„Island ist wie ein buntes Potpourri aus Kinderbüchern“

Kessy Bona ist gerne unterwegs – in ihrem Blog www.kessybona.com berichtet sie von ihren Reisen mit Mann, Kind und Hund. Derzeit freut sich auf ihre nächste Reise nach Island. Warum dies so ist, hat sie uns erzählt:

In nur wenigen Wochen ist es soweit und wir machen uns wieder auf den Weg nach Island. Diese Insel hat sich einfach in unsere Herzen gebrannt, denn es gibt Reisen, die, auch wenn sie nur wenige Tage dauern, unvergesslich bleiben. Meist sind das für mich eher Gefühle, Stimmungen, die ich damit verbinde und nach denen ich mich dann sehne. Die Fülle an Eindrücken, die man in Island gewinnt, übertrifft alles. So wechseln sich tosendes Brausen der Wasserfälle mit unsagbarer Stille unter sternenklarem Himmel ab. Jede Nacht sitzen wir vor unserer Unterkunft, um dieser unglaublichen, für mich nie irgendwo anders je da gewesenen Stille zu lauschen. Keine Autos, kein Stadtlärm, der ablenkt – nur Stille, die einen so vollkommen zur Ruhe kommen lässt und bereits am ersten Morgen das Gefühl vermittelt, schon längst angekommen zu sein…

Einsam und still ist es in Island vielerorts – wie hier am Black Beach.
Einsam und still ist es in Island vielerorts – wie hier am Black Beach.

Einander näher rücken

Auch wenn man viel unterwegs ist, so ist ein Urlaub in Island bestens für Familien geeignet, um ursprüngliche Natur zu erleben und auch, um einander näher zu rücken. Tage voller unvergesslicher Erlebnisse im Freien, Blaubeeren direkt vom Strauch, Abenteuer erleben aber auch purer Badespaß in einem der Thermalbäder. Island ist wie ein buntes Potpourri aus Kinderbüchern: Schroffe Felsformationen, schneebedeckte Gletscher, unwirkliche Mondlandschaften, sprudelnde Geysire, strahlend blaue Seen, schwarzer Sand, saftig grüne Wiesen und überall lila blühendes Moss und Lupinien. Ein einzigartiges Refugium der schönsten Naturformen. Dazu überall Tiere wie freilaufende Schafe, die unfassbar schönen Islandpferde, Wale, Robben und lustige Puffins, die Papageitaucher, ich komme aus dem Schwärmen gar nicht heraus. Dazu jede Menge Fabelwesen, von so einem Urlaub träumt doch jedes Kind.

Lupinien, wohin der Blick schweift. Islands Landschaften scheinen Märchen entsprungen zu sein.
Lupinien, wohin der Blick schweift. Islands Landschaften scheinen Märchen entsprungen zu sein.
Die Islandpferde gehören zur Insel wie die Koalas zu Australien.
Die Islandpferde gehören zur Insel wie die Koalas zu Australien.

Golden Circle – (fast) alle Island-Highlights in zwei Tagen

Um sich einen ersten Eindruck der Insel zu verschaffen, empfiehlt es sich, einen Leihwagen zu nehmen und den „Golden Circle“ entlang zu fahren – eine Strecke die im Überblick den perfekten Eindruck von Island vermittelt. Dabei hat man die Möglichkeit, in nur einem Tag die mit bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Insel zu besuchen: Den Nationalpark Thingvellir, die Geysire Strokkur und Geysir und einen der schönsten Wasserfälle des Landes – den Gullfoss. Um sich jedoch die ganze Route in Ruhe an zu schauen, und auch ein Bewusstsein für die Insel zu entwickeln, empfehle ich, sich für die gesamte Strecke zwei Tage Zeit zu nehmen. Ich bin mir sicher, spätestens wenn man so in die Insel eingetaucht ist, möchte man auch den Rest sehen. Obwohl das schier unmöglich ist. Der rauhe und zerklüftete Norden, der uns dieses Jahr im Sommer anzieht und die Möglichkeit bietet, nach Grönland über zu setzen ist so viel anders als der viel grünere Süden oder gar die Hochplateaus mit den Gletschern der Mitte.

