Rio de Janeiro – oder: Oh No, Germany!

Unsere Reisespezialistin Kathrin ist mal wieder auf großer Reise. Dieses Mal zieht es sie und ihren Freund Marcel auf eine viermonatige Tour durch Südamerika. Ihr erster Stopp: Brasilien! Auf unserem Blog wird Kathrin nun eine wöchentliche Kolumne haben, in der sie über ihre Abenteuer in der Ferne berichtet:

Wir haben es geschafft, nach einem fast verpassten Zug in Rhade und einem 11 stündigen Flug nach Brasilien, stehen wir vor den Passkontrollen in Rio de Janeiro, der „Marvelous City“, wie sie auch genannt wird.

So ganz marvelous fühlen wir uns aber leider nicht. Die Hitze in der Ankunftshalle ohne Klimaanlage lässt schon erahnen, was der Pilot vorhin durchgegeben hat: Sonne satt mit Höchsttemperaturen um die 40 Grad! Wenn man aus dem winterlichen Deutschland kommt, ist dieser Klimawechsel schon extrem.
Nachdem der erste Stempel im Pass ist, geht es mit dem Bus rein in die City. Über Bordsteinkanten und rote Ampeln auf einer halsbrecherischen Fahrt durch den zähfließenden Verkehr, erreichen wir den ersten Stopp und müssen jetzt noch mit dem Taxi weiter nach Lapa/ Santa Teresa.

Aber irgendwie merken wir sehr schnell, keiner versteht uns. Weder die Leute im Bus, noch der Taxifahrer können Englisch und mit Spanisch kommen wir auch nicht weiter. „Oh no, „Turistas alemães não falam português“ – ertönt es von allen Seiten. Nach langem hin und her finden wir das kleine Hostel, versteckt zwischen den Graffitiwänden in Santa Teresa. Wir haben es endlich geschafft! Duschen, Sommersachen raus, erst mal ne kalte Cola und dann……..geht eigentlich nichts mehr, außer schlafen…

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Kurz ausruhen, dann kann das Sightseeing beginnen

Nach einem kurzen Nickerchen ging es direkt auf Erkundungstour. Nachdem uns wirklich alle abgeraten haben und wir selbst auf dem Flug noch von Leuten gewarnt wurden, in Rio bloß nicht zu Fuß herumzulaufen, sondern sich lieber immer ein Taxi zu nehmen, haben wir eigentlich überhaupt keine Lust, nach dem ganzen Sitzen uns schon wieder von A nach B bringen zu lassen. Mit ein paar Sicherheitshinweisen von den Leuten unseres Hostels, wie etwas dann man seine Wertsachen gut verstecken sollte, ging es auch schon los.

Und wir möchten jetzt schon allen das gleiche empfehlen, denn wie soll man so eine Stadt durch das Fenster eines Taxis auch nur ansatzweise kennenlernen und wir haben uns egal in welchem Viertel wir unterwegs waren, in dem Ausgehviertel Lapa, auf dem kleinem Künstlerhügel in Santa Teresa, am Strand von Ipanema, an der Copacabana oder in der Favela Rocinha nicht einmal unsicher oder ansatzweise unwohl gefühlt.

Ganz im Gegenteil: Die „Cariocas“, wie sich die Einheimischen Rios nennen, waren zu uns alle super freundlich, haben uns überall mit sehr viel Gastfreundschaft empfangen und uns jedes Mal bei Verständigungsproblemen mit viel Engagement weitergeholfen. Auch noch nachdem sie wussten wir sind aus Deutschland. Es wurde schon zum Running Gag: „Where are you from?“ „Germany/Alemanha“ „Oh no the Germans again, 1:7 ohhhhhhh, the trauma of our life….! Aber dann der Nachsatz, „The Germans are the best“ und natürlich alles besser als Argentinien.

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Endlich an der Copacabana

Als wir an der berühmten Copacabana ankamen, fühlten wir es: Das brasilianische Lebensgefühl. Ich muss aber gestehen, die  Ipanema ganz im Süden doch ein bisschen schöner. Denn von hier aus kann man am Abend einen wunderschönen Sonnenuntergang beobachten – wenn man über die Millionen Leute und Sonnenschirme hinwegschaut. Wahnsinn wie viele Personen sich hier gleichzeitig auf einem Stück Sand am Meer aufhalten können.

An der Copacabana sieht es nicht anders aus, Caipirinha Stände, Fußball spielende Kinder, brasilianische Strandschönheiten und welche die meinen, sie wären es (man beachte den Hintergrund unseres Fotos, Bier trinkende Väter, schwatzende Omas und das Partyvolk, das sich schon für den Abend bereit macht. Ein kunterbunter Mix Rios. Man könnte hier auch einfach den ganzen Tag sitzen und sich das Spektakel anschauen, doch Rio hat ja noch viel mehr zu bieten, als Sonne, Strand und Meer.

Und daher geht es jetzt hoch hinaus. Es wird unser „Tag der schönen Aussichten“. Als erstes mit einer Zahnradbahn rauf auf den 710 Meter hohen Gipfel des Corcovados, zur kolossalen Statue des Cristo Redentor. Schön in der absoluten
Mittagshitze stehen wir dann mit zehntausend weiteren Touristen im Schatten des Erlösers. Die Sonne strahlt wie ein Heiligenschein über den Kopf auf uns hinab. Eine super Aussicht auf die Stadt am Zuckerhut, man könnte von der Szenerie richtig überwältigt sein, wenn da nicht noch ein kleiner Haken wäre. Denn hier findet gefühlt gerade ein neuer Weltrekord statt. Und zwar in der Kategorie: 10.000 Selfie-Fotos mit dem gleichen Motiv an einem Ort. Was soll man dagegen schon machen: „Eins, zwei, drei Lächeln, Cheese!“
Den Rekord helfen wir natürlich mit zu brechen.

Vom Corcovado bergab geht es zum Wahrzeichen der Stadt, Pão de Açúcar, dem Zuckerhut wieder bergauf. Ein super Tipp für alle, die einmal die Stadt besuchen: Auf jeden Fall gegen Abend mit der Gondel hochfahren, so spart man sich die langen Schlangen der Tagestouristen und man kann solange oben bleiben, bis die Sonne untergeht und schließlich Millionen Lichter aufglimmen und flackernd die Nacht erleuchten.
Erst jetzt erkennt man die atemberaubende Lage Rio de Janeiros inmitten des blauen Meeres, mit den zahlreichen Buchten, kleinen Häfen, weißen Stränden, hohen Bergen und grünen Wäldern. Absolut beeindruckend und ab jetzt definitiv in unseren Top Five der schönsten Städte der Welt!
Doch eine Stadt kann natürlich aus der Vogelperspektive noch so toll sein, wie es hinter den Kulissen aussieht, wie sich das wirkliche Leben in den Straßen Rios abseits der Touristenattraktionen abspielt, davon mehr im nächsten Blog.

Ich sage nur: Samba, Lapa, Favelas, Antarctica Bier, Mangueira, Queso, Queso und noch mehr Queso, Obrigado!
Ein paar erste Erkenntnisse zum Schluss:

1.Rio ist definitv eine Stadt der Sinne und vor allem die Nase kommt nicht zu kurz: Ein Mix aus reifen Guayaba- Früchten, Abgasen, gegrillten Fleischspießen, Meer, frischer Seife, Schweiß und anderen menschlichen Ausscheidungen…
2. Wir möchten auch einen von den vielen alten VW- Bullis haben, die hier überall herumfahren.
3. Und ja, es gibt tatsächlich an jeder Ecke Caipirinhas.

 

Eure Kathrin

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