Urlaub in der Heimat – Eine Kroatin unterwegs zu Hause

http://instagram.com/pe_suzuki

Petra ist Kroatin und lebt seit über 20 Jahren in Deutschland. Sie ist bekennende Weltenbummlerin und die Krankheit „Wanderlust“ ist bei ihr äußerst ausgeprägt. Doch hin und wieder zieht es sie auch in ihre ehemalige Heimat Kroatien, wo sie jedes Mal aufs Neue verborgene Schätze entdeckt und ihre Lust auf eine Meeresbrise stillt.  Für itravel.de hat Petra ihren letzten Heimaturlaub zusammengefasst und zeigt uns das Urlaubsland Kroatien von einer anderen Seite:

Während Deutsche Urlaub in der Heimat mit Ferien an der Nord- oder Ostsee, Campen in der Eifel oder Wandern im Bayrischen Wald verbinden, verbringt der Kroate seinen Sommer an der eigenen Adriaküste. Entlang der Küstenstraße, die bei den Südländern als „Jadranska Magistrala“ bekannt ist, finden sich zahlreiche kleine Städtchen und Dörfer, die zum Baden, Segel, Windsurfen oder einfach nur zum Träumen oder Entspannen einladen. Aber kann man sich in der Heimat genau so gut entspannen, wieder zu sich finden und Abenteuer erleben, wie in einem Land, wo das Unbekannte lockt?

http://instagram.com/pe_suzuki
http://instagram.com/pe_suzuki

Wie jedes Frühjahr stellte ich mir die Frage, wo ich meinen Sommer verbringen möchte. Wie jedes Frühjahr dachte ich an ein Abenteuer in der Ferne: Thailand, Mexiko oder vielleicht doch Australien? Doch dieses Jahr lockte mich keines dieser Reiseziele – ich beschloss meiner Verwandtschaft und meinem Heimatland Kroatien einen Besuch abzustatten! So packte ich im Juli meine sieben Sachen, setzte mich in den Flieger nach Zagreb und freute mich auf ein Wiedersehen mit meiner Familie, die im Norden des Landes, um genau zu sein in Varaždin lebt und beschloss noch ein paar ruhige Tage an der Küste Dalmatiens zu verbringen, wo ich einst das Licht der Welt erblickte.

Obwohl ich die Küstenregion Kroatiens liebe und auch ausländische Touristen die mediterrane Umgebung zu schätzen wissen, ist der Norden des Landes mindestens genau so schön, landschaftlich gesehen jedoch ganz anders: Endlos scheinende Ackerfelder und Weiden treffen auf traumhafte Wanderwege in den Bergen um Zagreb, wie etwa die Ivančica oder Medvednica. Auch Varaždin hat einiges zu bieten: In der Barockstadt, die von 1756 – 1776 Hauptstadt Kroatiens war, befindet sich eine mittelalterliche Burg, die heute das Stadtmuseum beherbergt und den Besuchern die reiche Geschichte der Stadt erzählt. Zudem hat die Stadt eine pittoreske Altstadt mit kleinen, romantischen Gassen und alten Bauten, wo jährlich das „Špancierfest“ stattfindet, welches es bereits zu internationalem Ruhm geschafft hat. Eine Woche verbrachte ich hier, schlenderte durch die Altstadt, die mir zwar nicht unbekannt war, ich aber immer wieder Ecken entdeckte, die ich noch nicht kannte. Die Wanderwege wurden zu meiner täglichen Straße und auch hier begab ich mich auf Pfade, die ich noch nie betrat.

www.flickr.de
www.flickr.de

Nun wurde es aber Zeit in den Süden zu ziehen! Über die recht neu gebaute Autobahn E71 gelangt man nach ca. 380 km nach Benkovac, von wo aus man noch ca. 20 km in das Küstenstädtchen und meinen Geburtsort Biograd na Moru braucht, was übersetzt soviel wie „Weiße Stadt am Meer“ bedeutet. Ich beschloss jedoch die alten Landstraßen zu nehmen und fuhr so durch den grünen Norden, vorbei an den Plitvica Seen, wo einst die berühmten Winnetou-Filme gedreht wurde, bis auf den Velebit, der größten Bergformation Kroatiens, wo Bergsteiger und Kletterer im Nationalpark „Paklenica“ auf ihre Kosten kommen. Als ich auf den höchsten Punkt der Landstraße, zumindest kam es mir so vor, angekommen bin, stand ich zwischen zwei Welten: Im Norden ließ ich das satte Grün hinter mir und schaute nach vorne auf das kristallblaue Meer der Adria.