Absolut imposant: Islands Geysire, hier der Strokkur in Aktion.
Absolut imposant: Islands Geysire, hier der Strokkur in Aktion.
Die Gulfoss-Wasserfälle gelten bei vielen Reisenden als die schönsten in ganz Island.
Die Gulfoss-Wasserfälle gelten bei vielen Reisenden als die schönsten in ganz Island.

Viele verbinden Island auch im Sommer mit Kälte, dabei hatten wir jedes Jahr im Juli ausgesprochen schönes, sehr angenehm mildes Wetter um die 20 Grad. Es empfiehlt sich aber immer, regenfeste Kleidung im Auto dabei zu haben, denn man sollte bedenken, dass sich hier zu jeder Jahreszeit die Wetterlage wirklich im 10-Minutentakt grundlegend verändern kann. Dann haben wir auch immer Badesachen im Auto dabei, da die ganze Insel voller warmer Quellen – Hot Pots – ist, bei denen man einfach anhalten und sich entspannen kann.

Islands heiße Quellen – ideal zum relaxen und klönen

Für einen Ausflug zu den größeren Bädern, wie der „Blue Lagoon“ oder dem „Laugardalslaug“ in Reykjavik kann man auch gut und gerne einen ganzen Tag einplanen. Aber so viel steht schon einmal fest, die Bäderkultur ist legendär und wir haben schon so manch skurilles und äußerst fröhliches Gespräch im dampfenden Wasser mit den Einwohnern geführt. Sie sind generell äußerst aufgeschlossen, liebevoll und erzählen von Herzen gerne über ihre schöne Insel. Die besten Tipps bekommt man, wenn man mit ihnen ins Gespräch kommt. Voller Stolz markieren sie dann auf den Landkarten, wo man unbedingt anhalten sollte und man erhält aus erster Hand die wirklichen Insider-Tipps. Was ich persönlich so toll finde, ist die Sicherheit, die man hier verspürt. Die Menschen und auch Touristen, die hier hinkommen, sind sehr achtsam und kultiviert, so dass man getrost in freier Natur campen kann, was auch super viele tun. Egal wo, einfach anhalten, Zelte aufbauen und ausschlafen, wo kann man das heutzutage schon noch?

Rejkavik – klein, aber oho

Ich empfehle auch unbedingt, sich einen Tag Zeit für die Hauptstadt Rejkjavik zu nehmen. Auch wenn sie relativ klein ist, so ist sie von einem internationalen bunten Treiben bestimmt – Kunstausstellungen in zahlreichen Galerien oder einfach auch gleich auf der Straße, Musik an jeder Ecke – Island verfügt über eine große musikalische Bandbreite, zahlreiche Producer und Sänger, die auch international viel Erfolg haben aber in ihrer Musik immer noch ihre nordischen Wurzeln mit einbauen. Dazu der alte Fischerhafen, wo die Ausflugstouren zu den Walen, Delfinen und Papageientauchern starten. Ein ganz besonderes Highlight ist aber auch das Saga Museum – es ist zwar eigentlich als Kindermuseum bestimmt, aber da es mittels Wachsfiguren und Originalkulissen den perfekten Eindruck über Islands Geschickte anschaulich vermittelt, auch ein Muss für jeden Erwachsenen. Das Museum eignet sich natürlich besonders, wenn es draußen doch einmal kalt und regnerisch sein sollte. Und wenn das Wetter doch besser ist, kann man einen tollen Ausflug ins 145 Kilometer von Rejkjavik entfernte Freilichtmuseum „Skogar“ unternehmen, wo original Häuser und Torhöfe meist aus dem 19. Jahrhundert zusammengetragen wurden und man einen perfekten Eindruck ins Leben Islands bekommt. Dazu kommt noch eine große Halle voller alter Autos, Flugzeuge, Maschinen und sonderbaren Ausstellungsstücken wie einer „Fjalaköttur „ (Brettkatze), bei der ein schwerer Stein auf einem Brett als Mausefalle fungiert. Hier kann man gut und gerne zwei bis drei Stunden Aufenthalt einplanen.

Das Freilichmuseum „Skogar“ nimmt seine Besucher mit auf eine Reise in die Vergangenheit.
Das Freilichmuseum „Skogar“ nimmt seine Besucher mit auf eine Reise in die Vergangenheit.

