Hippies und Leuchttürme in Uruguay

Heute berichtet uns Kathrin über ihren ersten Tag am Strand von Uruguay, dem Geheimtipp in Südamerika:

Wer, wie oder was ist eigentlich Uruguay?
Es ist das kleine Land im Osten Südamerikas, das genau zwischen den im Vergleich überdimensional groß wirkenden Nachbarn Brasilien im Norden und Argentinien im Süden liegt. Die Hauptstadt ist Montevideo.
Aber was genau ist das Besondere und Typische an Uruguay? Wenn man an Brasilien denkt, hat man gleich Bilder von Rio, der Copacabana, Karneval und Caipirinhas im Kopf. Und in Argentinien schweben die Leute beim Tango über das Parkett, es gibt Steaks, den Papst und Diego Maradona. Aber für Uruguay fällt uns spontan gar nicht so richtig ein, was man mit dem Land verbindet.

Ich kann mich noch an einer Folge der Fernsehserie „Goodbye Deutschland“ erinnern, in der eine deutsche Familie nach Uruguay ausgewandert ist und abends an einem sehr langem Strand entlang spazierte. Im Interview berichtete der Vater, sie hätten sich für Uruguay entschieden, da hier die Wirtschaft einigermaßen stabil und das Leben sicherer sei als anderswo in Südamerika.

Sicherheit auf einer Reise ist immer gut, doch trotzdem haben wir bisher unterwegs noch niemanden getroffen, der aus Uruguay kommt und oder bereits dort gewesen ist, komisch. Irgendwie scheinen alle das kleine Land auf der Suche nach dem nächsten UNESCO Welterbe und City- Highlight links liegen zu lassen. Um so interessanter wird es jetzt für uns die Touristenautobahn einmal zu verlassen und entlang der Atlantik- Küste Uruguays weiterzureisen. Also Uruguay wir kommen!

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Von Brasilien aus fahren wie bei Chuí über die Grenze und unser erster Stopp heißt Cabo Polonio. Der kleine Fischer- und Badeort liegt auf einer Halbinsel im atlantischen Ozean. Und das Besondere an Cabo Polonio ist, dass man hierher nur mit einem riesen Allrad-Truck kommt. Umgeben von teils fast 50 Meter hohen Wanderdünen, gibt es keine Chance das kleine Hippiedorf auf einem anderen Weg zu erreichen. Man kann noch zu Fuß durch den Sand ca. 1 Stunde wandern, aber das überlassen wir mal den super Motivierten, die sich die paar Pesos und die 30 minütige Truckfahrt sparen möchten.

In Cabo Polonio angekommen, merken wir schnell, wir haben die Zivilisation verlassen. Es gibt nur noch Sandwege, kleine Bretterhütten und auch keine öffentliche Strom- und Wasserversorgung. Der Ort ist komplett auf sich selbst gestellt und so sieht man bei jedem Häuschen Wasserzisternen und hört zwischendurch immer wieder einen Generator brummen. Mit nur ca. 120 Einwohnern ist alles sehr überschaubar. Es gibt einen kleinen Markt mit Handarbeiten, die meist von den hier lebenden Hippies verkauft werden. Diese Aussteiger haben sich von allen Wohlstandsidealen und der Konsumgesellschaft verabschiedet und bevorzugen hier in der Abgeschiedenheit eine freiere und ursprünglichere Lebensweise. Dahinter findet man noch ein paar Schritte weiter 4-5 individuelle Cafés, Restaurants und Unterkünfte.

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Und so ist auch unser Hostel direkt am Strand schnell in Sicht. Ein bisschen kommen wir uns vor wie auf Gullivers Reisen bei seiner Ankunft in Liliput. Denn alles ist in Miniformat. Kleine Häuser, kleine Zimmer, kleine Läden, kleine Wege….aber dafür ein endlos langer und breiter Strand, an dem man stundenlang am Meer spazieren kann. Nur zum Kap hin führt ein steiniger Pfad hoch zum Leuchtturm. Dieser wurde im 19. Jahrhundert erbaut und galt in der Seefahrt als wichtige Orientierungshilfe. Noch heute ist er im Betrieb ist und durchleuchtet alle 12 Sekunden die Nacht. Genau hier findet man auch auf den vorgelagerten Felsen und den Inseln im Meer große Seehundkolonien. Die Tiere liegen faul in der Sonne und lassen es sich hier gut gehen. Mit viel Glück kann man sogar Wale und Delfine sehen. Aber hierzu haben meine Kontaktlinsen irgendwie nicht ausgereicht.

Sobald die Sonne untergangen ist und zum Einbruch der Dunkelheit wird es dann abenteuerlich, denn ohne Strom werden im ganzen Dorf, Kerzen, Fackeln und Holzscheite angezündet. Eine wirklich einmalige Atmosphäre bei fackelndem Lichtschein hinter den Dünen weit entfernt von einer großen Stadt zu sein. Für alle die wirklich dem hektischem und neumodernem Leben einmal entfliehen und ‚back to the roots‘ reisen möchten, dafür ist Cabo Polonio der perfekte Ort den Alltagsstress komplett hinter sich zu lassen!

Wir haben jedoch noch Einiges auf unserem Reiseplan im Programm, so bleiben wir nur eine Nacht und fahren am nächsten Tag weiter nach La Paloma.

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Weiter südlich gelegen ist La Paloma das Surferparadies in Uruguay, wenn links keine Welle rollt, dann kommt sie auf der anderen Strandseite des Kaps Santa María. Und zurück in der Zivilisation findet man hier wieder alle Annehmlichkeiten, die ein Badeort so mit sich bringt. Wir haben uns gleich Fahrräder ausgeliehen und den Ort erkundet. Und natürlich ist auch hier am Kap der Leuchtturm, der schönste Ort um die Aussicht an der Küste zu genießen. Aber zugebenermaßen ist auch hier mit 3.400 Einwohner in der Nebensaison nicht soviel los und jeder scheint einfach nur die Ruhe zu genießen.

So kommen wir zur Erkenntnis, was wir bisher entdeckt haben, ist zwar wunderschön: Kleine Fischerdörfer, wilde Strände, Dünen, das Meer, Kaps, Hippies und an jeder Ecke Leuchttürme. Aber so richtig eingetaucht sind wir noch nicht. Das Land und die Strände sind einfach zu weit und die Dörfer zu klein, um wirklich etwas mehr über das Leben in Uruguay zu erfahren.

Daher heißt es weiter nach Montevideo, hier scheinen sich alle Aktivitäten abzuspielen, denn alle Wege führen in die Hauptstadt und unser nächster Bus ebenfalls. Auf in die alte Hafenstadt am Río de la Plata!

 

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