Rosa Flamingos in der Salzwüste

In dieser Woche berichtet Kathrin von ihrem absoluten Highlight ihrer Tour: den größten Salzsee der Welt, den Salar de Uyuni: 

Die nächsten 3 Tage geht es auf eine Tour, die schon jetzt zu unseren absoluten Highlights auf unserer Reise durch Südamerika zählt. Wir fahren von San Pedro de Atacama über die Grenze in den südwestlichsten Zipfel Boliviens, in die Salar de Uyuni.

Eine über 7150 km² große Region mit blendend weißen Salzebenen, roten und türkisfarbenen Seen, kochenden Geysiren, Steinwüsten, roten Felsenlandschaften und grün moosigen Feuchtgebieten, die wohl mit zu der rausten Wildnis unseres Planeten zählt.

Der Höhepunkt der Tour ist in jedem Fall die „Salar“. Der größte Salzsee der Welt erstreckt sich über ca. 12.106 km² auf einer Höhe von 3.653 Meter. Das ist in etwa eine Fläche drei Mal so groß wie  Mallorca. Soweit das Auge reicht sieht man ein trockenes blendend weißes Meer. Steht die Sonne im Zenit, spiegelt sich der tiefblaue Himmel und die Wolken exakt auf der Oberfläche wider und der Horizont scheint zu verschwinden.

Doch die große Frage ist erst einmal wie kommen wir da hin. Für genauso viele Veranstalter gibt es auch genauso viele Geschichten über betrunkene Fahrer, kaputte Jeeps, schlechtes Essen und Touren, die zuviele Personen mitnehmen und man sich dann zu viert auf die Rückbank quetschen kann. So checken wir ein paar der scheinbar etwas besseren Anbieter und gehen dann einfach nach unserem Bauchgefühl. Wird schon schief gehen. Zur Not fahren wir halt einfach selber den Jeep, wenn der Fahrer volltrunken in der Ecke liegt, soll ja auch schon vorgekommen sein.

Der Start der Tour.

Los geht die Fahrt!

Früh morgens starten wir mit der Fahrt zur nahe gelegenen Grenzstation und nachdem wir ohne Probleme unseren bolivianischen Stempel im Pass abgeholt haben, begrüßt uns auch schon unser Fahrer Simeon. Unsere Rucksäcke werden verstaut und schon kann es los gehen. Jeder kann sich noch ein paar Cocablätter nehmen und wie Simeon so schön sagt „hacer un bola“, was übersetzt so viel heißt eine Kugel formen. Das Kauen von Coca Blättern ist in den Anden weit verbreitet und sie werden für alle möglichen Zwecke, medizinisch, spirituell und vieles mehr verwendet.

Für die Inkas war die Coca Pflanze sogar heilig. Aber vor allem helfen die Inhaltsstoffe gegen Hunger, Müdigkeit, Kälte und sind außerdem sehr wirksam gegen die Höhenkrankheit. Wenn jetzt alle denken, Coca Blätter – sind das etwa Drogen?  Nein, nur wenn man es tatsächlich schafft drei riesen Säcke davon durchzukauen und das würde nicht mal eine Kuh hinbekommen. Also nehmen wir uns mal eine kleine Handvoll. Und unter uns, es schmeckt nicht wirklich gut, sehr bitter, aber es hilft tatsächlich gut in dieser Höhe gegen Kopf- und Magenschmerzen.

So fahren wir alle Coca- Blätter- kauend los zu unseren ersten Zielen, die Laguna Blanca und Laguna Verde. Zwei Seen auf ca. 5000 Meter Höhe, deren Wasser durch die verschiedenen Mineralien und durch die Sonneneinstrahlung einmal in weiß und das andere Mal in einem intensiven türkis blau erscheinen. Mit der steinigen Umgebung und den schneebedeckten Berg- und Vulkangipfeln, die sich in dem Wasser wiederspiegeln, ein toller Stopp für Fotos und um sich ein wenig zu Fuß an die Höhenluft zu gewöhnen. Zur Mittagspause hat man noch die Möglichkeit sich in einer Quelle mit heißem Thermalwasser, den Termas de Polque, wieder aufzuwärmen.

Vorbei an brodelnden Schlamm- und dampfenden Schwefellöchern fahren wir weiter zum Highlight des Tages. Ein perfektes Farbenspiel erwartete uns an der Laguna Colorada. Wir haben noch nie einen roten See gesehen –  hier leuchtet die Lagune tatsächlich in einem schimmernden kaminrot. Ein absolut unwirkliches Bild, denn noch hinzu kommt eine riesen rosa Flamingoherde, die sich hier niedergelassen hat, die Berge im Hintergrund und ein farn und moosartig grünes Ufer. Und das Ganze irgendwo im Nirgendwo. Allein für diesen Anblick hätte sich die Tour schon gelohnt.

