Das Pantanal oder: Der nasseste Platz in Brasilien

Im Naturschutzgebiet Patanal angekommen, sieht Kathrin wilde und exotische Tiere hautnah. Sie lernt wie man nach Piranhas fischt und selbst die berüchtigten Mosktios haben sie zum Fressen gern:

Wir haben bereits Millionen-Metropolen und erste Kolonialdörfer am Meer gesehen und jetzt wird es Zeit auch mal von der Küste ins Landesinnere von Brasilien zu fahren. Einfacher gesagt als getan, denn es wartet eine 17- stündige Busfahrt auf uns! Von São Paolo führt unser Weg uns ins Pantanal. Nach den ersten Stunden wird schnell klar: Das wird eine sehr sehr lange Fahrt und man erinnert sich wage an die Jugend, als man zusammen mit Freunden zum ersten Mal ohne Eltern gefühlte 30 Stunden nach Spanien in einem Bus gefahren ist.

16 Jahre später wieder im Bus auf dem Weg in ein neues Abenteuer. Das Déjà-Vu lässt grüssen, nur dieses Mal geht es nicht in eine Touristenhochburg an die Costa Brava, sondern in das weltweit größte Süßwasser-Feuchtgebiet Südamerikas.

Das Pantal beherbergt eine Riesenvielfalt an Tieren und Pflanzen und erstreckt sich von Brasilien bis  nach Bolivien und Paraguay.  Wir sind schon total gespannt was uns erwartet!

Am Terminal in Campo Grande angekommen, begrüßt uns auch schon Gil in einem knalligen Oranje Holland T-Shirt. Nein, Gil ist kein Holländer, er steht nur auf orange gefärbte Baumwollhemden. Er ist der Organisator unserer Tour ins Pantanal und nachdem er dann noch schnell einen weiteren Backpacker aus Argentinien überredet hat sich uns anzuschließen, folgen wir ihm zu seinem Auto. Auf einem Telefonmast sehen wir dabei schon zwei blau strahlende Blue Macaws lustig hin und herspringen und laut krächzend. Der Blue Macaw gehört zu den größten fliegenden Papageien- Arten, welche vom Aussterben bedroht sind. Und es lässt sich bereits erahnen, wie nah wir einem gewaltigem Naturschutzgebiet gekommen sind.

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König Fußball regiert wohl doch die Welt

Doch die Natur ist auch erst mal nebensächlich, denn Fußball ist mal wieder das beherrschende Thema. Durch den an Marcells Rucksack baumelnden 1. FC Köln-Schal ermuntert, geht die Diskussion auch schon los. Wie es der Zufall will , hat Gils Mannschaft Fluminense erst vor wenigen Tagen in Florida bei einem Testspiel gegen den 1. FC Köln verloren. Doch das tut natürlich keinen Abbruch: Klar, es ist  Nebensaison und der beste Spieler Fred bei Fluminense sei noch nicht in Topform. Und jetzt geht es erst richtig los. In seinem Element zeigt uns Gil noch während der Fahrt mit einer Hand am Steuer und der anderen auf seinem Tablet Videos von seinem Verein und erzählt stolz wie sein 8-jähriger Sohn im letzten Cup den Spieler Fred aufs Spielfeld begleiten durfte. Brasilianer und Fußball – eine andere Welt!

Plötzlich ziehen dunkle Wolken auf und von einer Sekunde zur nächsten regnet es in Strömen. Mitten im Nirgendwo wechseln wir auf einen Jeep, denn die Straßen haben sich mittlerweile in unbefestigte Schlammwege verwandelt. Als wir dann endlich unsere Unterkunft erreicht haben und werden wir  auch schon mit großen Freuden begrüßt – auch von zahlreichen Moskitos. Da stellt sich uns abends nur noch die eine Frage, was ist hier im Panatal eigentlich gefährlicher, der Jaguar, der sich langsam an seine Beute heranschleicht und dann zuschlägt oder die aggressive Killer-Moskito-Bande. Eindeutig die Mörder-Mücken.

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 Piranha-Fischen – leichter als gedacht!

Aber was einen nicht umbringt macht einen ja bekanntlich nur härter. Daher genug gejammert. Wir lassen uns den Spaß nicht verderben und starten erst einmal gemütlich am Fluss mit einer Einführung ins Piranha- Fischen. Ganze Fleischbrocken werden an den Haken gehangen und in Blitzgeschwindkeit von den Piranhas aufgefressen und taaaddaaaa….wie haben einen an der Angel!

