Patagonien – Into the Wild

Vom Sommer in den Winter – Kathrins Reise führt sie nun in kältere Gefilde nach Patagonien:

Wir sind angekommen, am südlichsten Zipfel der Welt, dem „Fin del mundo“, in Ushuaia, dem Tor zur Antarktis. Jetzt heißt es die Sommersachen tief in den Rucksack verstauen und die Thermowäsche angezogen. Denn schon beim ersten Schritt raus aus dem kleinen Flughafen, weht uns eine kühle Brise um die Ohren.

Ja und wir müssen gestehen, Ihr habt richtig gelesen, wir haben ein bisschen geschummelt. Eigentlich war der Plan mit dem Bus durch das Land von Buenos Aires nach Ushuaia zu reisen. Aber die lange Fahrzeit von mehreren Tagen, der hohe Preis des Bustickets und die Tatsache, dass uns alle Argentinier erzählt haben, auf der Strecke gäbe es eh nur Kühe zu sehen, waren dann für uns doch gute Gründe, mit dem Flieger gen Süden zu starten.

Gerade noch in der Großstadt, befinden wir uns jetzt inmitten von Gletschern, blauen Bergseen, reißenden Flüssen, üppigen Wäldern und wilden Parklandschaften. Nachdem wir uns erst einmal an das neue Klima und unsere dicken Wintersachen gewohnt haben – es fehlt irgendwie nur noch der Glühwein, ich denke, der wäre hier in Ushuaia ein richtiger Verkaufsschlager – machen wir uns auch schon auf zur ersten Tour. An jedem Reise- Office lockt ein Lastminute Angebot für eine Fahrt in die Antarktis und auch die Schiffe im Hafen liegen schon bereit. Doch schweren Herzens sparen wir uns diesen Trip dann doch als Highlight für irgendwann später auf. Denn nicht gerade günstig würde diese Fahrt jetzt unser Reisebudget sprengen, aber aufgeschoben heißt ja nicht aufgehoben.

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Natur hat das Sagen

Anstatt zur Antarktis, machen wir dann eine Tour durch den Beagle Channel. Auf einem Segelschiff geht es vorbei an kleinen Felsinseln mit Leuchttürmen, Seehunden und Kormoranen. Auf einer der Inseln machen wir auch Halt und bekomme jede Menge Informationen über die einzigartige Flora und Fauna und am Horizont sieht man stets die schneebedeckten Gipfel der Anden. Auf dem Rückweg pfeift der Wind aus allen Rohren, die Wellen schwappen über die Reling, so dass man sich wirklich gut festhalten muss. Hier merkt man schnell, wer das Sagen hat. Die Natur hat Patagonien fest im Griff und das in einem Tempo, bei dem einem schwindelig wird.

Innerhalb weniger Minuten schlägt das Wetter um von Sonnenschein nach Regen, zwischendurch noch ein paar Schnee- oder Hagelflocken und dann hinter einer dicken Wolkenschicht kehrt plötzlich die Sonne wieder zurück. Also wenn man hier morgens aufsteht und es sieht draußen super ungemütlich aus und man würde am liebsten im Bett oder mit einer heißen Schokolade drinnen bleiben, schnell die Hikingschuhe an und in den Tag starten. Denn schon nach kurzer Zeit oder einfach ein paar Meter weiter kann es komplett anders ausschauen und man würde die schönste Aussicht mit Sonnenstrahlen und Regenbogen runter ins Tal verpassen.

Eine wahre Herausforderung an die Wind- und Wettertextil- Industrie. Nach zwei Tagen laufen auch wir plötzlich in zwei schwarzen wasserfesten Regenhosen mit weißem Markenemblem herum.  Wasserfeste Kleidung, so merken wir schnell, ist für Patagonien wirklich unerlässlich.

