Der Aufstieg nach Machu Picchu

Statt mit dem Bus nach Machu Picchu zu fahren, setzt Kathrin auf ihre eigene Kraft und geht zu Fuß hoch:

Den viertägigen abenteuerlichen Inkatrail durch den peruanischen Jungle und über die alten Steintreppen, die sich hoch entlang der Berge durch die Anden schlängeln bis entlang des Flusses nach Aguas Calientes am Fuße von Machu Picchu haben wir geschafft.

Jetzt steht die letzte Etappe und das Highlight unserer Tour an, der Aufstieg nach Machu Picchu. Da wir es schon so weit zu Fuß geschafft haben, wollen wir es uns nicht nehmen lassen auch den letzten Anstieg aus eigener Kraft zu bewältigen. Und dass heißt früh Aufstehen. Denn um als erstes oben beim Eingangstor anzukommen, müssen wir schneller sein als die Busse, die um 05.30 Uhr in Aguas Calientes starten und zu Fuß bekommt man leider nur eine halbe Stunde Vorsprung.

Also laufen wir um zwanzig nach vier, früh morgens mit Rucksack und Kopflampe los. Denn der Startpunkt zum letzten Trail befindet sich ca. 15 Minuten Fußweg an einer kleinen Brücke außerhalb Aguas Calientes. Und um Punkt fünf Uhr darf man das Tor passieren: Man muss eine alte morsche Brücke den Fluss überqueren und dann geht’s schon los los. Serpentinmässig klettern wir über unzählige Steinstufen immer weiter den Berg hoch. Schon nach dem ersten Abschnitt heißt es Jacke aus, Wasserflaschen raus, das wird eine sportliche Angelegenheit.
Je höher wir kommen, desto mehr lichten sich die Bäume und mit dem ersten Morgenlicht erhält man schon einen ersten Eindruck wie hoch es geht, denn der reißende Fluss ähnelt langsam nur noch einem kleinen Rinnsal.

Spektakulärer Blick auf die Inkastadt
Nach 45 Minuten und einem halben Herzinfarkt haben wir es geschafft. Wir sehen den Eingang und noch rechtzeitig vor dem Ankommen der ersten Touristen gelangen wir zusammen mit den schnellsten Läufern in die verlorene Stadt. Hinter dem Eingang müssen wir noch ein paar Schritte rund um den Berg gehen, doch dann eröffnet sich auf einmal ein spektakuläres Panoramabild auf Machu Picchu.

Man würde denken, man hat schon so viele Bilder von Machu Picchu gesehen, dass die Überraschung nicht so groß sein kann. Aber wenn man gerade noch heil froh ist, den Aufstieg geschafft zu haben und noch völlig k.o. von der Anstrengung ist und dann diese alte Stadt sieht, in so einer unfassbaren Lage hoch auf dem Berg, eingerahmt von dem Flusslauf und den umliegenden Bergspitzen der Anden, die Wolken, die vorbeiziehen, sind greifbar nah, da muss man wirklich nach Atem ringen. Einfach unbeschreiblich. Erst einmal hinsetzen, um diese Szenerie auf sich wirken zu lassen. Und da wir mit die Ersten sind, können wir den Einklang der Stille, der Natur und der Stadt einer längst verlorenen Kultur richtig genießen.

Lamas grasen friedlich auf dem Grasplateau, die Wolken treiben vorbei, man könnte fast denken, gleich erwacht die Stadt aus dem Schlaf zum Leben und die ersten Menschen tummeln sich auf dem Marktplatz. Unglaublich, dass Machu Picchu so lange vergessen wurde und erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus Zufall, weil ein kleiner Junge aus einem Ort in der Nähe den Historiker Bingham auf den Berg führte, wieder gefunden wurde.

Genau diese Tatsache macht Machu Picchu zu so einem Highlight. Versteckt in den Bergen haben nicht einmal die Spanier die Stadt entdeckt. Und somit verschont geblieben von Zerstörung und Plünderung und nur der Natur ausgesetzt, sind die alten Gebäude noch heute so gut erhalten, dass die außerordentliche hohe Qualität der Steinmetzarbeiten und bedeutende Verzierungen an den Tempeln, dem Königspalast und im Wohn- und Handwerkssektor noch überall zu entdecken sind.

