Ein blauer Beetle zwischen Kolonialhäusern und Schmugglerhäfen

Kathrin hat Brasilien verlassen und ist nun in Uruguay. Erster Stopp: Montevideo!

Nach einer kurzen Fahrt haben wir den Süden von Uruguay und die Städte am großen Fluss, dem Río de la Plata, der das Land von Argentinien trennt, erreicht. Scherzhaft erzählt man uns bereits auf dem Weg, dass wir hier in Montevideo bestimmt mehr über Uruguay erfahren, denn 75% der Bevölkerung lebt hier in der Hauptstadt und in den Cities rund herum. Und das Hinterland bestehe eigentlich nur aus Weizenfelder, Pampa und vier Mal so vielen Kühen als Einwohnern. Das lässt natürlich schon vermuten, wie viele von den Kühen hier pro Kopf im Jahr verspeist werden.

In der Tat sehen wir auf der Fahrt nach Montevideo nur Wiesen und Kühe en masse. Schon Wahnsinn wenn man überlegt, dass in Uruguay nur 19 Personen pro km² leben und im Vergleich zu Deutschland die Bevölkerungsdichte bei 226 Einwohnern pro km² liegt. So hat man eine ungefähre Vorstellung wie weit das Land und wie groß die Felder und Farmen im Nordosten sind.

Aber jetzt in Montevideo sind wir im Zentrum des Geschehens und sind super gespannt, was die Stadt zu bieten hat. Dieses Mal entscheiden wir uns an einer Free Walking Tour teilzunehmen. Ein Guide führt die Gruppe zu den Highlights der Stadt und am Ende entscheidet man selber anhand der Höhe des Trinkgeldes, wieviel einem die Tour wert war. Eine super Entscheidung, denn die Guides sind daher richtig motiviert und animiert, einem eine tolle Führung mit viele interessanten Informationen zu geben. Wir starten am Plaza Independencia und es geht in die Altstadt, in die Ciudad Vieja und zum Schluss zum Mercado del Puerto.

Montevideo . Fußgängerzone

Auf dem Weg kommen wir vorbei an alten Kolonialhäusern, dem Präsidentenpalast, der Pracht von vergangenen Hotels aus den Zeiten des Rindfleischbooms in den 20gern und öffentlichen Plätzen, die noch zur Zeiten der Seefahrt als Aussichtspunkte angelegt wurden. Und unser Guide, Marianna, erzählt uns interessante Geschichten über das Leben in der Stadt. Von unbekannten Künstlern, die in Nachtaktionen die Stadt verschönern und alte, dreckige Bordsteinplatten gegen neue Fliesen mit bunten Mustern austauschen oder über den derzeitigen Präsidenten, José Mujica, auch einfach nur „Pepe“ genannt, der zum 01.März abtreten wird. Denn aufgrund von Pepe so erzählt uns Marianna, ist Urugay jetzt wohl mit das liberalste Land in Südamerika. Innerhalb von einem Jahr wurde die Legalisierung von Abtreibung, die Anerkennung von gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften, sowie der staatlich kontrollierte Verkauf von Marihuana eingeführt.

Montevideo - Palacio Salvo

Zuerst sei dies ein riesen Schock gewesen, aber mittlerweile sei man auch sehr stolz darauf, dass Uruguay im Vergleich zu allen anderen südamerikanischen Ländern mit diesen sozialen Reformen so fortschrittlich sei. Und das merkt man auch überall in der Stadt. Trotz der Nähe zu Buenos Aires auf der anderen Flussseite, so erzählen alle einem, sei Montevideo und Uruguay viel offener, freundlicher, der Maté Tee schmecke besser, das Steak wäre sowieso 3 Mal besser, und der Tango wäre auch hier erfunden.  Da wir noch nicht in Argentinien waren, glauben wir das einfach mal mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Und wir müssen zugeben, dass erste Steak, das wir in einer original Parilla in der Markthalle genießen, ist wirklich gut.

Am Abend geht es dann noch auf der Rambla, der Strasse entlang des Flussufers, wo halb Montevido sitzt, gemeinsam den Sonnenuntergang genießt, Maté trinkt, spaziert und her joggt, zum Stadion. Denn auch hier ist Karnevalswoche und man darf eine Show der Candombe- Gruppen nicht verpassen. Ein wirklich merkwürdiges Erlebnis im Vergleich zu Brasilien. Es ist eine Art Vorführung, in dem sich eine Gruppe bunt kostümierter Männer mit Gesang und Comedy über aktuelle Themen lustig macht. Die Sprüche waren teils so schnell in Spanisch, dass wir mit Ohrenschlackerm dem Ganzen nicht so wirklich folgen konnten, es war aber definitiv spannend anzusehen.

Colonia - Altstadt

Von dem wirklich sehr relaxtem Flair in Montevideo fahren wir am nächsten Tag weiter in die nahegelegene Hafenstadt Colonia del Sacramento. Einzig im 17. Jahrhundert von den Portugiesen gegründet um Waren nach Buenos Aires zu schmuggeln, begrüßt einem diese Stadt wieder mit kopfsteingepflasterten Strassen und alten Gebäuden aus der Vergangenheit.
Überall in der Altstadt findet man Oldtimer am Straßenrand für tolle Fotomotive und auch der alte Hafen ist noch zu besichtigen. Ein wenig spürt daher auch noch die Atmophäre, wie es hier wohl damals zugegangen ist. Auf dem Weg nach Argentinien auf jeden Fall ein toller letzter Stopp in Uruguay. Denn von hier aus kann man schließlich mit der Fähre über den Río de la Plata direkt nach Buenos Aires übersetzen.

Also unser Fazit zu Uruguay: Unser Abstecher durch dieses Land hat sich wirklich total gelohnt: die wilden Küsten, die endlosen Weidelanschaften, das offene und lebendige Montevideo, sowie die Schmugglerstadt Colonia waren tolle Orte, Bilder und Erlebnisse, die wir nicht missen möchten.

Neue Erkenntnisse:
Der Präsident von Uruguay, Pepe, spendet zwei Drittel seines Gehalts für wohltätige Zwecke, lebt auf einer kleinen Farm außerhalb Montevideos, trägt auch bei staatlichen Anlässen statt Anzug nur Pullover und Sandalen und öffnet den Präsidentenpalast im Winter als Übernachtungsmöglichkeit für Obdachlose. Achja und er fährt einen 40 Jahre alten blauen VW Beetle. Lustigerweise hat er sogar mal mit seinem Käfer einen Backpacker, der per Anhalter unterwegs war, mitgenommen. Wie lustig muss das sein, wenn man dann fragt: „Hey and what are you doing?“ „I am the president of Uruguay“ Oh ja, nice to meet you“!
Wir haben seit dem nur noch Ausschau nach einem alten blauen VW Käfer gehalten.

 

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