Über den Wolken… die Geschichte der Bordverpflegung in Flugzeugen

Das Bordessen im Flugzeug ist oft eine Reiseerfahrung, die für Gesprächsstoff sorgt. Ein labberiges Sandwich für 5 Euro, bis zur Unkenntlichkeit verkochte Pasta oder in Öl schwimmende Salate haben die viele Passagiere schon vorgesetzt bekommen. Die große Konkurrenz unter den Fluglinien und der Preisdruck durch steigende Kosten und sinkende Einnahmen zwingen viele Fluggesellschaften auf einen Sparkurs, der oft auf Kosten der Bordverpflegung geht. Unsere kleine Geschichte des Bordessens in Flugzeugen zeigt, dass das nicht immer so war – und, dass es auch heute anders geht.

11. Oktober 1919

An diesem Tag wird durch die gerade gegründete britische Fluggesellschaft Handley Page Transport zum ersten Mal ein Bordessen an Flugpassagiere ausgegeben. Die Reisenden können sich auf dem Flug von London nach Paris aus einer Auswahl an Sandwiches und Obst eine Lunchbox zusammenstellen – zum unschlagbar günstigen Preis von 3 Shilling, was heute in etwa 5 Cent entspricht.

1936

Die Fluggesellschaft United Airlines installiert als erste Küchen an Bord ihrer Maschinen und kann so ihren Passagieren eine warme Mahlzeit anbieten.

Die 1950er Jahre

Heute als das „Goldene Zeitalter“ der Passagierluftfahrt bekannt, bieten die Fluggesellschaften ihren Passagieren in den 50er Jahren aufmerksamen Service und allerlei technische Neuerungen an Bord. Zum Bordessen gehören nun auch ganz selbstverständlich Tischdecke, silbernes Essbesteck und feine Gaumenfreuden. Fliegen wird zu einer ganz normalen Art zu reisen, die sich (fast) jeder leisten kann, wie dieser Werbefilm von Pan Am zeigt (fragen Sie sich mal, warum in der heilen Werbewelt des Videos keine Afroamerikaner zu sehen sind).

21. Januar 1976

Der Service an Bord der Concorde war den hohen Ticketpreisen entsprechend umfangreich (Bild: www.museumofflight.org)Die Franzosen (und Briten) verhelfen dem Bordessen – ganz in ihrer kulinarischen Tradition – zu einem weiteren Höhenflug. Die Concorde ist Sie nicht nur eines der modernsten Flugzeuge der damaligen Zeit, sondern auch für ihre exzellente Bordverpflegung bekannt. Das sollte einen allerdings auch nicht wundern, denn aufgrund der hohen Betriebskosten des Flugzeugs sind die Tickets für einen Flug von Paris nach New York astronomisch teuer – da ist ein gutes Bordessen fast schon Pflicht.

Die 70er Jahre

Neben dem Luxusflugzeug Concorde sind die 70er Jahre für die Passagierluftfahrt aber vor allem von einer Kommerzialisierung und der Entwicklung von Flugreisen zum Massentransport geprägt. 1971 nimmt mit Southwest Airlines die erste „Billigfluggesellschaft“ den Betrieb auf. Durch die Deregulierung der Luftfahrt sinken die Ticketpreise, was dazu führt, dass nicht mehr der Service, sondern der Preis zum bestimmenden Auswahlkriterium für die Passagiere wird. Damit sinken Serviceniveau und Qualität des Essens.
Um die Bordverpflegung hochwertiger erscheinen zu lassen wird das Essen „flugtauglicher“ gemacht. Durch den geringeren Luftdruck im Flugzeug ist der menschliche Geschmackssinn beeinträchtigt und alles schmeckt ein bisschen so als wäre man verschnupft. Durch den Einsatz von viel Salz, Fett und Gewürzen wird das Bordessen ideal zum Wiederaufwärmen.

