Ein Tag in Madrid

Spanien zählt zu den klassischen Urlaubszielen der Deutschen. Allen voran die Balearen und die spanische Festlandküste sind sehr beliebt. Doch auch die spanische Hauptstadt Madrid hat vieles zu bieten und einen Besuch allemal wert.

Auf unserem Blog erzählt die ehemalige Erasmus-Studentin Gabriela von einem ereignisreichen Tag in Madrid, in welchem sie das spanische Lebensgefühl kennengelernt hat.

Heute strahlte die Sonne, glühend und hell am Himmel. Während ich auf meinen Freund Jairo wartete und auf einer Bank auf der Plaza de Callao saß, sah ich nach oben in den Himmel Madrids, in diesen so außergewöhnlich blauen Himmel, der im Juni unendlich scheint.
Jairo kam ein bisschen später, so wie fast immer, aber dieses Mal machte es mir nichts aus. Er sagte, dass wir im Zentrum spazieren gehen könnten und dass er mir danach einige seiner Freunde vorstellen könnte. Ich hatte nichts geplant, also willigte ich ganz einfach ein und ließ mich von der Spontanität meines spanischen Freundes treiben.

Zuerst brachte er mich zur berühmten Einkaufsstraße Preciados, dann weiter bis zur Puerta del Sol. Der ohrenbetäubende Trubel der Leute, ihre lauten Unterhaltungen und das ausgelassene Ambiente, das ich mit jedem Schritt einatmete, bildeten seltsamerweise eine chaotische Harmonie, und ich fühlte, wie all meine Sinne zu explodieren schienen.

Eine Gruppe von mexikanischen Mariachis spielte am Eingang der Metro.  Zur Freude der Fußgänger, die fast wie hypnotisiert anhielten, um ihnen zuzuhören, und die mutigsten von ihnen, um zum Rhythmus der Musik zu tanzen. Jairo erzählte mir, dass an der Puerta del Sol eine der berühmten Schlachten ausgetragen wurde, mit der das spanische Volk, arm, bäuerlich und nahezu ohne militärische Erfahrung, es schaffte, die eindringenden Truppen Napoleons aus der Stadt zu werfen. Ich dachte an diese Schlacht und mir kam der seltsame Gedanke, dass der Tumult an einem Samstag Nachmittag auf diesem so belebten Platz manchmal sicher auch wie eine Schlacht um jeden Meter schien.  Vor allem zwischen der zahlreichen Künstler und Schausteller, die hier um die Aufmerksamkeit der Passanten werben.

Nach einem kurzen Stopp im sagenumwobenen La Mallorquina, der Traditionsbäckerei in Madrid,  mit Café con Leche und einer der besten Napolitanas, die ich je gegessen hatte, führten wir unseren Spaziergang fort und schlenderten bis zur Plaza Mayor, wo Jairo mir erklärte, dass die heilige Inquisition in alten Zeiten hier ihre Urteile vollstreckte und außerdem öffentlich Stierkämpfe statt fanden. Diese Plaza hat den Flair eines Theatersaals. Mit seinen Balkonen, Bögen und Säulen  ist der Platz heute eine der schönsten und mediterransten Spaniens, über den die Madrilenen gerne flanieren und in einem der zahlreichen Cafés Schutz vor der Sonne suchen. Ganz genau hier trafen wir uns mit Jairos Freunden, die bereits auf uns warteten und neben der Statue von König Felipe III saßen. Wir verließen die Plaza durch den Bogen an einer ihrer Seiten und in der emblematischen Straße der Cuchilleros (der Straße der Messerfabrikanten) gingen wir in eine der unzähligen Tapas-Bars.

Das erste, das mich überraschte, war das gesellige Ambiente und die extreme Lautstärke der Gespräche. So sehr, dass es mir schwer fiel zu verstehen, was Jairo und seine Freude mir sagen wollten. Nachdem wir einige Tapas, wie Tortilla, Calamares, Jamón Serrano und weitere Spezialitäten Madrids gegessen und den obligatorischen Vino Tinto getrunken haben, versuchte ich, meinen Teil der Rechnung zu begleichen. Der Kellner aber sagte mir, dass Carlos, einer der Freunde von Jairo, bereits die gesamte Runde übernommen hatte. Ich versuchte mehrere Male, Carlos etwas dazuzugeben, aber das war schier unmöglich. Mit meinem Versprechen, dass ich sie das nächste Mal einladen würde, verabschiedeten sie sich in Richtung Plaza de España, um im Las Tablas einem Flamenco Konzert zu lauschen.

Ich ging nach Hause und war einfach glücklich. Glücklich, eine so schöne Erfahrung während meines Kurztrips gemacht zu haben. Eine Erfahrung, kurz und intensiv, die es mir erlaubte aus der Nähe zu erleben, wie sich Spanier die Zeit zu vertreiben wissen, ihre Witze und ihre Freude, ihre Art, der Uhr nicht allzu viel Gewicht zu geben, und ihre beneidenswerte Art, das Leben in vollen Zügen zu genießen.

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