art Baum- und Bambushaus mit vielen mysteriösen Tiergeräuschen und einem wunderschönen Morgen mit den erstem Sonnenlicht, das die Farben des grünen Dschungels und der bunten Pflanzen noch intensiver erscheinen lässt, machen wir uns startklar zur nächsten Etappe. Heute geht es über die uralten Inkapfade durch die Berge weiter nach Santa Teresa. Und hierzu gehört auch, dass wir uns wie damals die Krieger und Nachrichtenläufer der Inkas mit Gesichtsbemalung richtig auf die Strecke vorbereiteten. Die Naturfarbe soll übrigens auch gegen Moskitos schützen.

Und schon geht es los zu Fuß über Treppenstufen und schmale Pfade immer weiter hoch. Wahnsinns- Ausblicke erwarten einer immer wieder nach jeder Abbiegung. Die Inkas haben schon gewusst, warum sie sich diese Strecke ausgesucht haben. Zwischendurch machen wir immer wieder Pause an wunderschönen Aussichtspunkten und unser Guide erzählt uns mehr über das Leben der Inkas. Ein Reich, das sich in den Hoch- und Glanzzeiten über fast ganz Südamerika von Kolumbien bis Chile erstreckte und dessen Untergang schließlich durch Krankheiten, Zwietracht unter den Herrschern und letztendlich dem Einfall der Spanier entschieden war.

Kathrin und Marcell mit ihrer Inka-Bemalung.

Eine ganze Kultur einfach ausgelöscht. Aber nicht ganz, denn die indigenen Quechua Leute, die hier immer noch in den Anden leben, haben sich einige der Riten und Gebräuche bewahrt. Man sagt ja auch, „Inka“ hieß eigentlich nur der König. Das Volk waren die Quechuas. Und so sieht man zwar nur noch die steineren Ruinen der Pfade und Stätten aus der damaligen Zeit, aber der Geist lebt ja doch irgendwie noch ein bisschen weiter. Ihr merkt schon, das Wandern auf den Inkapfaden zieht einen richtig in den Bann. Wenn wir in Machu Picchu ankommen, fühlen wir uns wahrscheinlich nachher selber noch als wiedergeborene Inkas…

Gut, dass wir dann gegen Abend unsere zweite Etappe erreicht haben. Die heißen Thermen bei Santa Teresa. Nach der Tageswanderung ein toller Ausklang um die Muskeln und die müden Füße wieder richtig zu entspannen. Denn am nächsten Tag geht es auch gleich weiter. Der letzte Weg führt uns über verschiedene Flussbrücken, nichts für Leute mit Höhenangst, letztendlich zu der alten Zugstrecke und den Schienen, die nach Aguas Calientes führen. Ein kleines Dorf am Fuße des Machu Picchu Mountains. Der Weg ist recht einfach zu bewältigen und entlang der Schienen auch nicht so spektakulär, aber man befindet sich immer noch mitten im grünen Dschungel und bunte Vögel und Schmetterlinge fliegen umher, so dass das leichte Wandern auch hier Spaß macht. Nur auf den einsetzenden Regen zum Schluss hätten wir gerne verzichtet. Aber umso mehr freut man sich dann, wenn man schließlich am Ende des dritten Tages die ersten Häuser von Aguas Calientes entdeckt und eine warme Dusche bereits auf einen wartet.

Denn für den morgigen Tag müssen wir fit sein. Bereits um halb fünf müssen wir aufstehen, damit wir rechtzeitig zu Fuß noch vor den ganzen Touristenbussen den Eingang zur Inkastadt erreichen.

Drei volle Tage mit Radfahren, Rafting und Wandern haben wir hinter uns. Jetzt geht es zur letzten Etappe hoch auf den Berg. Machu Picchu wir kommen!!

Und ob wir die verlorene Stadt wirklich gefunden haben, dazu mehr beim nächsten Mal!

 

Eure Kathrin!

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