Bettelnde Kinder im Urlaub – helfen Sie auf die richtige Art

Bei Reisen in Entwicklungsländer oder Schwellenländer gehören Begegnungen mit bettelnden Kindern praktisch zum Alltag. Egal ob auf dem Markt, an Busbahnhöfen oder vor Cafés, überall auf den Strassen kann es passieren, dass plötzlich ein Kind mit großen Augen und hoffen ausgestreckten Händen vor Ihnen steht. Wie reagieren Sie in einer solchen Situation? Geben Sie dem Kind Geld? Oder Süßigkeiten? Ein „praktisches“ Geschenk wie einen Stift? Egal, was Sie geben, leider machen Sie die Situation des Kindes damit kein Stück besser, sondern oft sehr viel schlechter. Wir wollen Ihnen heute erklären, warum das so ist und aufzeigen, wie Sie es besser machen können.

Wie Kinder zu Bettlern werden

Dass Kinder die Schule schwänzen um stattdessen betteln zu gehen ist noch die harmloseste Version der Geschichte. Ob Ihre Eltern darüber Bescheid wissen, das Betteln unterstützen oder die Kinder sogar dazu antreiben macht das Ganze gegebenenfalls schlimmer. Allerdings spielt sich diese Form des Kinderbettelns auf einer individuellen Form ab und kann durch Verbesserung der Lebensumstände vor Ort und soziale Hilfsprojekte recht effektiv bekämpft werden.
Das wirkliche Drama spielt sich ab, wenn das organisierte Verbrechern Kinder als Bettler benutzt. Allein in Indien verschwinden vorsichtigen Schätzungen (Menschenrechtsorganisationen gehen von noch deutlich höheren Zahlen aus) zufolge jedes Jahr etwa 60.000 Kinder – das entspricht in etwa der Bevölkerung von Frankfurt an der Oder! Die meisten dieser Kinder werden von den mafiaartig organisierten kriminellen Banden zu Kinderbettlern gemacht und auf die Strasse geschickt. Dass die Kinder durch das Betteln um die Chance einer Schulbildung gebracht werden und somit im späteren Leben wenig Möglichkeiten haben, für sich selbst zu sorgen ist nur die Spitze des Eisberges. Die Kinder bekommen kaum etwas zu Essen, dürfen sich nicht waschen und werden zudem geprügelt, damit sie besonders bedürftig und Mitleid erweckend aussehen. Noch mehr Mitleid – und damit mehr und höhere Spenden – bekommen behinderte Kinder. Die Bandechefs schrecken so auch nicht davor zurück, sich behinderte Kinder „zu machen“. Die armen Kinder, die dieses Schicksal ereilt, müssen unsägliche Qualen erleiden. Ihnen werden Augen ausgestochen, die Gesichter mit Säure verätzt oder von kriminellen Ärzten gesunde Gliedmaßen amputiert! Reporter von CNN konnten bei einer Undercover-Aktion in Indien Ärtze finden, die für umgerechnet 150 € bereit waren, Bettlern ein Bein zu amputieren. Die Krönung des Ganzen: um die Kinder am Weglaufen zu hindern werden Sie oft drogenabhängig gemacht.
Nachdem ihre „Karriere“ als Kinderbettler beendet ist werden viele Mädchen, aber auch Jungen, dann als Zwangsprostituierte weiter ausgebeutet. Ein Kreislauf aus Leid und Erniedrigung, der schier endlos erscheint.
Diese kriminellen Machenschaften spielen sich übrigens überall auf der Welt gleich ab. Auch in China, den Phillipinen, dem Senegal, den USA und natürlich Deutschland und ganz Europa. Der Handel und die Ausbeutung wehrloser Kinder ist für Kriminelle weltweit leider ein sehr gutes Geschäft.

Kinder müssen in Äthiopien oft als Hirten arbeiten (Quelle: Wikipedia)

Der richtige Umgang mit Kinderbettlern

Ein bettelndes Kind zu ignorieren fällt unheimlich schwer. Aber machen Sie sich bewusst: wenn Sie dem Kind etwas geben, machen Sie seine Situation in keinster Weise besser. Geldgeschenke müssen die Kinder sofort bei den Bandenchefs abgeben. Diese benutzen das Geld natürlich auch dazu, weitere Kinder entführen zu lassen und in ihre Dienste zu zwingen. Auch Süßigkeiten sind keine Alternative. Natürlich freuen sich die Kinder über einen Schokoriegel, den sie sich sonst nie leisten könnten. Allerdings leben die Kinder unter Umständen, in denen weder Zahnbürste noch Zahnarztbesuche zum Alltag gehören und da führt der Schokoriegel schnell zu Karies. Wie sieht es mit „praktischen“ Geschenken aus? Viele bettelnde Kinder fragen auch ganz bewusst nach Dingen wie Kugelschreibern und wecken in uns die Erwartung, damit etwas sinnvolles für sie zu tun. Allerdings muss man dazu wissen, dass die Schulen in Entwicklungsländern oder den Slums großer Städte meist auf Schreibtafel und Kreidestifte setzen – ganz einfach, weil diese wiederverwendbar sind. Mit einem Kugelschreiber kann ein Kind hier nichts anfangen. Die Stifte werden in der Regel weiterverkauft oder sogar gegen Drogen eingetauscht.
Einem bettelnden Kind nichts zu geben verursacht uns allerdings ein schlechtes Gewissen, denn man malt sich natürlich aus, dass das Kind, wenn es ohne „Beute“ nach hause kommt geschlagen, misshandelt oder noch schlimmeren Strafen ausgesetzt wird. Leider ist das auch die Realität. Aber trotzdem muss einem immer bewusst sein, dass man durch eine Spende das kriminelle System immer weiter am Laufen hält und damit sogar einen Beitrag leistet, dass die Kriminellen weiterhin Kinder entführen und versklaven können.