Selfie mit einem Lama

Aber es geht natürlich noch weiter. Wir übernachten in einem kleinem Dorf bei einer bolivianischen Familie und der nächste Tag startet mit einer Kletterpartie entlang eines roten Canyons. Aber aufgepasst, „Lamas crossing“! Denn gerade als wir los laufen, kommt uns eine Lama Herde entgegen. Dann lassen wir ihnen mal die Vorfahrt. Hoch auf dem Felsen zeigt uns Simeon alte Inkaruinen und einen tollen Aussichtspunkt mit einem endlosen Blick über das Altiplano. Gegen Mittag machen wir dann noch einen Stopp bei der Laguna Misteriosa. Hierher kommen so gut wie keine Touristen, da viele eine andere Route wählen. So haben wir die Schlucht mit unzähligen Lamas und Vögeln ganz für uns alleine. Die Lamas kommen sehr nah an die Menschen heran, keine Spur von Schüchternheit. Marcell mochten sie ganz besonders, er wurde nachher nur noch von allen der Lama- Flüsterer genannt.

Übernachten in einem Salzhotel

Gegen Abend erreichen wir dann jetzt mit einem sehr stark klappernden Jeep unsere zweite Unterkunft, ein Salzhotel. Während wir uns schnell duschen, repariert Simeon das Auto. Auf die Frage, wie es denn jetzt weiter geht, erklärt er ganz simpel, er habe einfach die kaputte Bremse ausgebaut, jetzt gibt es halt nur noch drei. Aha, ja gut, dass morgen nur noch die flache Salzebene auf dem Programm steht. Da wird man wohl nicht so viel bremsen müssen. Dann gehen wir jetzt alle beruhigt essen. Das Salzhotel war übrigens ganz lustig, alle Wände und teils auch die Möbel sowie der Boden waren komplett aus Salz. Das Frühstücksei konnte man quasi mit einer Prise vom Hocker oder Wand würzen.

Den dritten Tag verbringen wir komplett in der Salar de Uyuni. Bereits zum Sonnenaufgang fahren wir mit dem Jeep raus in die Wüste und man sieht wirklich weit und breit nichts außer die trockenen aufgesprungenen Salzplatten und den Himmel – ein unglaubliches Gefühl! Als wäre man man mitten im Meer, nur das hier nur noch das Salz übrig geblieben ist. Was ja auch irgendwie stimmt, denn vor Ewigkeiten gabs ja hier noch einen See, dessen Wasser verdunstet ist.

Hier kommt man sich wirklich vor wie ein winzig kleiner Punkt auf der Landkarte. Würde man hier ausgesetzt werden, würde man wahrscheinlich verdursten. Daher bleiben wir mal ganz dicht zusammen und genießen die einmalige Atmosphäre. Mit den ersten Sonnenstrahlen fahren wir dann zum Frühstück zur Isla Incahuasi, einem Naturreservat im Herzen der Salzwüste. Eine Insel, die komplett mit Kakteen bedeckt ist, für ein kleines Eintrittsgeld kann man hier ein paar Stufen hoch zu einem Aussichtspunkt und den Blick in die Ferne schweifen lassen.

Im Laufe des Tages legen wir noch ein paar weitere Fotostopps in der Salar ein, denn allein mit der Salzebene und dem Himmel verschwinden die Perspektiven und Größenverhältnisse, so dass man hier unzählige lustige Fotomotive erstellen kann. Wir waren irgendwie aber nicht ganz so kreativ, wir schieben es mal auf das frühe Aufstehen, so dass wir uns nach mehreren Versuchen schlicht für ein Gruppenbild entschieden haben.

Gegen Nachmittag verlassen wir schließlich die Ebene und bevor wir in Uyuni unser endgültiges Ziel erreicht haben, machen wir noch zwei kleine Stopps an einem Markt und einem Zugfriedhof – eine Ansammlung alter Dampflokomotiven und Bahnwaggons, die hier einfach nur noch vor sich hinrosten. Nichts spannendes, aber wenn es auf dem Weg liegt, kann man es sich ja mal kurz anschauen.

Der Friedhof der Züge.

In Uyuni angekommen, haben wir drei Tage mit so vielen neuen Bildern und Eindrücken hinter uns, dass wir erst mal realisieren müssen, wo wir jetzt eigentlich sind. Schon auf dem Weg hierher sind wir durch ein paar sehr verlassene kleine Dörfer gekommen und man konnte erahnen, dass uns in Bolivien vieles Neues und Unbekanntes erwartet. Die Menschen kleiden sich anders, alles ist irgendwie chaotischer, unaufgeräumter und das ganze Leben scheint sich viel mehr auf der Straße abzuspielen.

Aber hierzu mehr in meinem nächsten Bericht, wenn wir richtig Zeit haben Bolivien in Sucre und La Paz näher kennen zu lernen. Jetzt müssen wir erst einmal die Fotos und Erinnerungen fest in unser Gedächtnis speichern, denn so eine Landschaft und Natur werden wir so schnell nicht wieder sehen.
Daher unser Fazit: Eine Tour zur/ durch die Salar de Uyuni, am besten mit einem super liebenswürdigen bolivianischen Fahrer namens Simeon, einer tollen Gruppe und diesen unglaublich einzigartigen Naturschauplätzen ist wirklich ein Must Do!

Eure Kathrin!

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