Die verrücktesten Länder der Welt

Wir schreiben das Jahr 2013. Die ganze Welt ist von anerkannten, souveränen Staaten besetzt. Die ganze Welt? Nein! Einige unbeugsame Mini-Staaten hören nicht auf, Widerstand zu leisten.
Begleiten Sie uns auf eine Tour durch die verrücktesten Länder der Welt.

Welcome to Conch Republic

Conch RepublicDie Conch Republic ist mit Sicherheit eines der verrücktesten Länder der Welt. Man nennt Sie auch die Ein-Tages-Nation. Gegründet wurde sie am 23.4.1982 von Dennis Wardlow, dem Bürgermeister von Key West. Grund dafür war eine Grenzkontrollstelle, die die Regierung der USA am Overseas Highway, der gigantischen Autobahnbrücke, die eine direkte Landverbindung der Florida Keys mit dem Festland darstellt einrichten lies. Diese behinderte den Tourismus, der die Haupteinnahmequelle der Florida Keys ist. Die Conch Republic erklärte den USA sogleich nach ihrer Gründung den Krieg, kapitulierte allerdings bereits eine Minute später bedingungslos und forderte 1 Milliarde Dollar Wiederaufbauhilfe. Diese Aktion führte dazu, dass die Kontrollstelle aufgegeben wurde. Seitdem hat die Conch Republic immer wieder Aktionen unterstützt, die gemäß dem Staatsmotto „We seceded where others failed“ (Wir haben uns abgespalten, wo andere versagt haben) konstruktiven Protest gegen die Obrigkeit leisten. Über ihre eigene Internetpräsenz gibt die Conch Republic Pässe und diplomatische Titel aus und unterhält Vertretungen auf der ganzen Welt. Das deutsche Konsulat findet sich beispielsweise in Bingen am Rhein.

Unser Tipp: Besuchen Sie doch mal die Conch Republic im Rahmen einer Reise nach Miami! Wohnen Sie im Art Déco-Viertel und unternehmen Sie tägliche Trips zu den vielen Attraktionen in und um die Stadt.

Fürstentum Seborga

SeborgaDas 327 Seelen-Dorf Seborga liegt in Italiens Region Ligurien an der so genannten Blumenriviera, kurz vor der Grenze zu Frankreich. Seit ca. 50 Jahren versucht eine Gruppe um den Blumenhändler Giorgio Carbone nachzuweisen, dass Seborga bei der Gründung der Republik Italien 1946 offiziell keiner Staatsmacht unterstellt wurde und somit ein unabhängiges Land sei. Die italienische Regierung hat diese Bestrebungen nie wirklich ernst genommen. 1993 wurde daraufhin das Fürstentum Seborga ausgerufen und Carbone unter dem Titel Giorgio I., Fürst von Seborga zu dessen Herrscher ausgerufen. Es wurde eine eigene Währung, der Luigino, eingeführt nicht offiziell gültige Pässe und Briefmarken herausgegeben und ein Unabhängigkeitstag proklamiert. Seit dem Tod von Carbone 2009 ist der Thron von Seborga verwaist.

Sealand, Heimat der Radiopiraten

Fürstentum SealandIm zweiten Weltkrieg errichtete Großbritannien vor seiner Küste eine Reihe von Seefestungen, die nach Ende des Krieges aufgegeben wurden. Paddy Roy Bates, Betreiber eines Piraten-Radiosenders besetzte eine davon und rief am 2.9.1967 auf ihr, 10 km vor der Küste von Suffolk das Fürstentum Sealand aus. Fürst Roy herrschte fortan zusammen mit seiner Frau, Fürstin Joan von Sealand über das kleine Reich, in dem maximal bis zu 10 Untertanen Platz haben. Sealand ist nicht nur eines der verrücktesten Länder der Welt, sondern auch eines mit einer turbulenten Geschichte. In den 60er Jahren unternahm die Royal Navy mehrere Versuche, die Seefestung zurückzuerobern, wurde aber von Fürst Roy höchstpersönlich mit Warnschüssen ferngehalten. 1978 erlebte Sealand einen Putschversuch durch seinen damaligen Premierminister Gottfried Achtenbach, der jedoch scheiterte. Achtenbach wurde daraufhin wegen Landesverrats eine Zeit lang auf Sealand gefangen gehalten, bis die Deutsche Regierung über diplomatische Kanäle seine Freilassung erwirken konnte.
Nach einem Brand im Jahr 2006 wurde die Festung mit Spendengeldern renoviert. Sie stand 2007 zeitwilig zum Preis von 750 Millionen Euro zum Verkauf. Mittlerweile wird Sealand zum Beispiel als Veranstaltungsort für Events und als Standort von Internet-Servern genutzt.

Morokulien, die Spaß-Republik

morokulienZur Feier des 100-jährigens Friedens zwischen den beiden Ländern haben Schweden und Norwegen 1914 an ihrer gemeinsamen Grenzen ein Monument errichtet. Das „neutrale Land“ um das Monument herum ist etwa 6 Hektar groß und wurde Morokulien getauft. Der Name setzt sich aus dem norwegischen Wort „moro“ und dem schwedischen „kul“ zusammen. Beide bedeuten in der jeweiligen Landessprache „Spaß“. Morokulien unterhält Campingplätze, eine Radiostation, eine Kapelle und ein Postamt, in dem Briefmarken beider Länder verkauft und gestempelt werden. Streng genommen ist Morokulien keine Mikronation sondern ein so genannter Peace Park, aber gerade in Morokulien sieht man nicht alles so streng und freut sich lieber über Freundschaft und Frieden.