Auf die richtige Art helfen und den Zirkel durchbrechen

Hilfsprojekte sorgen dafür, dass sinnvolle Hilfe vor Ort ankommtDie Bereitschaft zu helfen, etwas vom eigenen Wohlstand abzugeben und damit nicht so begünstigten Menschen zu helfen, ihre eigene Situation zu verbessern, ist etwas schützenswertes. Sie muss nur in die richtigen Bahnen gelenkt werden, damit die Hilfe wirklich ankommt und nachhaltig wirken kann. Als Privatperson hat man in der Regel so wenig Einsicht in regionale Zusammenhänge, Lebenswirklichkeiten der Menschen und soziale Interaktionen, dass es schwer ist, effektiv zu helfen. Die Alternative zur privaten Spende ist damit die Unterstützung einer gemeinnützigen Hilfsorganisation, einer so genannten NGO. Natürlich ist es eine weniger direkte Art der Hilfe, einer Hilfsorganisation Geld zu überweisen, aber es ist eine effiziente und nachhaltige Art.

Es gibt zahlreiche Hilfsorganisationen, die sich spezifische Ziele gesetzt haben und die Sie ganz nach Ihren eigenen Vorlieben unterstützen können. Books for Africa bringt Bücher und Lernmaterialien zu bedürftigen Schulen in Afrika. Free the Slaves hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen und besonders Kinder, aus der modernen Sklaverei – sei es als Minenarbeiter, Plantagenarbeiter oder eben Kinderbettler – zu befreien. Natürlich gibt es auch internationale Organisationen wie UNICEF, die verschiedene Projekte auf der ganzen Welt unterstützt.

Falls Sie noch nicht wissen, wo Sie gerne helfen möchten gibt es auch Portale, wie Charity Navigator, die Hilfsprojekte nach Themen geordnet vorstellen. Portale wie Charity Watch widmen sich hingegen der Überprüfung von Hilfsprojekten, um sicherzustellen, dass die Hilfsgelder auch ankommen und Korruption ausgeschlossen wird.

Mit itravel reisen und helfen

Die Unguja Lodge auf Sansibar verbindet Reisen mit sozialem EngagementWenn Sie mit sozialem Bewusstsein und dem Anspruch, Reisen zum Erlebnis zu machen in die Ferne fahren wollen, gibt es eine Möglichkeit, wie Sie dies unter einen Hut bringen können. Unter dem Label „itravel hilft“ bieten wir Ihnen die Möglichkeit, eine Reise mit dem Besuch und der aktiven Unterstützung lokaler Hilfsprojekte zu verknüpfen. Dabei geht es nicht nur um Geldspenden, sondern um direkte Hilfe, die Sie vor Ort leisten können. Wichtig ist hier vor allem der persönliche Kontakt und Austausch zwischen den Reisenden und den Menschen vor Ort.

Und wenn Sie auf einer Reise mal wieder einem bettelnden Kind begegnen gibt es neben Geld geben oder ignorieren auch noch einen dritten Weg. Eine Reisebloggerin erzählte, dass Sie immer einen Stempel und bunte Stempelkissen dabei hat. Das Kind kann sich aussuchen, ob und in welcher Farbe es einen Stempel auf die Hand haben will und darf danach auch ihre Hand stempeln – beide freuen sich und schenken sich ein kurzes Lächeln. Eine weitere Möglichkeit sind drei bunte Bänder, mit denen Sie Kindern zeigt, wie man einen Zopf flechten oder sich aus Stoffresten ein kleines Accessoire basteln kann. Sie schenkt den Kindern damit einen Moment der Freundschaft und die Gelegenheit, einfach Kind sein zu können. Solche kurzen Momente lösen zwar nicht das Problem bettelnder Kinder, machen die Situation aber auch nicht schlimmer.

Wie ist Ihre Meinung zu diesem schwierigen Thema? Haben Sie sich schon in einer Form für arme Kinder engagiert? Oder haben Sie eine Idee, wie man einem bettlenden Kind helfen kann, ohne das System zu unterstützen? Teilen Sie es und mit und hinterlassen Sie einen Kommentar.

Herzlichst, Ihr itravel-Team

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