Geologie-Unterricht live und in Farbe

Und wer einmal richtig Lust auf ein echtes Abenteuer und zugleich anschaulichen Geologie-Unterricht hat, dem empfehlen wir einen Ausflug auf den „Vatnajökull“ – Europas größten Gletscher und das Dach Islands. An kaum an einem anderen Ort der Welt hat man die Möglichkeit, einem Gletscher so nahe zu kommen, ja, ihn auch wirklich zu erleben wie hier im Vatnajökull-Nationalpark. Diese gigantischen Berge haben eine wahrlich magische Wirkung. Ihre Opulenz ist schier ungreifbar und lässt einen als Mensch plötzlich ganz klein wirken. Der „Vatnajökull“, zu Deutsch „Wassergletscher“ misst an der dicksten Stelle circa einen Kilometer Eis und hat eine Fläche von circa 8100 Quadratkilometern, was etwa acht Prozent der Inseloberfläche ausmacht. Aufgrund seiner Form zählt er zu den sogenannten Plateaugletschern. Er ist an einigen Stellen 2000 Meter hoch und man sieht ihn auf einer Rundreise im Südosten der Insel schon von weitem. Seine schneebedeckte Kuppel ragt aus dem saftigen Grün der Insel heraus und man möchte den Schnee sofort anfassen. Mit entsprechenden Fahrzeugen kann man ihn auch auf eigene Faust auf einigen Straßen befahren, doch ich empfehle lieber eine geplante Tour mit einem Veranstalter. Ob zu Fuß beim Wandern, im Winter mit Schlittenhunden oder wie wir im Sommer mit riesigen Trucks, es gibt wirklich für jeden tolle Angebote.

Unterwegs auf 2000 Metern Höhe – der Wassergletscher bietet zahlreiche Aktivitäten für Groß und Klein.
Unterwegs auf 2000 Metern Höhe – der Wassergletscher bietet zahlreiche Aktivitäten für Groß und Klein.

Stille wie an keinem anderen Ort

So führte unser Weg die Landstraße 1 entlang nach „Höfn“, einem kleinen Ort im Südosten der Insel, was nichts anderes bedeutet als „Hafen“. Ganz dem Wortlaut entsprechend befindet sich hier der einzige Hafen Südost-Islands. In Jeeps führen wir die steile Gletscherstraße hoch. Riesige Schluchten taten sich vor uns auf und als wir die Schneegrenze erreichten, bot sich ein fantastischer Anblick: Glitzernde Kristalle, reflektierendes Licht und eine Stille wie an keinem anderen Ort, den ich kenne. Wahrlich magisch! Ich habe mich erst einmal hingesetzt und diese Bild auf mich wirken lassen. In der Hütte wurden wir mit Schutzkleidung ausgestattet und nach einer kurzen Einweisung saßen wir auch schon auf den Snowmobilen.
Unser Sohnemann nahm beim Papa Patz. Die Tour dauerte ca. 2,5 Stunden und wir machten zwischendurch immer wieder Halt. Dabei wurden uns wirklich viele Informationen über die Gletscher gegeben, anschaulich erklärt in fließendem Englisch. Aber es war auch genügend Zeit für eine vergnügliche Schneeballschlacht mit den Kindern. Nach der Rückkehr hatten wir noch die Möglichkeit, in der Hütte in Ruhe zu essen und draußen ein ganz spezielles Bier zu verkosten. Es wird mit Blüten versetzt, welche nur auf den einheimischen Gletscher gedeihen. Der Geschmack ist fein und die Farbe leicht rötlich. Dabei kann man noch einmal den fantastischen Ausblick genießen.

Wenn der Gletscher kalbt

Von Höfn aus bietet sich die Weiterreise zum „Askja“, einem spektakulären Vulkan bzw. dem dazugehörigen „Viti“ einem äußerst sehenswerten Kratersee. Passend zum Thema haben wir uns aber zum „„Jökulsárlón“, einem 200 Meter tiefen Gletschersee gemacht, in den der große Gletscher Tag und Nacht „kalbt“, sprich riesige Gletscherstücke krachend ins Wasser stürzen bzw. rutschen. Dort empfing uns ein ganz besonderer Zauber.

Wie aus einer anderen Welt - der Gletschersee „Jökulsárlón“.
Wie aus einer anderen Welt – der Gletschersee „Jökulsárlón“.