In Biograd angekommen, fühlte ich mich gleich in meine Kindheit zurück versetzt. Ich entdeckte Orte, die schöne Erinnerungen weckten, wie z. B. das alte Café meiner Mutter in einer Seitenstraße oder ein kleines Bäumchen entlang der Riviera, das mir einst groß und mächtig erschien und nun nur etwa drei Köpfe größer ist als ich.
Anders als die meisten Touristen kenne ich den Ort sehr gut, lag bereits am städtischen Strand und genehmigte mir schon eine leckere Fischplatte in einer der zahlreichen Konobas (so nennt der Kroate kleine, landestypische Restaurants). Daher machte ich mich auf die Suche nach neuen Entdeckungen!

Auf der Insel Pašman, die gleich gegenüber von Biograd liegt fand ich ein kleines Stückchen Land, was mich täglich zu sich lockte. Mit der Fähre, die umgerechnet ca. 2€ kostet, gelangt man in ungefähr 20 Minuten zu dem kleinen Paradies. Die Einheimischen vom Festland schwören auf die saftigen Tomaten der Insel und bezeichnen diese als die Besten in der ganzen Region. Auch der Tourismus hat hier schon hergefunden, doch bei weitem nicht in dem Ausmaße wie auf dem Festland. Pašman ist was für Leute, die gerne an menschenleeren Stränden die Seele baumeln lassen.

Kommt man gerne mit den Einheimischen in Kontakt, ist das auch kein Problem – bis auf die Sprachbarriere! Während in Biograd die meisten Einwohner Deutsch oder Englisch sprechen, kann man sich auf Pašman als Ausländer meist nur mit wilden Handgesten verständigen.. Auch an einer abgelegenen Bucht freundete ich mich mit einem Fischer an, der sich jeden Tag auf die Suche nach Muscheln und anderen Meeresbewohnern machte. Ich tauschte eine Flasche Šljivovic gegen drei Fische und kaufte von dort an immer wieder mein Abendessen bei ihm – dann aber gegen ein paar Kuna (Kroatische Währung) und kleine Hilfsarbeiten. Ich bemerkte Touristen, die mich mit seltsamen Blicken anschauten, als ich Fangnetze aus dem Meer fischte, denn die meisten verstehen unter Urlaub etwas anderes! Für mich war es aber die reinste Entspannung: Ich konnte abschalten, mich auf das Wesentlich konzentrieren und das Leben der Leute in meiner Heimat aufs Neue kennen lernen.
Am Abend, wieder auf dem Festland angekommen und nach getaner Arbeit und getankter Sonne, schaute ich mir die Dämmerung an einer felsigen Bucht in den Nähe von Biograd an. Lässt man seinen Tag so ausklingen, umgeben von einer wahnsinnig tollen Landschaft voller Olivenhaine und dem Duft von Lavendel in der Nase, vergisst man schnell den Alltag am Schreibtisch und wünscht sich schnell ein einfaches Leben an der Mittelmeerküste.

http://instagram.com/pe_suzuki
http://instagram.com/pe_suzuki

Eines Tages, als das Wetter nicht gerade berauschend war, beschloss ich eine Wanderung zum Fluss Karišnica zu machen. Mit einer Picknickdecke im Rucksack und genug Wasser schlenderte ich durch die Wälder rund um das Städtchen Karin und gelangte nach einer Stunde zum Fluss – der leider ausgetrocknet war! Etwas enttäuscht setzte ich mich in das Flussbett und beschloss zumindest ein kurze Rast einzulegen. Ich rief meine Mutter an, die zur der Zeit auch in Kroatien war und berichtete ihr, wo ich gerade war. Sofort erzählte sie mir begeistert, dass mein Vater einst eine alte Kanonenkugel aus dem 14. Jahrhundert hier fand und das auch, als der Fluss ausgetrocknet war. Für Rast war von da an keine Zeit mehr. Hier entdeckte ich mein persönliches Abenteuer und kroch auf dem schlammigen Boden herum, in der Hoffnung ein Relikt aus alten Zeiten zu finden. Leider ohne Erfolg.. Dreckig machte ich mich dann auf den Rückweg und beschloss aber, dem Fluss in anderer Richtung zu folgen. Entlang des Weges finden sich einige alte Häuser und Mühlen, die durch die wild wachsenden Pflanzen völlig eingenommen wurden. Wieder einmal staunte ich über das mir noch Unbekannte, was sich nur wenige Kilometer entfernt von meinem Heimatdorf befindet und beschloss, eines Tages meine Ausgrabung hier fortzusetzen.