In den nächsten zwei Tagen fahren wir noch auf Safari- Touren über Tag und teils in der Nacht mit dem Boot durch die Kanäle und mit dem Jeep über die letzten noch nicht überschwemmten Wege. Denn je weiter man zeitlich in den Sommer kommt, desto nasser wird es und mehr und mehr Wasser fließt in das Tal bis nur noch wenige Inseln übrig bleiben. Wir sehen Alligatoren, Nandus (große straußenähnliche Laufvögel), Tukane, Brüll- und Kapuzineraffen, Ameisenbäre, Rehe, Wasserschweine, Kaimane und Nasenbären und noch hunderte von weiteren verschiedenen Vogelarten, wo wir leider die Namen schon wieder vergessen haben, sorry an alle Hobby-Ornithologen.

Einen Puma oder einen Jaguar, auch diese Wildkatzen halten sich hier auf, sehen wir leider nicht, da muss man schon sehr viel Glück haben, aber dafür hören wir aus erster Hand die Geschichten eines richtigen Pantaneiros über seine Begegnungen mit diesen Tieren. Die Pantaneiros sind die südamerikanischen Cowboys. Aufgewachsen in dieser Region werden sie von den Farmen damit beauftragt die großen Rinderherden durch das Pantanal zu treiben. Sie sind die wahren Naturspezialisten und Survivors des Pantanals.

 

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Der Pantaneiro kennt jedes Tier in der Umgebung und er erzählt wie Sie die Vieh-Herden durch die Flüsse treiben und dabei das schwächste Rind voranschicken und den Piranhas opfern, so dass der Rest unversehrt bleibt. Oder wie sie mit Mühe die Herde wieder beruhigen, wenn Sie durch das Herannahen eines Jaguars die Gefahr instinktiv spüren und in Panik geraten. Richtig spannend, wie im Wilden Westen, nur nicht wie man es aus den Filmen kennt mit den Rinderherden in der amerikanischen Prärie, sondern hier umgeben von gewaltigen Wassermassen, Yihaaa…

 Floating oder wie wir fast Fischfutter geworden wären

Zum Schluss steht nach den Naturexpeditionen und Tierbeobachtungen noch „Floating“ auf unserem Programm. Was es damit genau auf sich hat, erfahren wir schnell als unser Guide uns kurz und knapp im Boot mitteilt, „wir springen jetzt alle in den Fluß und lassen uns von der Strömung zurück zum Anlegesteg des Hotels treiben“. Waaaas, wie bitte? Hier haben wir doch Piranhas gefischt und zehn Meter weiter liegt ein Alligator im Gebüsch. Unsere Reise ist doch noch nicht zu Ende um jetzt zu Fischfutter zu werden.

Es wird uns versichert, die Alligatoren seien zu scheu und die Piranhas kommen nur wenn sie Blut riechen (können Piranhas riechen – Ihr wisst schon was ich meine). Dann warten wir mal ab, wer sich als „schwächstes Rind“ zuerst für alle opfert. Ein Muskelbepackter Belgier springt tatsächlich als Erstes in die Fluten. Super, da haben die Piranhas erst einmal ordentlich was zu knabbern und so strecken auch wir zur Probe mal unseren Zeh mal ins Wasser. Nichts rührt sich, der Belgier lebt auch noch und dann wagen auch wir uns komplett in den Fluß  und werden sogleich von der Strömung gepackt. Ein komisches Gefühl zwischen Sorge gleich aufgefressen zu werden und zeitgleich in so einer Naturkulisse und einmaligen Atmosphäre mit kreischenden Vögeln und brüllenden Affen in den Bäumen durch das Wasser zu gleiten. Am Ende waren wir aber heil froh wieder mit allen Gliedmaßen an Land zu gehen.

Unser Fazit zum Pantanal: Wer sich gegen die Killer-Moskitos von morgens bis abends ordentlich mit Off-Spray zur Wehr setzen kann, für den ist das Pantanal ein riesen Naturspielplatz und ein unvergessliches Erlebnis in einem einzigartigem Ökosystem.

Ach ja und heute gibt es leider keine neuen Erkenntnisse, wir müssen noch unsere Stichwunden versorgen.

In diesem Sinne schnell weiter und zurück zum Meer!

Eure Kathrin!

 

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