Last, aber mit Sicherheit not Least: Porto Alegre

Der erste Halt auf Kathrins Reise Brasilien nähert sich dem Ende entgegen. Auf ihrem letzten Stopp in Porto Alegre bekommen sie und ihr Freund Marcell das Beste, was Brasilien zu bieten hat: Sonne, Fußball und Karneval:

Unsere Ferienwoche auf der Ilha de Santa Catarina neigt sich leider dem Ende entgegen, aber jetzt sind wir wieder topfit für das nächste Abenteuer. Und unser letzter Stopp in Brasilien ist Porto Alegre.
Die Hauptstadt im brasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul liegt ganz im Süden und ist wohl eine der europäischsten Städte Brasiliens. So wie der Nordosten stark durch afrikanische Einflüsse geprägt ist und im Westen die indigenen Voelker im Amazonasgebiet das Gesicht des Landes ausmachen, so fällt hier ganz besonders der Mix der Leute mit europäischen Wurzeln auf.
Brasilianer mit heller Haut und blauen Augen sind hier keine Seltenheit. Denn zu Beginn des 19. Jahrhunderts siedelten sich auf der Suche nach einem besseren Leben rund um Porto Alegre viele Einwanderer aus Deutschland, Italien, der Schweiz und Osteuropa an. Wir sind daher gespannt was uns erwartet, da fallen wir ja dann vielleicht gar nicht mehr auf.

Nachdem wir uns von der Anreise erholt haben, machen wir uns auf den Weg in die City. Herrliches Wetter ist unser Begleiter: Die Sonne scheint und sobald wir in das Zentrum kommen, sehen wir die ersten historischen Gebäude: die alte Markthalle, das Rathaus, strahlend weiße Kirchen und den mit Palmen umsäumten Alfandega Square. Sieht auch alles sehr nett aus, aber wo bitte sind denn die ganzen Menschen? Die Straßen sind wie leer gefegt. Wie in einem Western fehlt nur noch das Bild, wie vom Wind vertrocknete Strohballen über die Straße weht.

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Mit 4.4 Millionen Einwohnern im Umkreis müssen doch hier irgendwo Leute unterwegs sein. Aber alles wirkt wie ausgestorben. Zugegeben, es ist Sonntagmittag und die Sonne knallt auf den Asphalt. Wahrscheinlich sind viele aus der Stadt zum nahe gelegen Strand ans Meer geflüchtet oder sind noch zu Hause und halten Siesta. Aber irgendwie werden wir das Gefühl nicht los, dass hier irgendetwas nicht stimmt.
Eine Stunde später sehen wir dann Gott sei Dank eine kleine Gruppe am Square, die sich zum typisch sonntäglichen Churrasco zusammengefunden hat. Einem brasilianischen Barbecue, wo wirklich alles was eine Kuh hergibt auch gegrillt wird. Aber es bleibt weiterhin ruhig, einfach zu ruhig für eine Metropole mit einem Stadtkern so groß wie Hamburg. Man stelle sich vor, als wenn dort an einem schönen Sonntag an der Alster oder an den Landungsbrücken nur 10 Menschen spazieren würden, das kann doch einfach gar nicht sein.

Plötzlich hören wir dann aus einer Straße Gesänge und Lärm. Wenige Sekunden später rollt ein Bus mit einer Horde Fußballfans an uns vorbei. Schnell erfahren wir, dass heute der einheimische Club Internacional im neuen Stadion Beira- Rio spielt. Da wir keine weiteren Pläne haben, außer einsam weiter umher zu wandern und Marcell eh schon auf Fußballentzug ist, springen wir mit in den nächsten Bus und schon sind wir zehn Minuten später am Stadion.

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In der Warteschlange vor dem Ticketschalter spricht sich auch schnell herum, dass wir aus Deutschland sind und alle sind super begeistert. Einige tragen sogar das Trikot der deutschen Nationalmannschaft. Sie erzählen uns auch, dass sie deutsche Vorfahren hätten. Wir treffen Frank Bume, Hermann Mueller, Julio Steinmeyer, und viele andere. Also alles fast wie zu Hause, es gibt Fußball, Dosenbier und ein Stadion in den Vereinsfarben rot und weiß, wie beim 1. FC Köln. Das Spiel selber war am Ende zwar nicht ganz so spektakulär, aber die Fans waren trotzdem super und haben mit Trommeln und Trompeten ordentlich Stimmung zum 1:0 Sieg gemacht.

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Nach Spielende schlendern wir zurück in die Stadt und wollen in der Nachbarschaft Cida de Baixa, dem Vergnügungsviertel in Porto Alegre noch etwas Essen und Trinken. Und da äellt dann auch der Groschen, wo der Rest der Menschheit sich den ganzen Tag aufgehalten und vergnügt hat. Wie konnten wir das nur vergessen, es ist doch immer noch CARNAVAL!!
Laute Musik dröhnt aus den Lautsprechern, die Straßen sind voll mit Menschen, die hier anscheinend die letzten 12 Stunden durchgefeiert haben. Es gibt gar kein Durchkommen. Jetzt haben wir den brasilianischen Straßenkarneval doch tatsächlich verpasst! Oh nein, aber keine Sorge, morgen geht es natürlich direkt weiter, versichert man uns.

Daher ist klar, nachdem wir jetzt wissen, wo sich das “O Jeito Brasileiro”, die brasilianische Lust am Leben hier in Porto Alegre abspielt, geht es am nächsten Tag zurück in die Cidade de Baixa. Dort spazieren wir noch durch die alten Straßen mit den bunten Häusern, in denen früher die ersten freien Sklaven und Einwanderer Unterkunft fanden und dann geht es den Trommelgeräuschen nach zurück zum Carnaval.

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In kurzer Zeit füllen sich bereits am frühen Nachmittag die Straßen und alle machen sich mit kalten Getränken und Snacks startklar. Dann starten die Trommelgruppen, der Korso rollt los und es hält keinen mehr still an seinen Platz. Es wird ausgelassen gesungen und getanzt und man kann sich vorstellen, wenn man bei 35 Grad im Schatten, ein, zwei Caipirinhas getrunken hat, wie ausgelassen die Stimmung wird. Hier in Porto Alegre macht es sehr viel Spaß mit den Brasilianern draußen auf der Straße zu feiern und viel authentischer als mit den Touristenmassen in Rio. Ein toller letzter Tag und Abend zum Abschied in Brasilien. Denn am nächsten Tag geht es weiter über die Grenze nach Uruguay.

Also Tchau, tchau Brasil, nós te amamos, und wir kommen definitiv wieder!

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