Auf dem Gipfel

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So gut ausgerüstet geht es auf Entdeckungstour durch das Feuerland und in den Parque National Tierra del Fuego. Auf verschiedenen Hikingtrails kann man die Weiten des Nationalparks erkunden. Türkis schimmernde Bergseen, Wälder mit den typisch im Wind stehenden Bäumen und der Gipfel des Cerro Guanaco lockt zu ersten Bergbesteigung. Nur ungünstig, dass wir uns erst solange im Süden des Parks aufgehalten haben und es jetzt am Fuße des Berges bereits 15.00 Uhr ist und das Schild rät nach 12.30 Uhr nicht mehr mit dem Aufstieg zu starten. Na wir sind ja fit und ein bisschen Abenteuer muss sein, also geht es im Marschschritt immer weiter hoch. Vom Wald durch Moorlandschaften und Weiden bis in Höhen, wo nichts mehr wächst und der erste Schnee uns willkommen heißt. Immer wieder reißen die Wolken auf und man erhascht wahnsinnig tolle Ausblicke ins Tal. Man kommt sich ganz klein vor. Und nach gefühlten zehn Stunden haben wir es doch noch geschafft und den Gipfel erreicht. Yeah, der erste Berg ist bezwungen. Nicht zu erwähnen ist, dass wir natürlich viel zu spät wieder unten im Tal waren und alle Transfers zurück nach Ushuaia bereits abgefahren sind. Zum Glück hat uns dann noch ein netter Ranger auf dem Weg nach Hause am Straßenrand aufgegabelt und mitgenommen, sonst wären wir wohl heute noch verschollen im Feuerland unterwegs.

Motiviert durch unsere erste Hikingtour geht es dann auch noch auf den hauseigenen Gletscher direkt hinter Ushuaia gelegen, dem Martial Glaciar hoch. In ca. 2 Stunden erreicht man eine Höhe von der man einen super Ausblick auf die Hafenstadt und dem Beagle Channel hat. Jetzt sind wir wirklich im Bergsteiger-Fieber. Und Patagonien, welches das südlichste Archipel in Südamerika ist, hat noch soviel mehr zu bieten. Eingerahmt vom Südatlantik und der Magellanstraße teilen sich Argentinien und Chile diese wahnsinnig urige und wilde Naturlandschaft. Wir haben in den nächsten Wochen bestimmt 6 Mal die Grenze zwischen den beiden Ländern immer wieder gewechselt. Aber damit hier keiner durcheinanderkommt, bleiben wir erst in Argentinien und kommen dann der einfachheitshalber nach Chile.

Der größte Gletscher der südamerikanischen Anden

In Argentinien erwartete uns nach Ushuaia noch ein weiteres Highlight in El Calafate. Der Parque Nacional Los Glaciares, einem UNESCO Weltnaturerbe, mit dem größten Gletscher der südamerikansichen Anden, dem Perito Moreno Gletscher.
Über zahlreiche Aussichtsplattformen und mit einem Boot kann man diesem Gletscher ganz nahe kommen. Doch selbtst wenn man direkt davor steht, sind die Ausmaße nicht greifbar. Mit einer Höhe von teils bis zu 77 Metern, einer Länge von 35 Kilometern und einer Breite von 5 Kilometern, ist der Perito Moreno Gletscher eine riesen Eismasse, die sich zwischen den Bergen und dem Lago Argentino einschmiegt. Die durch das einstrahlende Sonnenlicht blauschimmernden Eisspitzen sind mehr als zweimal so groß wie das Brandenburger Tor. Und durch die ständige Bewegung des Eis hört man es immer wieder im Inneren dröhnen, knachen und krachen. Bis eine der Spitzen, so groß wie ein Kleinstransporter, den gewaltigem Druck nicht mehr standhalten kann und in einem riesen Spektakel abbricht und ins Wasser stürzt. Eisblocken fliegen durch die Luft und eine Flutwelle strömt rauschend ans Ufer.

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Bei der Buchung der Tour, als die Dame am Schalter uns sagte, der Rücktransfer sei dann erst abends um 18:00 Uhr, habe ich mich noch gewundert, was man denn so lange einen halben Tag lang beim Gletscher macht, aber die Zeit verging wie im Fluge. Man wird von dem Anblick des Eises und der Naturgewalten echt gefesselt. Gerade nachmittags, wenn sich das Eis im Laufe des Tages aufgewärmt hat, ist der Gletscher besonders aktiv und so beobachtet man die Spitzen und wartet gespannt bei jedem Krachen im Inneren der Eismassen, welche wohl als nächstes abbricht. Ein unglaubliches Naturphänomen, vor allem wenn man weiß, dass es nicht mehr viele Gletscher auf dieser Welt gibt, die noch so stabil sind und sogar noch wachsen. Für alle Naturfans ist der Perito Moreno Gletscher daher echt ein Muss. Also schnell hin, bevor der Klimawandel auch hier zuschlägt.

Und wir machen uns auf zu unserer nächsten Herausforderung. Es geht zum ersten Mal nach Chile und da erfahren wir wirklich, was es heißt in Patagonien zu überleben…

Eure Kathrin!

Falls Ihr nun auch Lust bekommen habt, das ewige Eis zu sehen – wir bringen Euch hin!

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