http://instagram.com/pe_suzuki
http://instagram.com/pe_suzuki

Nach drei Wochen in Kroatien kehrte ich zurück nach Deutschland, zurück zum Alltag und zurück in das Großstadtleben. Schon auf dem Rückflug stellte ich mir die Frage, ob denn meine Abenteuerlust nach meinem Heimaturlaub auch wirklich befriedigt war. Als ich dann über meine Begegnungen und Eindrücke nachdachte, stellte ich fest, dass ich so vieles Neues gesehen und erlebt habe, wie auf jeder meiner anderer Reisen auch. Ich habe zwar nicht eine völlig neue Kultur kennen gelernt, jedoch kleine Schätze, fernab der üblichen Touristenpfade entdeckt, die ohne diesen Trip für mich im Verborgenen geblieben wären. Erholt und mit neu entdeckter Energie konnte ich wieder meinen Tag am Schreibtisch verbringen, mit dem Gedanken, dass ich meine Heimat, ihre Wälder und Buchten nie hinter mir lassen werde und ich vielleicht eines Tages den Weg zurück finde.

Und hier noch ein paar Insider-Tipps:

– Wer kein Problem hat früh aufzustehen, sollte sich morgens um sechs Uhr schon zum Markt in Biograd begeben. Dort gibt es frisches Obst und Gemüse und fangfrischen Fisch – das Beste ist jedoch schnell weg!

– Wer Hunger auf eine leckere Fischplatte oder ein gutes Stück Fleisch hat, sollte sich ein Abendessen in der traditionell „Konoba Basilika“ genehmigen. Diese findet man in der kleinen Altstadt, gleich in der Nähe vom Kirchplatz. Netter Service, guter Wein, leckeres Essen und vor allem: Ruhe, da die Konoba in einer kleinen Seitenstraße liegt. Adresse: Konoba Bazilika, Sv. Ivana 5, 23210 Biograd n/m

– Gute Pizza bekommt man in der Konoba „Casa Vecchia“, auch in der Altstadt, ab vom Trubel der Riviera. Adresse: Kralja Kolomana 30, Biograd na Moru
– Ein Bierchen gönnt man sich am besten in der Konoba „Mornar“, gleich am Ende der Riviera in Richtung der Fähre. Adresse: Ugostiteljski Obrt Mornar, Biograd na Moru, Obala Kralja Petra Kresimira  IV, BR.17, Biograd Na Moru

– Ein Tagesausflug zu dem Insel-Nationalpark Kornati lohnt sich alle Male. Entlang der Riviera stehen jeden Abend Verkäufer, bei denen man eine Tour buchen kann! Am besten geht man aber direkt zur „Blu Tourist Agency“: Nette Beratung und gute Touren. Und noch ein Tipp: Fragt, ob momentan Trips mit dem Boot „Argonaut“ angeboten werden. Das Schiff ist über 100 Jahre alt aber super in Schuss und hat ein wahnsinnig tolles Ambiente!

– Die Fähre nach Pašman fährt mehrmals täglich hin und zurück. Für Autos ist auch Platz, allerdings sollte man in der Hauptsaison mit Wartezeiten rechnen. Achtung: Das Schiff macht am Nachmittag Siesta – also genau den Fahrplan studieren.

Mehr zu mir und meinen Reisen findet Ihr hier.

Viel Spaß in meiner Heimat wünscht Euch Petra!

Wenn Sie nun auch Lust bekommen haben nach Kroatien zu reisen, sprechen Sie uns gern an!

Kommentar verfassen