Ungewöhnliche Tischsitten auf Reisen

„Fremde Länder, fremde Tischsitten.“ – so könnte man das bekannte Sprichwort abwandeln. Was bei uns als gute Sitte gilt kann in anderen Ländern seltsam erscheinen, peinlich oder sogar grob unhöflich sein. Wir verraten Ihnen heute 10 ungewöhnliche Tischsitten und Etikette-Regeln, die Sie auf Reisen beachten sollten.

    1. Italiens Kaffee-Stundenplan

Espresso begleitet in Italien den Tag
Neben Pasta ist Kaffee eine der großen Leidenschaften der Italiener. Insofern sollte es einen nicht wundern, dass sich um das Kaffee trinken eine Menge Rituale und Regeln entwickelt hat. Jede Kaffeesorte hat hier ihre eigene Tageszeit. Der Tag wird mit einem starken Espresso begrüßt. Zum Frühstück reicht man dann Cappuccino oder Latte Macchiato und von mittags bis abends herrscht wieder König Espresso im ganzen Land.

    1. Portwein und Strassenverkehr – in Großbritannien bitte linksherum

Die Briten haben einige ungewöhnliche Sitten, die auf Außenstehende teils wunderliche wirken. So gilt beim Portwein, der gerne in heiterer Runde getrunken wird: dem rechten Sitznachbarn einschenken und dann die Flasche weiter nach links reichen. Tut man das nicht folgt meist die Frage „Do you know the Bishop of Norwich?“ (Kennst du den Bischof von Norwich?) Wer diesen Hinweis nicht versteht wird umgehend aufgeklärt. „He is an awfully nice fellow, but he never remembers to pass the port.“ (Er ist ein unheimlich netter Geselle, aber er vergisst immer, den Portwein weiterzugeben).

    1. Unfein: in Thailand die Gabel in den Mund nehmen

In der thailändischen Küche werde Gerichte in der Regel mundgerecht zubereitet. Alles ist schon klein geschnitten und so braucht man kein Messer. Hier gilt die Tischsitte: Gabel links, Löffel rechts und mit der Gabel das Essen auf den Löffel schieben. Von diesem wird dann gegessen. Sich die Gabel in den Mund zu stecken hat in Thailand ungefähr den Stellenwert, als würde man bei uns sein Messer ablecken.

    1. Brot schneiden? Nicht in Frankreich!

Französische Brotkultur - nicht nur beim Backen ist Handarbeit gefragt
Nicht nur die Franzosen liebe ihr Baguette, auch bei uns ist es eine beliebte Beilage, um Sauce aufzutunken oder zwischen den einzelnen Gängen eines Menüs den Geschmackssinn zu neutralisieren. Kommt das Baguette nicht schon geschnitten auf den Tisch sollte man sich auf keinen Fall ein Stück mit dem Messer abschneiden. Besser: Sie nehmen das Brot und brechen sich ein Stück ab.

    1. Das italienische Spaghetti-Märchen

Spaghetti klein zu schneiden gilt schon in Deutschland als Unsitte. Hier werden normalerweise Gabel und Löffel zum Aufdrehen benutzt. Im Heimatland der Spaghetti, Italien, gilt aber auch das als unfein. Sowohl Spaghetti, aber auch Tagliatelle, werden einfach mit der Gabel auf dem Teller gerollt. Und zwar bitte so, dass die Portion mit einem Bissen im Mund verschwindet. Heraushängende Nudeln abzubeißen ist nämlich ebenfalls sehr verpönt.

    1. Die unreine, linke Hand

In vielen Kulturen, wie zum Beispiel in Indien, im arabischen Teil Afrikas und im Mittleren Osten gilt die linke Hand als unrein. Dementsprechend hat Sie bei Tisch natürlich nichts verloren. Auch in diesen Kulturen kommt das Essen meist mundgerecht auf den Teller, weswegen man auch nur die rechte Hand zum essen braucht. Übrigens: Linkshänder dürfen schon die linke Hand benutzen. Für Sie ist die rechte Hand tabu.

    1. Essstäbchen-Knigge für Japan

Japans Tischkultur dreht sich auch um Essstäbchen
Die japanische Kultur ist äußerst komplex und vielschichtig. Hier wird man als Besucher immer wieder in größere und kleinere Fettnäpfchen treten. Die wirklich schlimmsten sollte man aber vermeiden. So ist es ein grober Fauxpas, Essstäbchen senkrecht in den Reis zu stecken. Dies ist eine Handlung, die zum japanischen Totenritual gehört und bei Tisch absolut nichts zu suchen hat. Auch die Stäbchen kreuzen und auf den Teller legen ist unfein. Besser: Die Stäbchen auf der dafür vorgesehenen Stäbchenbank neben dem Teller ablegen. Bei Einwegstäbchen sollte man diese nach dem Auseinander brechen übrigens nicht aneinander reiben. Dies gilt als Symbol an den Gastgeber, dass er seinen Gästen minderwertige Stäbchen angeboten hat.

    1. In Russland bloß nicht aufessen

Bei uns gilt es gemeinhin als gutes Zeichen, wenn der Gast seinen Teller leer isst. Es hat geschmeckt und man ist zufrieden. Anders in Russland. Hier sollte man immer einen Höflichkeitsrest auf dem Teller lassen. Dies zeigt dem Koch, dass er genug serviert hat und der Gast satt geworden ist.

    1. Rettet Chinas Fischer

In China wird Fisch gern im Ganzen verspeist
Gebratener Fisch ist gerade in chinesischen Hafenstädten eine Köstlichkeit, die man sich auf Reisen im Reich der Mitte nicht entgehen lassen sollte. Der Fisch wird meist im Ganzen gebraten und auch so serviert. Wenn man die obere Hälfte verspeist hat sollte man nun aber auf keinen Fall den Fisch einfach umdrehen, um den Rest zu essen. Diese Geste gilt als Symbol für das Kentern eines Schiffes und als Unglück verheißendes Omen. Die Lösung: lösen Sie die Mittelgräte und ziehen Sie diese ab, um an den Rest des Fischs zu gelangen.

    1. Die Fleischampel beim Rodizio-Grill in Braslilien

Churrascarias, in Deutschland auch oft Rodizio-Grills genannt, sind traditionelle brasilianische Gaststätten, in denen den Gästen vielfältige Variationen von gegrilltem Fleisch serviert werden. Das Besondere ist hierbei, dass das Fleisch auf langen, dolchähnlichen Spießen gegrillt und direkt am Tisch serviert wird. Den ganzen Abend laufen die Kellner mit ihren Spießen durch das Restaurant und schneiden dem Gast seine Portion direkt vom Spieß auf den Teller. Das machen Sie so lange, bis der Gast seine „Fleischampel“, meist ein zweifarbiger Bierdeckel, von grün auf rot umdreht.

Mit unserem kulinarischen Reise-Knigge sollten Sie schon einigen Fettnäpfchen ausweichen können. Natürlich gibt es in den verschiedenen Kulturen der Welt noch zahllose andere Gesten und Handlungen, die anders interpretiert werden als bei uns. Am besten informieren Sie sich vor Ihrer Reise in einem hochwertigen Reiseführer. Falls Sie nicht auf eigene Faust, sondern im Rahmen einer geführten Reise unterwegs sind haben Sie es etwas leichter, denn ein persönlicher Reiseführer weist Sie natürlich auf alle kulturellen Besonderheiten hin, so dass Sie ganz direkt von seinen Orts- und Kulturkenntnissen profitieren und besonders intensive Reiseerlebnisse genießen.

Herzlichst, Ihr itravel-Team

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