Legenden und Mythen ranken sich um Machu Picchu

Der eigentliche Zweck der Stadt und das Wissen um Machu Picchu bleibt auch heute noch bruchstückhaft. Man vermutet es könnte eine letzte Festung des Inkareichs sein, ein königlicher Schlupfwinkel vor der Invasion der Spanier oder eine heilige Pilgerstätte. Eine richtige Antwort erhält mal wohl nie. Aber umso mehr Geschichten sich um die Stadt ranken, desto mehr kommt man sich beim Spazieren über die Anlage hin zum Sonnentor, dem Tempel des Condors und Opfersteinen vor in eine andere Welt abzutauchen.

Man fühlt sich wie Indiana Jones, wenn man durch die Pfade und Steinhäuser der Stadt läuft. Und von der „Hütte des Verwalters vom Grabfelsen“, hat man dann die optimale Aussicht für die perfekten Postkartenmotive. Doch wir sind noch nicht am eigentlichen Höhenziel unseres heutiges Tages angelangt. Der Machu Picchu Mountain wirft noch sein Schatten über uns und wartet. Nicht das die Stufen zur Stadt schon anstrengend genug waren.

Eigentlich wollten wir auch nur auf den Wayna Picchu, ein Gipfel direkt hinter dem Mondtempel Machu Picchus gelegen, mit weiteren Ruinen und einer tollen Aussicht. Aber leider sind für diesen Gipfel täglich nur 400 Personen zugelassen und die Tickets bereits Wochen bis Monate hinaus ausgebucht. Schade, aber der Machu Picchu Mountain ist letztendlich eine genauso gute Wahl, wenn nicht sogar die bessere finden wir. Denn mit noch ein paar mehr Höhenmetern sieht man auch entsprechend mehr. Und es ist ungefähr so wie in New York. Alle fahren hoch auf das Empire State Building für einen 20 minütigen Blick über Manhattan. Doch das man vom dahinterliegenden Rockefeller Center eine perfekte Aussicht über Manhattan zusammen mit dem Empire State Building hat und so lange bleiben kann, wie man möchte, ist doch zehn Mal besser.
Also für uns ist Machu Picchu Mountain definitiv das Rockefeller Center unter den umliegenden Gipfeln, leider ohne Aufzug. Doch keuchend, stöhnend und Steinstufen krabbelnd schaffen wir es gegen Mittag auch hier bis zur Spitze. Und jetzt steht man wirklich inmitten der Wolken. Auf der gegenüberliegenden Seite sieht man ganz kleine Punkte der Menschen auf dem Wayna Picchu und tief unten trohnt die Stadt Machu Picchu auf ihrer grandiosen Lage des Bergplateaus.

Fix und fertig – aber glücklich!

Und jetzt ist erst einmal Pause angesagt, unsere Beine zittern quasi noch, so steil gingen die Stufen in die Höhe. Daher so schnell kriegt uns hier niemand mehr runter. Und wo wenn nicht hier auf dem höchsten Berg mit dieser Aussicht kann man ein super Picknick machen. Irgendwann heißt es aber dann doch fertig zum Abstieg, vor allem da es durch den einsetzenden Regen ein wenig ungemütlich wird und wir die Steintreppen nicht unbedingt auf unserem Steissbein herunterrutschen möchten. Und so geht es Stufe um Stufe wieder komplett hinunter ins Tal von Auguas Calientes.
Fix und fertig, aber glücklich fallen wir nur noch auf die Couch in unserer Unterkunft. Wir schwören heute gehen wir keine einzige Treppensfufe mehr, die Inkas müssen die Waden und Oberschenkel von Sprintern gehabt haben. Auch drei Tage später erinnert uns unser Muskelkater an Machu Picchu. Aber er macht uns auch stolz, diese verlorene Stadt auf eigene Faust entdeckt und besucht zu haben.
Eine Reise dorthin ist definitiv genauso wie es jeder Reiseführer beschreibt: Einfach unglaublich, einzigartig, unvergesslich und zurecht das Highlight Perus oder sogar das kulturelle Highlight Südamerikas!

Eure Kathrin!

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