Während der Himmel voller Sterne war und die Julisonne immer noch etwas Licht schickte, hörten wir es leise platschen und traten vorsichtig näher. Eine Gruppe von jungen Robben tummelte sich zwischen den Eisschollen, tauchte immer wieder ab und kam schnaufend zur Wasseroberfläche zurück. Wie sie so miteinander spielten zeigte uns, wie wunderschön freilebende Tiere sind, die vollkommen ungezwungen und ungestört miteinander umgehen können.

Der Jökulsárlón ist mit 248 Metern der tiefste See Islands. Die auf ihm schwimmenden schillernden Eisberge haben zum Teil eine Höhe von 15 Metern. Sie glitzern wunderschön in der Sonne und man kann gut die verschiedenen Farben erkennen. Die auf dem Foto sichtbaren schwarzen Verfärbungen kommen von der Lavaasche, die blauen sind Reflektionen des Eises sowie mineralische Einschlüsse. Man sollte für diesen Ort wirklich ein paar Stunden Aufenthalt einplanen, gerne im Sommer mit einem tollen Picknick verbunden. Schon nach mehreren Minuten kann man sehen, wie sich diese skurrile Landschaft aufgrund der Wasserbewegung ständig verändert, einzelne Schollen laut krachend zerbrechen, abtauchen und auch neue dazu kommen. Viele Leute machen auch eine der angebotenen Zodiactouren mit. Dabei fährt man mit erfahrenen Guides zu der Stelle, wo der große Gletscher kalbt, die Eisschollen also ins Wasser gleiten.

Hier kann man dem Gletscher beim "kalben" zusehen - so wird das Gleiten der Eisschollen ins Wasser bezeichnet.
Hier kann man dem Gletscher beim „kalben“ zusehen – so wird das Gleiten der Eisschollen ins Wasser bezeichnet.

Aufgrund der Schönheit dieser Lagune und unserer Entdeckungslust wollten wir aber nicht mit vielen Menschen im Bötchen sitzen, sondern machten uns lieber zu Fuß auf dem Wanderweg auf, der direkt am Wasser entlangführt. Man kann sich so ganz unabhängig von den anderen genügend Zeit lassen, die Robben suchen oder kleine Steinchen ins Wasser werfen.

Ein zusätzliches Schauspiel, von dem ich bereits vorher viel gelesen hatte, bot sich uns im Laufe des
Vormittags: Plötzlich drehte sich die Strömung! Während das Süßwasser des Gletschersees normalerweise über einen schmalen Kanal ins Meer abfließt und dabei auch einzelne Schollen mit hinaus aufs Meer treibt, wechselt oft die Strömung und salziges Wasser fließt in Richtung See hinein! So wird auch dessen Zufrieren verhindert.

Ihr seht schon, in Island gibt es unfassbar viel zu entdecken, zu erleben und zu lernen, es ist wirklich ein so toller Urlaub für die Familie.


Das ist Kessy:

Reisen ist Leben und macht so glücklich – Veränderungen zu lassen und hinein tauchen in neue Welten, um dem Alltag zu entfliehen. Dafür muss man auch nicht immer weit fahren, denn oft liegt das Glück gleich um die Ecke und wartet nur darauf, entdeckt zu werden. Am Ende zählt nicht, was man hat oder wer man ist, sondern nur, ob man zufrieden ist mit seinen Erinnerungen. Wer kennt es nicht, dieses herrliche Gefühl, die Füße in den Sand zu stecken und den Wellen zu lauschen oder einfach mal ins Blaue zu fahren. Aber ob Städtetrips, Fernreisen oder das verlängerte Wochenende um die Tür, auf meinem Blog zeige ich euch schöne Ziele für die ganze Familie, denn auch wir reisen mit unserem kleinen Sohn, Hund und manchmal mehr, manchmal weniger Gepäck – Hauptsache alle sind dabei…. Also kommt mit und lasst uns etwas unternehmen….

imgpsh_fullsizeMein Name ist Kessy Bona, 38, glücklich mit Mann, Kind und Hund und eigentlich ständig unterwegs. Neben meiner riesigen Vorliebe fürs Reisen bin ich ein echter Genussmensch, kümmere mich hauptberuflich um meinen Backblog „Pink Sugar – Kessy“, schreibe Bücher und arbeite fürs Fernsehen und sobald noch etwas Zeit dazwischen bleibt, bin ich auch schon wieder weg….

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