Vom Süden in den Westen – Ein Trip über die Nullarbor Plain

Die Nullarbor Plain ist nicht nur das größte Kalksteinstück der Welt, sondern auch Heimat des Eyre Highways, der Western Australia mit South Australia verbindet. Petra, die für itravel Down Under unterwegs ist, hat mit zwei Freundinnen und Campervan Barney eine fünftägige Fahrt durch die besagte Wüstenlandschaft auf sich genommen und das mit einigen Strapazen…

Mein Trip durch Australien, der nun schon fast fünf Monate dauert, hat mich bisher an Traumstrände, Grüne Oasen und lebendige Metropolen gebracht. Klar, dass zu einen echten Australien-Trip auch eine Wüste gehört – vielleicht keine Sandwüste, aber zumindest eine Karstwüste. Und da ich und meine kleine Reisegruppe (bestehend aus meinen zwei Freundinnen Piri und Katha, als auch unserem Camper, den wir liebevoll Barney nennen) eh in den Westen wollen, bleibt uns keine andere Wahl als den Eyre Highway, beginnend in Port Augusta bis hin zu Norseman in Western Australia, zu durchqueren.

Australiens längste gerade Strecke.

Da uns auf den 1.675 Kilometern nicht viel außer Nichts erwartet, fangen früh die Vorbereitungen an, die spätestens in Port Augusta abgeschlossen sein müssen:

– Schafft es Barney? Hat er genug Öl, Kühlflüssigkeit ? Lieber etwas zur Sicherheit mitnehmen…
– Ist die Gasflasche fürs Kochen voll? Ja, ist sie, hat uns aber auch nicht viel gebracht (dazu später mehr…)
– Reifendruck ok?
– Tank voll?
– Genügend Trinkwasser dabei? 30 Liter sollten reichen…
– Lieber auch nochmal den Wassertank von Barney auffüllen…
– Futter – genug für vier Tage – Aber: wenn möglich auf Obst und Gemüse verzichten, da man an der Grenze   zu Western Australia alles entsorgen muss
– Navigationssystem – eigentlich nicht, denn verfahren ist schwer, wenn es nur eine Straße gibt…
– Musik – viel davon, denn der Radioempfang, naja, er ist halt nicht da…

Nach der Abarbeitung der Checkliste geht es los – wir bezwingen die Nullarbor Boring, wie sie auch von den Australiern genannt wird.

Der erste Tag auf der Straße

Der erste Tag verläuft bestens. Von Port Augusta machen wir noch einen kleinen Umweg an die Küste in den kleinen Ort Streaky Bay, wo wir ein letztes Mal vom Word Wide Web und Funkverbindung Gebrauch machen. Auf dem Weg dahin haben wir in Kimba, einem kleinem Ort mitten im Nichts, von einem gut aussehenden Mechaniker das Öl im Auto nachfüllen lasen. In Streaky Bay angekommen werden die Einkäufe verstaut und der Wagen noch einmal komplett voll getankt, da die Benzinpreise in der Nullarbour Plain locker auch mal 70 Cent pro Liter über dem Normalpreis liegen. Hier übernachten wir auch und machen uns am nächsten Morgen früh auf.

Tag zwei belohnt uns mit der Sicht auf ein paar herumtollende Wale in der Bucht „Head of Bright“, wo wir die  Mittagszeit bei strahlendem Sonnenschein genießen. Die Nacht verbringen wir dann zum ersten Mal auf einem Rastplatz – ohne Strom, Duschen und ja, auch ohne Toiletten…

 

Tag drei startet früh und so wie sich die Dämmerung am Morgen langsam löst, dämmert es auch mir: War da nicht was, dass man Gemüse und Obst nicht über die Grenze in den Westen nehmen darf? Und durchqueren wir die nicht heute? Und ja, so ist es. Gut, dass unser neuer Camping-Freund Rusty da war, um uns aufzuklären. Da wir drei Vegetarier an Bord haben, die zwei Tage zuvor in Massen eingekauft haben, können wir gut die Hälfte des Essens wegschmeissen. Mit dieser Lösung sind wir jedoch nicht zufrieden und so beschließen wir alles zu kochen und einzulegen, was nur geht (verarbeitetes Gemüse und Obst ist nämlich erlaubt). Während ich mich daran mache den Knoblauch in Öl einzulegen, schnibbeln die anderen beiden Kohl, den wir kochen wollen. Zudem haben wir noch die glorreiche Idee aus dem Kilo Äpfel, das wir noch haben, einen Kompott zu zaubern. Nachdem ich mit dem Knoblauch fertig bin, versuche ich die Gasflasche für den Herz aufzudrehen, merke aber recht schnell, dass da was nicht stimmt. Der Hahn lässt sich weder nach rechts noch nach links drehen, ergo: Wir können unser Obst und Gemüse nicht verarbeiten, da wir nichts kochen können. Zu später Stunde beschließen wir weiter zu fahren, in der Hoffnung jemanden zu finden, der uns eine Zange leihen kann um den Hahn zu lockern (auf unserem Rastplatz ist nämlich weit und breit keine menschliche Seele zu sehen).

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Schnell ist Hilfe gefunden, zumindest schein es so. Ein grimmiger Opa, den wir in seiner Abendroutine stören, schnappt sich eine Zange, mit der er sich an der Gasflasche zu Schaffen macht. Er dreht und zieht und zerrt und ja, ganz wunderbar, bricht den Verschluss komplett von der Flasche ab. Mürrisch sagt er nur „sorry“ und verkriecht sich zurück in sein mobiles Zuhause. Kurz danach beschließen wir uns doch mit der Lösung zufrieden zu geben die Frischware vor der Grenze los zu werden.

Ohne Obst und Gemüse wird die Grenze passiert

Am vierten Tag passieren wir die Grenze in den Westen – natürlich ohne Obst und Gemüse. Der Wagen wird untersucht und wir können passieren. Auf dem Weg nach Balladonia, wo wir die nächste Nacht verbringen wollen, fällt uns dann ein, dass wir jetzt weder Gas noch wirklich was zu essen haben – außer Toast und Joghurt…

Am fünften Tag ist es dann auch geschafft: Wir kommen im Norseman an und haben den Eyre Highway bezwungen! Als erstes wird der örtliche Supermarkt geplündert – noch nie habe ich mich so über eine Banane und einen Kiwi-Drink gefreut…

 

Und nun mein Fazit:
Die Fahrt über den Eyre Highway und somit auch über die Nullarbor Plain ist etwas einmaliges. Zum ersten Mal sind mir die Weiten Australiens bewusst geworden und trotz karger Langschaft auf der rechten und linken Seite der Straße findet man dennoch immer einen Aussichtspunkt oder etwas anderes, was einen kleinen Stopp wert ist, wie zum Beispiel ein Zebrastreifen, der wohl für die vielen Kängurus gedacht ist, den wir für ein kleines Beatles-Fotoshooting nutzen. Ist ja nicht so, dass wir den Verkehr behindern, denn mitten im Nichts begegnet man nur selten anderen Autos.


Die Strecke lässt sich vielleicht auch schneller bewältigen, aber man sollte nicht all zu lange am Stück fahren, vor allem nicht in den Sommermonaten.
Und auch wenn wir top-organisiert und dennoch mit etwas Pech die Wüste durchquert haben – ich würde es wieder tun.

Eure Petra!

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