Weihnachtsbräuche weltweit: Mittel- und Südamerika

Weihnachtszeit, schöne Zeit. Die Adventskerzen brennen und der Duft von Glühwein und Plätzchen erfüllt die Luft. Aber wie erleben die Menschen in anderen Ländern die Vorweihnachtszeit? Folgen Sie uns heute auf die andere Seite des Atlantiks und erfahren Sie Spannendes und Kurioses über Weihnachtsbräuche in Mittel- und Südamerika.

In Mexiko hat die spanische Kolonialzeit starke Einflüsse hinterlassen. Nicht nur in der Alltagskultur und Küche des Landes, auch in den Traditionen der Weihnachtszeit haben sich die ursprüngliche Kultur der Indios und jene der spanischen Kolonisten vermischt. So werden zu Beginn der Adventszeit neun Familien ausgewählt, die dann in den letzten neun Tagen vor Weihnachten die Pilger, Los Peregrinos, aufnehmen. Dies sind Statuen des heiligen Paares Maria und Josef sowie des Engels. Die Statuen werden in einer Prozession, genannt La Posada, von der ganzen Gemeinde zum Haus der Gastgeberfamilie getragen. Dort werden sie in einem nach indianischer Tradition mit prächtigen Blumenkränzen und Weihrauchopfern dekorierten Raum gebracht. Die Teilnehmer der Prozession werden mit dem traditionellen Mahl der Aguinaldo, einer Tasse Kaffee und Brot, empfangen. Da es für eine Familie oft nicht zu bewältigen ist, die gesamte Gemeinde mit der Aguinaldo zu verköstigen, tun sich oft mehrere Familien zusammen und helfen sich gegenseitig aus. Wenn die Peregrinos am nächsten Tag weiter ziehen, wird ihnen noch eine Piñata mit auf den Weg gegeben. Diese bunt bemalten Fantasietiere aus Pappmaché sind mit allerlei Süßigkeiten gefüllt.

Zu Weihnachten findet dann um Mitternacht die Heilige Messe statt. Zunächst werden vor der Kirche große Freudenfeuer und zahlreiche Feuerwerkskörper abgebrannt. Dazu wird der Baile de Flor, der Blumentanz aufgeführt, der die Messe einleitet. Diese findet wieder nach christlicher Tradition statt. Am Ende der Messe beginnt dann das bunte Geburtstagsfest für das Jesuskind. Die neun Piñatas werden nacheinander an einer Schnur aufgehängt und müssen mit einem Stock geknackt werden. Jeder darf es versuchen, hat aber nur drei Schläge mit verbundenen Augen. zuerst dürfen die Kinder ihr Glück versuchen, dann die Jugendlichen und schließlich die Erwachsenen. Die fröhliche, bunte Feier, bei der auch viel getanzt und gesungen wird, geht weiter, bis alle Piñatas geknackt sind und ihr süßer Inhalt verspeist wurde.
Weiter im Süden, in Peru feiert man Weihnachten etwas anders. Das Fest wird hier Pascuas genannt und vor allem mit einem opulenten Festmahl gefeiert. Familien und Freunde besuchen sich am 24. und 25. Dezember gegenseitig und tischen reichlich auf. Kalter Braten, eingelegtes Gemüse, Pasteten und Gebäck bringen die Tische zum Biegen. Die Peruaner sind für ihren süßen Zahn bekannt, und deswegen darf der Panción, ein mit Rosinen gefüllter Kuchen, bei keinem Essen fehlen. Dieser wird am liebsten mit heißer Schokolade serviert und ist auch als Gastgeschenk beim Besuch von Freunden sehr beliebt. Abends sind die Straßen erleuchtet vom Schein der Leuchtraketen, welche die ganze Nacht über abgebrannt werden. Da in Peru im Dezember Hochsommer ist, gehen die Peruaner an den Weihnachtstagen auch gerne bis in die Nacht zu Spaziergängen oder einem späten Shoppingbummel aus dem Haus. Nachdem die Kinder dann zu Bett gebracht wurden und schlafen, legen die Eltern ihnen die Geschenke vors Bett, die offiziell das Christkind in der Nacht bringt.
Auch in Brasilien herrschen zur Weihnachtszeit tropische Temperaturen. Statt mit einem Weihnachtsspaziergang durch den Schnee verbringt man hier den Nachmittag eher am paradiesischen Strand der Copacabana in Rio.

Über den Umweg durch die USA kamen einige klassische Weihnachtsbräuche in einer etwas kitschigen Version auch nach Brasilien. So finden sich mittlerweile in Geschäften, aber auch bei den Menschen zuhause geschmückte – meist natürlich künstliche – Weihnachtsbäume. Und auch andere Weihnachtsdekoration, wie vergoldete oder versilberte Pinienzweige und bunte Schleifen, verbreitet Weihnachtsstimmung.

Die noch aus der portugiesischen Kolonialzeit stammenden katholischen Traditionen prägen den Ablauf des Weihnachtsfestes in Brasilien. So trifft sich am Heiligabend zunächst die ganze Familie, um die Weihnachtsmesse in der örtlichen Kirche zu besuchen. Im Anschluss findet nach einer festlichen Mahlzeit die Bescherung statt. Traditionelles Hauptgericht ist dabei ein gebratener Puter, der mit Farofa, einer Mischung aus Maniok und Kastanien gefüllt und mit saftigen Ananasscheiben dekoriert wird. Beim Nachtisch freuen sich alle auf die traditionellen Armen Ritter, ein süßes Dessert, das man auch in unseren Breiten kennt.

Weihnachten ist nicht nur in Mexiko, Peru und Brasilien, sondern in allen Ländern Mittel- und Südamerikas ein Fest, das mit bunten und lebhaften Feiern verbunden ist. Die katholischen Traditionen der spanischen und portugiesischen Kolonisten sind hier eine spannende Fusion mit der fröhlichen und lebensbejahenden Art der Ureinwohner eingegangen. Somit werden hier Nächstenliebe und der Zusammenhalt in der Familie im wahrsten und besten Sinne des Wortes gefeiert. Wenn Sie in der Weihnachtszeit einmal etwas Besonderes erleben möchten, ist eine Reise nach Mittel- und Südamerika sicherlich das Richtige!

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Herzlichst, Ihr itravel-Team

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