Das Kugel-Reich

KugelmugelIm Jahr 1971 errichtete der österreichische Künstler Erwin Lipburger bei Wiener Neustadt in Niederösterreich mitten auf einer Wiese ein 8 Meter durchmessendes, kugelförmigen Haus. Er besaß dafür keine Baugenehmigung und rechtfertigte den Bau damit, dass er eine „nur vorübergehend stabilisierte Kugel“ und kein Gebäude im Begriff der österreichischen Bauordnung sei. Diese Ansicht teilte die Regierung nicht und als Lipburger auch noch gekrümmte Ortsschilder um seine Konstruktion aufstellte rief das die Gendarmerie auf den Plan. Im Jahr 1976 rief er die „unabhängige Republik Kugelmugel“ aus. Der daraus folgende Rechtsstreit bescherte ihm unter anderem einen 10 wöchigen Gefängnisaufenthalt. Kugelmugel existiert bis heute weiter, auch wenn die Kugel mittlerweile auf das Gelände des Wiener Prater verlegt wurde und dort unter der inoffiziellen Adresse „Antifaschismusplatz 1“ residiert. Die Mikronation Kugelmugel hat ca. 600 Staatsbürger und betreibt eine Homepage, auf der sie ausführlich über ihre Geschichte und aktuelle Entwicklungen berichtet.

Unser Tipp: Da es in Kugelmugel leider keinerlei Hotels oder überhaupt Unterkünfte für Touristen gibt, empfehlen wir Ihnen, lieber ein Zimmer im renommierten Traditionshotel Sacher Wien zu buchen und sich dort nach allen Regeln der Kunst verwöhnen zu lassen.

Fürstentum Hutt River

Fürstentum Hutt RiverEtwas mehr Platz als in Kugelmugel haben Besucher im Fürstentum Hutt River im australischen Outback. Ähnlich wie die Conch Republic wurde das Fürstentum aus Protest gegen die Regierung gegründet. Der Farmer Leonard Casey erklärte am 21.4.1970 formell seine Abspaltung von Australien, da er so gegen eine staatliche Produktionsquote für Weizen protestieren wollte. Er verlieh sich selbst den Titel „His Royal Highness Prince Leonard“ und ernannte Seine Farm zur Landeshauptstadt Nain. Das Fürstentum Hutt River erstreckt sich über eine Fläche von 75 Quadratkilometern und liegt etwa 595 km nördlich von Perth an der Westküste von Australien. Es hat 23 feste Bewohner. Zudem besitzen mehrere hundert Aborigines sowie knapp 18.000 Menschen auf aller Welt eine Staatsbürgerschaft. Hutt River ist von den vorgestellten Mikronationen die einzige, die über eine eigene Armee verfügt. Allerdings besitzt diese keinerlei Waffen und existiert eher auf dem Papier. Prince Leonard reist standesgemäß – seine Staatskarosse ist ein (etwas in die Jahre gekommener) Rolls Royce. Das Fürstentum ist heute hauptsächlich eine Attraktion für Touristen und informiert auf seiner Homepage über aktuelle Entwicklungen.

Freistadt Christiana

Freistadt ChristianaZu guter Letzt wollen wir Ihnen noch die Freistadt Christiana vorstellen. Christiana nimmt für sich genau genommen nicht den Status eines eigenen Landes in Anspruch, sondern den einer autonomen Kommune und wird vom dänischen Staat auch in dieser Form geduldet. Die Freistadt liegt auf einem 34 Hektar großen Gelände, dass die ehemalige Stadtmauer und verlassene Kasernen der dänischen Armee umfasst. Aufgrund des damals herrschenden Mangels an bezahlbarem Wohnraum besetzten 1971 eine handvoll Freigeister um den Journalisten Jacob Ludvigsen einige Gebäude und riefen Christiana aus. Die Freistadt Christiana ist seitdem gewachsen und zur Heimat einer Gemeinschaft geworden, die Kollektivismus, Meditation und Impulse aus der Hippiebewegung vereinen. Viele Besucher strömen nach Christiana um diesen Geist der Freiheit mitzuerleben und auch die Stadt Kopenhagen weiß diesen Ruf zu nutzen. Einzigartig an Christiana ist das politische System der Stadt, dass auf einer Basisdemokratie beruht, in der jeder Bewohner ein Mitspracherecht hat. Eine Polizei gibt es hier nicht und doch ist die Kriminalitätsrate sehr gering. Je nach herrschender Regierungspartei gab es immer wieder Probleme mit dem rechtlichen Status der Freistadt. Dies führte 2012 dazu, dass die Gemeinschaft Christiana der Stadt das Gebiet abkaufen konnte und seitdem Herr über ihren eigenen Grund und Boden ist.

Herzlichst, Ihr itravel-Team

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