Unsere Australien-Reporterin Petra ist in Tasmanien unterwegs und hat sich neben den sagenhaften Landschaften auch die Kunstszene angeschaut – Lest selbst…

In der Kunst ist bekanntlich alles erlaubt. Getreu nach diesem Motto stellt das MONA (kurz für „Museum of Old and New Art“) im tasmanischen Hobart alles mögliche aus, was mit dem Wort Kunst assoziiert werden kann – auch wenn einem der Sinn dahinter oft nicht klar ist. Neben interpretationsbedürftigen Kunstwerken, ist das Gebäude des Museums schon ein Kunstwerk für sich: Es ist zum größten Teil unterirdisch in die Klippen der Halbinsel Berriedale eingebaut und führt dem Besucher auf drei Ebenen durch ein „subversives Disneyland für Erwachsene“, wie einst David Walsh, Inhaber des MONA sein privates Museum bezeichnete. Walsh ist in Australien eine viel diskutierte Persönlichkeit: Er ist Kunstsammler und Glücksspieler, der durch die Entwicklung eines Systems seine Millionen mit Pferderennen und anderem Sport gemacht hat.

Nun aber wieder zum MONA: Auf der dritten unterirdischen Ebene beginnt die Ausstellung. Gleich zu Beginn werden iPods gereicht, die einen durch die Ausstellung begleiten und interessante Zusatzinformationen zu den Künstlern und den Werken liefern. Und so führt mich mein digitaler Führer zum ersten Exponat: eine Verdauungsmaschine von dem belgischen Künstler Wim Delvoye namens „Cloaca Professional“. Nachdem ich ca. fünf Minuten vor der Maschine stehe, auf und ab laufe und mich über den Gestank in dem Raum wundere, hilft mit mein digitaler Freund und verrät mir, dass diese Verdauungsmaschine genau dem menschlichen Verdauungsorgan nachempfunden wurde. Diese Maschine funktioniert so wie wir: Die Maschine läuft auf Körpertemperatur und wird täglich um 14 Uhr gefüttert. Das Essen läuft dann durch unterschiedliche Organe, die mechanisch unseren Darmtrakt ersetzen. Enzyme und andere Chemikalien beschleunigen den Prozess bis letztendlich Kot produziert wird. Laut dem Filmmacher Ben Lewis will der Künstler damit das Problem der modernen Kunst ansprechen: Dass sie, wie soll man sagen, scheiße ist, im wahrsten Sinne des Wortes.

MONA

 

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Es geht weiter zu einem anderen menschlichen Körperteil, um genau zu sein zu einem weiblichen. Mit dem bezaubernden Titel „Cunts… and other conversations“ zeigt der australische Künstler Greg Taylor der von Freunden bei dem Projekt unterstützt wurde 77  aus Porzellan gefertigte feminine Geschlechtsteile in Originalgröße. Leider kann mir hier mein iPod mit der Sinnfindung nicht helfen – und die grübelnden Blicke der anderen Besucher, vor allem die beschämten Blicke der männlichen Betrachter, verraten mir, dass ich nicht alleine mit meinem Unwissen bin.

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Als nächstes erwartet mich das „Fat Car“, ein Porsche Carrera, das Symbol für Stil, Macht, Design und Schnelligkeit wird von dem österreichischen Künstler Erwin Wurm dazu genommen, um den Konsumdrang des 21ten Jahrhunderts zu beschreiben.

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Die Ausstellung geht weiter und führt an diversen Videoinstallationen und anderen Exponaten vorbei, bis ich letztendlich bei „Bit.Fall“ von dem deutschen Künstler Julius Popp lande. Millionen von Wassertropfen bilden Wörter, die nur für Sekunden zu sehen sind. Welche Wörter das Wasser zeigt wird durch einen Algorithmus bestimmt, der aus dem Internet extrahiert und darstellt, was im digitalen Universum um uns herum los ist. Hier kann ich mich kaum vom Fleck bewegen. Das erste Exponat, was mich wirklich packt und wo ich selbst ohne meinen digitalen Führer einen Sinn erkenne.

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Auch wenn im MONA einiges an Kunst zu finden ist, die vielleicht nicht jeden anspricht, ist das Museum auf jeden Fall einen Besuch wert. Die Katakomben, durch die man geleitet wird und die vielen Eindrücke, welche die Werke vermitteln, lassen einen nicht so schnell wieder los.

Für mich persönlich, die gerne und viel in Museen geht und sehr an Kunst interessiert ist, war der Besuch spannend und interessant. Ich muss jedoch gestehen, dass ich wesentlich bessere Ausstellungen gesehen habe. Aber man sollte auch nicht vergessen, dass wir hier nicht in Paris, London oder New York, sondern in Hobart, Tasmanien sind. Eine kleine Insel, die eher fürs Wandern bekannt ist und nicht für eine vibrierende Kunstszene.

Neben den Ausstellungen bietet das MONA einige weitere Highlights: Es gibt eine museumseigene Fähre, welche die Gäste wieder in die Stadt befördert. Gleiches gilt für einen Bus. Zudem kann man auch in diesem Wahnsinns Ambiente nächtigen – und das auch mit uns.

Vom 13. Juni bis zum 5. Oktober widmet das MONA eine Ausstellung ganz der bekannten Performancekünstlerin Marina Abramović. Tickets und alle Infos zum Museum gibt es hier.

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