Europa – Ganz unerwartet

Die Bloggerin Jacko Wusch erzählte uns vor einiger Zeit schon über ihre Reise nach Thailand. Auch im letzten Jahr war sie wieder auf der Suche nach dem großen Abenteuer. Da der Geldbeutel aber einen Langstreckenflug nicht hergab, entschied sich Jacko nach Portugal zu reisen. Zunächst war sie skeptisch, doch nach und nach fand sie ihr persönliches Abenteuer an der Algarve:

Als ich im Sommer 2014 bemerkte, dass mein Kontostand und meine Reisepläne nicht miteinander kooperierten, wurde mir nach stundenlanger Rechnerei schmerzlich bewusst: Du wirst dieses Jahr nicht auf Safari gehen und du wirst auch auf keinem Weekend Market geröstete Heuschrecken probieren. Wie du es auch drehst und wendest: Dieses Jahr gibt es kein Abenteuer für dich Jacko. Die Preise für kurzfristige Flüge nach Asien und Co. waren zu diesem Zeitpunkt einfach höher als ich es erwartet hatte und es gab auch keine Angebote. Ich war einfach zu spät dran.

Da stand ich: Den Koffer gedanklich bereits gepackt und mit einem Fuß schon in den Trekking-Schuhen. Und nun? „Wieso machst du nicht in Europa Urlaub?“, fragte mich eine Freundin. „Da gibt es doch auch schöne Ecken“, sagte sie weiter.
„Ja klar“, dachte ich mir „aber Keramiktoiletten“. Für den ein oder anderen mag das komisch klingen, aber ich liebe es ins kalte Wasser geworfen zu werden. Wenn ich reise, liebe ich die Überraschung, die Herausforderung, das Fremde. Wenn ich an einen Trip in Europa dachte, fielen mir spontan zwar viele schöne Orte ein, aber mein Gefühl sagte mir: „Ist nicht exotisch genug!“

Widerwillig setze ich mich jedoch an den PC und googelte nach Reisezielen in Europa – und stieß auf etwas, das mich neugierig machte: Einen Artikel, der Portugal als das beste Backpacking- und Abenteuerland Europas anpries. Ich zögerte nicht lange und buchte direkt. Was nützt da Zögern, dachte ich mir. Ich wollte einfach nur Reisen!
10 Tage später saß ich im Flieger Richtung Faro. Ich muss ganz ehrlich sagen, zuerst war ich etwas enttäuscht. Mein Sinn für Abenteuer und fremde Kulturen betrachtete skeptisch bekannte deutsche Supermarktgrößen und auch die unzähligen Deutschen um mich herum, gaben mir ein wenig ein wenig das Gefühl auf Mallorca zu sein. Aber damit musste ich jetzt wohl vorlieb nehmen. „Stell dich nicht so an“ sagte ich mir und versuchte meine total übertriebenen Abenteuer-Wünsche etwas herunterzuschrauben und die Zeit zu genießen.

portugal

 

An dritten Tag in Portugal wendete sich dann das Blatt. In einem kleinen Touristen-Ort namens Lagos angekommen, erkundigten wir uns nach den örtlichen Aktivitäten. Der Hotel-Mitarbeiter legte uns eine Kajaktour ans Herz. Wir machten uns direkt auf den Weg zum Strand. Die Touren waren für diesen Tag bereits ausgebucht, deshalb beschlossen wir die Küste zu Fuß zu erkunden. Enttäuscht trabte ich die Straße entlang, sprang über eine Mauer und da war er auf einmal: Ein Ausblick, mit dem ich niemals gerechnet hatte. Vor mir lag ein heller Sandstrand und türkisblaues Wasser. Aber das, was mich an diesem Panorama am meisten erstaunte waren die Klippen: Orange-gelbliche Felsformationen umrahmten den Strand und verliehen der Kulisse etwas, was dem australischen Outback gleichte. Begeistert lief ich den Strand entlang und meine Faszination wuchs von Minute zu Minute: Kleine Höhlendurchgänge führten von Bucht zu Bucht und je weiter man lief, desto einsamer wurde es und ich fühlte mich immer mehr wie ein kleines Kind in einem Robinson Crusoe-Abenteuer.
Als es bei der letzten Bucht keinen weiteren Durchgang gab, stiegen wir eine Treppe hinauf. Von hier an wanderten wir die Küste entlang der Klippen von Bucht zu Bucht. Die kargen Wege ohne jegliche Sicherung wurden anscheinend regelmäßig für Klippenwanderungen begangen, was ohne Frage waghalsig und gefährlich war. Aber gleichzeitig wunderschön, unberührt und unbeschreiblich aufregend!

 

algarve

 

Der Ausblick aus einer dermaßen extremen Höhe von über 50 Metern auf Strände und Buchten und auf das türkisfarbene Meer war einfach atemberaubend. Am Praia do Camilo stellte ich mich ganz vorne an den Klippenrand des rötlich braunen Sandsteinfelsens und schaute auf das Meer hinaus. Dieser Moment zählt zu einem der Momente, wegen denen ich verreise. Ich wollte etwas Fremdes, Faszinierendes und Unerwartetes sehen und erleben. Portugal haute mich mit seiner Algarve aus den Socken. Niemals hätte ich gedacht, dass Europa so eine Küste im Petto hat. Am darauf folgenden Tag erkundeten wir die Klippen und Grotten entlang der Küste mit einem Kajak. Wir fuhren durch kleine Höhlen, begutachteten tierähnliche Felsformationen und horchten den dazugehörigen Geschichten, die uns der Kajakführer erzählte. Es war einfach so unglaublich schön, dass ich jedes Mal, wenn wir um eine Ecke paddelten erneut Gänsehaut von der Schönheit eines neuen Anblicks bekam. Ich war hin und weg. Ich war verliebt in eine Küste! Ab diesem Moment gab es von mir meine Skepsis, kein Gemecker, kein Zögern. Ab diesem Moment kaufte ich mein Baguette mehr als zufrieden im nahe gelegenen Aldi oder Lidl und aß es voller Zufriedenheit, während ich meine Beine 100 Meter über dem Meeresspiegel baumeln ließ und immer noch fassungslos bestaunte, was die südliche Küste Europas mir da präsentierte.

 

Wer mehr über  Jacko Wusch erfahren will, der sollte sich ihren You Tube-Kanal und ihren Blog mal genauer anschauen.

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