Neue Fahrgastrechte bei Schiffsreisen in der EU

Der Weg ist das Ziel! So lautet der Wahlspruch für viele Weltenbummler. Auch Sie möchten auf ihren Reisen die Vielfalt der Welt entdecken und die Reise als Erlebnis kultivieren? Dann ist eines für Sie natürlich wichtig – Mobilität und Verlässlichkeit Ihrer Verkehrsmittel. Verspätungen und verpasste Anschlüsse können einen ausgeklügelten Reiseplan schnell durcheinander bringen und für Frust sorgen.

Fahrgastrechte sind jetzt auch für Schiffsreisen geregelt

Wenn Sie doch mal mit einer Verspätung leben müssen, ist es immerhin ein kleiner Trost, eine Entschädigung zu erhalten. Was für Bahnreisende in Deutschland seit 2009 schon gesetzlich geregelt ist wurde im Dezember 2012 auf EU-Ebene auch für den See- und Binnenschiffsverkehr geregelt.

Die Regelung der Fahrgastrechte gilt für alle Schiffe, die in einem Hafen auf EU-Gebiet ein- oder ausschiffen. Einige Schiffe, wie z.B. solche, die Ausflugsfahrten machen, klein sind oder historische Schiffe ohne Motorisierung, sind von der Regelung jedoch ausgenommen. Ausgenommen sind auch Verspätungen oder Ausfälle, die durch höhere Gewalt (z.B. Wetterlagen, die die Sicherheit gefährden) oder Verschulden des Fahrgastes verursacht sind.

Ansonsten gilt: spätestens 30 min nach dem eigentlichen Abfahrtstermin muss der Beförderer seine Gäste über eine Annullierung oder Verspätung informieren und sollte geeignete alternative Anschlüsse nennen.

Bei Verspätungen von mehr als 90 min oder einer Annullierung der Fahrt müssen den Gästen in angemessenem Umfang Mahlzeiten und Getränke gestellt werden. Sollte eine Übernachtung nötig sein, so muss auch dafür gesorgt werden.

In diesem Fall schreiben die neuen Fahrgastrechte sonst Anspruch auf eine alternative Beförderung vor, die ohne Aufpreis zu vergleichbaren Bedingungen und zum frühestmöglichen Zeitpunkt stattfinden muss. Auf Wunsch kann der Gast sich auch den Reisepreis erstatten lassen (innerhalb von 7 Tagen) und sich eine kostenlose Rückfahrt zum Ausgangsort stellen lassen.

Wenn sich die Fahrt verspätet, so können Sie ähnlich wie bei Reisen mit der Deutschen Bahn, gestaffelt nach Verspätung und Reisedauer einen Teil des Fahrtpreises zurückbekommen. Eine Übersicht dazu gibt Ihnen diese Infografik:
Sollten Sie eine Karte für Hin- und Rückfahrt besitzen, so wird natürlich nur die verspätete Strecke berücksichtigt.

Eine weitere Neuerung bei den Fahrgastrechten ist, dass Reisenden mit eingeschränkter Mobilität oder einer Behinderung die Ausstellung eines Fahrscheines nicht verweigert werden und auch kein Aufpreis verlangt werden darf. Nur, wenn die Bauart des Schiffes oder Einrichtungen des Hafens ein sicheres Ein- und Ausschiffen bzw. den sicheren Transport des Gastes nicht gewähren ist die Weigerung gestattet. In diesem Fall ist der Veranstalter angehalten, eine Beförderungsalternative zu finden. Für Fahrgäste mit einem Begleithund ist eine Unterbringung an Bord gemeinsam mit dem Begleithund zu ermöglichen.

Die Beförderer und Terminalbetreiber sind angehalten, ein zugängliches System zur Erfassung von Beschwerden anzubieten. Als Fahrgast haben Sie dann nach Ihrer verspäteten oder ausgefallenen Fahrt 2 Monate Zeit, diese zu reklamieren. Der Veranstalter hat dann einen Monat Zeit, Ihnen mitzuteilen, ob Ihre Beschwerde anerkannt oder abgelehnt wurde oder, ob sie noch in Bearbeitung ist.

Detaillierte Informationen zu der EU-Verordnung für Fahrgastrechte auf Schiffsreisen, die unter der Nr. 1177/2012 läuft, finden Sie hier.

Herzlichst, Ihr itravel-Team

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