ANZAC Day – Ein australischer Gedenktag

Am 25. April versammeln sich die Bewohner Australiens pünktlich zum Sonnenaufgang, um den gefallenen Soldaten in der Schlacht von Gallipoli zu gedenken. Unsere Australien-Reporterin Petra hat den so genannten ANZAC Day in Bowral, einem kleinen Ort in den Southern Highlands, erlebt. Was da genau passiert, gibt es hier zu lesen…

Es ist 3:50 Uhr in der früh, nicht die Zeit zu der ich für gewöhnlich aufstehe. Es ist aber auch kein gewöhnlicher Tag in Australien. Es ist der 25. April und es ist ANZAC Day. Jährlich wird an diesem Gedenktag an die Schlacht von Gallipoli (1915-1916) gedacht, in welcher fast 9.000 Soldaten des Australian and New Zealand Army Corps (kurz ANZAC) ihr Leben ließen. Pünktlich zum Sonnenaufgang, also gegen 5:45 werden in Städten, kleinen und großen, Zeremonien gehalten, an denen eine Vielzahl von Menschen teilnimmt. Einige verbinden mit der besagten Schlacht etwas persönliches: Sei es der Großvater, der es zurück nach Hause geschafft hat oder der Vater, der nie wieder kam. Es finden sich auch viele Soldaten aus der heutigen Zeit vor Ort aber auch Patrioten und andere Australier, die einfach zu Ehren der Gefallenen präsent sein möchten.

Zeremonie bei Sonnenaufgang

Anzac Day 3_

Unter ihnen ich, eine Reisejournalistin aus Deutschland, die zugegebenermaßen zuvor noch nie von diesem Gedenktag gehört hat.
Und so nehme ich an der Zeremonie in dem Örtchen Bowral in den Southern Highlands, einer Region zwischen Sydney und Canberra teil.
Als ich das Denkmal, wo die Veranstaltung stattfindet, um 5:00 Uhr erreiche, traue ich meinen Augen kaum: Es sind schon an die 100 Teilnehmer versammelt, all diejenigen, die sich einen guten Platz sichern wollen (wenn möglich in der Nähe des Heizstrahlers, da es leider nur 7° Grad sind).
Auf einem Parkplatz werden gegen eine kleine Spende Kaffee und Tee ausgeschenkt. Passend zum Anlass gibt es dazu ANZAC Biscuits. Angeblich sollen die Frauen der Soldaten diese Plätzchen an die Front versendet haben, da diese wegen ihrer Zutaten eine lange Haltbarkeit haben. Wahrscheinlicher ist jedoch die Theorie, dass die Kekse auf Paraden und anderen Events verkauft wurden, um Spendengelder für die Army zu sammeln. Die süßen Leckerbissen wurden damals Soldier’s Biscuits genannt. Ein authentisches Rezept erwartet euch am Ende des Artikels.

 

Nachdem ich mir einen – na gut, drei Kaffee gegönnt habe – um zum einen wach und zum anderen warm zu werden, ergattere ich einen super Platz in der zweiten Reihe und warte auf den Sonnenaufgang. Aus der Ferne höre ich wie Trommeln und Trompeten auf mich zukommen. Wenige Minuten später erreicht der Marsch sein Ziel – das Kriegsdenkmal in Bowral und die Zeremonie beginnt. Einige Leute halten während der Zeremonie eine Rede, vor allem ehemalige Militärs. Dabei wird besonders betont, dass diese Veranstaltung nicht kriegsverherrlichend sein soll, sonder nur an die vielen Opfer erinnern soll, was mir in Anbetracht der heutigen Zeit positiv auffällt. Die australische Flagge steht auf Halbmast, wird runtergelassen und dann voll gesetzt. Es gibt eine Trauerminute und daraufhin ertönt aus einer Trompete The Last Post, das bekannte militärisches Hornsignal, welches mich dann doch etwas sentimental macht und dazu führt, dass ich ein halbes Trähnchen verdrücke. Zum Ende der Zeremonie werden noch Kränze an die Gedenkstädte gelegt. Darunter finden sich auch einige Gestecke mit roten Mohnblumen, die ein Symbol an die Erinnerung von Kriegen sein soll.

In den Pubs wird gefeiert

Nach der Zeremonie, die ja doch nicht unbedingt zu einem schönen Anlass stattfindet, kommt die ausgelassene australische Mentalität wieder zum Vorschein: Mit der Familie oder den Kollegen geht man zum örtlichen Pub und spielt traditionell das Wett-Spiel Two-Up (im Übrigen darf nur am ANZAC Day in australischen Pubs gewettet werden.) Wer Lust hat selbst einmal zu spielen, kann sich hier die Spielregeln anschauen.

Nachdem ich aber nur zwei Stunden geschlafen hab und jeder Pub, das ich finden kann bis zum Bersten voll ist, beschließe ich nach der Zeremonie nach Hause zu meinem warmen Bett zu fahren.

Wer am 25. April in Australien ist, sollte definitiv eine ANZAC Day Veranstaltung besuchen. Für Langschläfer gibt es auch Zeremonien am Vormittag, traditionell findet diese jedoch, wie schon gesagt zum Sonnenaufgang statt. Für Australien ist dies einer der größten Feiertage und auch wenn wir in Deutschland nicht unbedingt etwas Vergleichbares in diesem Maße haben, sollte man sich auf die Erfahrung einlassen. Ich habe auf jeden Fall das eine oder andere interessante Gespräch geführt und leckere Biscuits gegessen.

Anzac Day 1_

Und wer selber mal an der leckeren ANZAC Biscuits naschen möchte, bekommt hier das Rezept zum Nachbacken:

180g kernige Haferflocken
150g Mehl
150g feiner Zucker
60g geraspelte Kokosflocken
115g Zuckerrübensirup
150g Butter
1 Teelöffel Backnatron
2 Esslöffel heißes Wasser

Die Mischung ergibt ca. 35 Stück.

Ofen auf 160 Grad vorheizen. Haferflocken, Mehl, Zucker und Kokos in einer Schüssel vermengen. Die Butter und den Sirup in einem kleinen Topf erhitzen und rühren, bis alles geschmolzen ist. Daraufhin Backnatron mit Wasser mischen und zu dem geschmolzenen Butter-Sirup hinzufügen. Diese Mischung daraufhin mit Haferflocken & Co. verrühren.
Auf einem Backblech Backpapier ausbreiten und esslöffelgroße Kleckse der Mischung platzieren. Achtung: Die Kekse werden sich ausbreiten, also genug Platz zwischen den einzelnen Klecksen lassen.
Das Ganze dann für ca. 8-10 Minuten im Backofen backen, bis die Leckerbissen goldbraun sind. Mehr Infos hier.

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