1987

Kleine Ursache – große Wirkung. Robert Crandell, der Chef von American Airlines verkündet, in Zukunft keine Oliven mehr in den Salaten der Bordverpflegung zu servieren. Laut einer Befragung würden 72 Prozent der Passagiere die Oliven eh nicht essen. Eine Schätzung besagte, dass durch diese Maßnahme jedes Jahr 500.000 Dollar eingespart werden.

1993

Michael O’Leary wird Chef von Ryanair und macht aus der irischen Regionalfluggesellschaft zwei Dinge. Zum einen ein international erfolgreiches Unternehmen mit jährlich um die 65 Millionen Flugpassagieren. Zum anderen DIE Billigflugline, die mit ihren radikalen Ideen immer wieder für Wirbel sorgt. Was das Bordessen angeht ist Ryanair für ihre überhöhten Preise berüchtigt. So kostet ein belegtes Brötchen etwa 5,50 Euro und eine Tasse Kaffee stolze 3 Euro.

2001

Die Terroranschläge vom 11. September verändern die gesamte Luftfahrtbranche und auch das Bordessen. Metallbesteck muss solchem aus Plastik weichen und einige Fluggesellschaften streichen warme Mahlzeiten sogar ganz und bieten nur noch Snacks und Getränke an.
Gute Zeiten, schlechte Zeiten - Bordessen kann lecker oder grauenerregend sein

2009

Im Januar wird ein Schreiben an Sir Richard Branson, den Chef der Fluggesellschaft Virgin Atlantic Airlines publik, in dem ein Passagier sich auf amüsante Art über die Bordverpflegung auf seinem Flug von Mumbai nach London beschwert. Er schreibt unter anderem, das Essen habe „mehr Senf enthalten, als ein Mann im Monat zu sich nehmen kann“ und die Kartoffeln haben ausgesehen als seien sie „bereits durch den Verdauungstrakt eines Vogels gewandert“.

2011

Durch effizienteres Management und neue technische Entwicklungen und kreative Konzepte wird es für Fluggesellschaften möglich, höherwertige Bordverpflegung anzubieten. Zudem gewinnen einige Gesellschaften prominente Chefköche als Partner, die für Sie Menüs kreieren. So arbeitet British Airways mit Heston Blumenthal, dem Chefkoch eines 3-Sterne-Restaurants in der Nähe von London zusammen. Die Air France kan mit Gerichten von Joël Robuchon glänzen – dem Koch mit den meisten Michelin Sternen weltweit.

2013

Nicht nur die Tickets, auch das Bordessen kann man nun online ordern. Die Billigfluglinie Air Baltic aus Lettland macht es vor. Bei der Flugbuchung kann der Passagier aus 20 Speisen und Getränken sein eigenes Bordessen zusammenstellen. Zur Auswahl stehen verschiedene Hauptgerichte für 7 bis 12 Euro, Salate (für 5 bis 8 Euro) und Getränke, die per Drag&Drop kombiniert werden.
Bei Air Baltic können Passagiere ihr Essen online selbst zusammenstellen. (Bild: www.airbaltic.com)
Andere Airlines beharren auf alten Konzepten und bitten ihre Passagiere kräftig zur Kasse. Eine aktuelle Studie enthüllte kürzlich, dass Essen und Getränke an Bord teilweise bis zu 800% teurer sind als im Supermarkt. Besonders bei Getränken steckt der Passagier hier oft in einer Zwickmühle, denn durch die Sicherheitsbestimmungen ist es ihm verboten, selbst eine 0,5 Liter Flasche Wasser mit an Bord zu nehmen. Eine solche Flasche kostet bei Ryanair dann etwa 3,20 Euro, was im Vergleich zu den vielleicht 50 Cent Supermarktpreis ein Aufschlag von 640% ist.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Bordessen im Flugzeug? Was hat toll geschmeckt und was war so richtig „Bah!“? Erzählen Sie es uns und hinterlassen Sie einen Kommentar.

Herzlichst, Ihr itravel-Team

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