Madeira per pedes

„Da, da, das gibt’s bei uns nur in Töpfen. Und hier ist es riesig und wächst am Straßenrand!“ Diesen Ausruf meiner Freundin, einer Landschaftsarchitektin, werde ich nie vergessen. Angesichts der schier überbordenden Fülle an Callas im Straßengraben verschlug es ihr die Sprache. Madeira trägt ihren Beinamen „die Blumeninsel“ völlig zu recht. Die isolierte Lage im Atlantik hat viele endemische Pflanzenarten hervorgebracht, besonders beeindruckend sind dabei die Lorbeerwälder, die ein Relikt aus der Eiszeit darstellen.
Obst und FelderWegen des ganzjährig milden Klimas wachsen hier unter anderem auch Bananen, Avocados, Papayas, Mangos und Maracujas, die hier in fast jedem Obstgarten zu finden sind. Weniger Natur als mehr Kultur sind die Terrassenfelder. Aufgrund der vielen Steilhänge wurde jedes noch so kleine Fleckchen Land mit Steinmauern befestigt (ohne Mörtel!) und bebaut. Die Felder kleben förmlich an den Hängen und bieten ein wunderschönes Panorama.
Madeira WandernMadeiras Wahrzeichen sind jedoch die Levadas. Diese bilden ein weit verzweigtes Kanalsystem: Geplant und gebaut wurden sie zu Anfang von maurischen Sklaven, die die Siedler mit auf die Insel brachten. Sie schufen ein Meisterwerk, das heute noch für jedermann ersichtlich und im wahrsten Sinn des Wortes zugänglich ist.

Die Levadas transportieren das Wasser aus dem regenreichen Norden in den trockenen Süden und sichern so auch die Wasserversorgung Funchals. Unterwegs befinden sich noch viele Abflüsse, die die Felder am Rand des Kanals wässern. Die meisten Levadas sind begehbar und eignen sich hervorragend für Spaziergänge, denn hier merkt man die Steigung der Insel nicht (auf 1000 Metern nur ein Meter Neigung). Sie dienen auch als Fußweg zu den verstreut liegenden Häusern, als Spielplatz für Kinder und manchmal auch zum Wäschewaschen.

Apropos Wandern: Wer auf Madeira nicht wandert, ist selber schuld. Die wahre Schönheit der Insel erschließt sich nur zu Fuß. Zwar bieten sich auch per Auto imposante Ausblicke, diese kann man wegen der engen Straßen aber nicht wirklich genießen, weil es genau da, wo es schön ist, keinen Parkplatz gibt. Ohnehin ist Autofahren eine sportliche Herausforderung, weil die Straßen steil und kurvig sind. Daher lieber zu Fuß gehen – macht mehr Spaß und man sieht viel mehr. Die Busfahrer halten auch mitten auf der Strecke und lassen einen ein- oder aussteigen, wenn man keine Rundwanderung zum Parkplatz zurück machen will.
Porto SantoWer sich einen Urlaub ohne Strand nicht vorstellen kann, der kann seinen Wanderurlaub mit einem Abstecher per Fähre oder Flieger zur kleinen Nachbarinsel Porto Santo kombinieren. Die Insel ist nur 14 km lang und 6 km breit und verfügt über 9 km goldgelben Sandstrand! Ein Traum. Ruhig und beschaulich geht es hier zu. Die Insel ist karger und trockener, es regnet weniger als auf Madeira. Die Sehenswürdigkeiten, wie das Columbus Museum im mutmaßlichen Wohnhaus von Kolumbus im Jahr 1479, sind schnell gesehen und danach kann man beruhigt relaxen und zum Beispiel das köstliche inseleigene Mineralwasser probieren, das auch bei Wellness-Anwendungen seinen Nutzen findet.

Madeira und Porto Santo sind gerade für Individualisten, die gerne auf eigene Faust und abseits der Masse unterwegs sind definitiv eine Reise wert!
Vielleicht haben Sie selbst die „Blumeninsel“ ja auch schon einmal besucht und haben den ein oder anderen Insidertip, den Sie mit uns teilen möchten? Wir freuen uns auf Ihre Eindrücke!

Herzlichst,

Ihr itravel-Team

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