Port Arthur – Die australische Sträflingsvergangenheit auf Tasmanien

Einen Tag in einer Haftanstalt: Unsere Australien-Reporterin Petra hat es nach Port Arthur in Tasmanien verschlagen, einer ehemaligen Gefängnissiedlung, in welcher Sträflinge und Bauern zusammen lebten.

Wer heutzutage nach Australien auswandert, hat meist allen Grund zur Freude: Das Land am anderen Ende, welches fast 15.000 Kilometer von Deutschland entfernt ist, steht seit Jahrzehnten ganz weit oben auf der Liste der beliebtesten Auswandererziele, was vor allem an der hohen Lebensqualität und natürlich dem größtenteils wunderbaren Wetter und der fassettenreichen Landschaft liegt.

Zelle für Gefangene in Isolationshaft in Port Arthur.

Im 18ten Jahrhundert sah die Sache jedoch anders aus, denn Australien fungierte den englischen Kolonien als Auffanglager für Sträflinge. Wurde man also 1800 nach Australien verschifft, freute man sich nicht auf das Entspannen am Strand, im Gegenteil: Es standen harte Arbeit und ein Leben hinter Mauern bevor.
Eine der bekanntesten und historisch einflussreichsten Gefängnisse Australiens ist die Siedlung Port Arthur in Tasmanien, nur ca. 90km von Hobart entfernt. Port Arthur diente jedoch nicht nur als Gefängnis: Es war eine Gemeinschaft, bestehend aus Farmern, Militär aber eben auch Häftlingen, die zusammen auf dem Gelände lebten und arbeiteten. Die Haftanstalt wurde 1830 für den Holzabbau errichtet, wo Sträflinge für diese Arbeit eingesetzt wurden. Ab 1833 wurden nach Port Arthur dann Wiederholungstäter zu den englischen Kolonien geschifft. So dauerte die Überfahrt von England bis zu sechs Monate. Viele Täter überlebten die Überfahrt nicht, da es auf den Schiffen häufig zu ansteckenden Krankheiten kam. Diejenigen, die in Tasmanien ankamen, konnte die Fahrtzeit von mehreren Monaten von der Zeit abziehen, für die sie verurteilt wurden. Und so wurden aus 10 Jahren Haftstrafe nur 9,5 Jahre.

Ausblick auf das Hauptgefängnis in Port Arthur.

Strenges Regiment

In Port Arthur herrschte ein strenges Regiment. Man setzte auf Disziplin und harte Bestrafung, wie die durch die Peitsche. Religion, moralische Erziehung, Bildung und das Erlernen eines Handwerks standen ebenfalls auf der Tagesordnung. Viele der Männer, die nach Port Arthur kamen, waren gebrochene Gestalten, verließen die Anstalt jedoch zum Teil rehabilitiert und fachkundig. So gehörten zu den Handwerken, die man hier erlernen konnte, zum Beispiel die Schusterei oder der Schiffsbau.

Raum für den Gottesdienst in dem separaten Gefängnis (Häftlinge stehen in geschlossenen Kammern um sich gegenseitig nicht zu sehen. Kommunikation war in dem Bereich völlig untersagt. Die Häftlinge waren 23 Stunden am Tag in Einzelzellen eingeschlossen, von wo aus sie auch ihre Arbeit verrichten konnten. Eine Stunde am Tag hatten sie an der frischen Luft, allerdings umzingelt von Gefängnismauern.

Und so lebten 1840 schon über 2000 Häftlinge, Soldaten und Zivilisten in besagter Siedlung, die sich zu einer Größe in der australischen Industrie entwickelte. Es wurde alles Erdenkliche produziert: Von Booten bis zur Kleidung, von Schuhen bis zu Ziegelsteinen.
Wie schon gesagt, man setzte auf strenge Regeln und Bestrafung in tasmanischen Port Arthur. Und so gab es auch die Isolationshaft in einem abgetrennten Gebäude, wo die Insassen 23 Stunden am Tag in ihrer Zelle verbrachten und darin ihrer Tätigkeit nachgingen. Eine Stunde am Tag durfte man sich die Beine vertreten, das jedoch immer noch hinter hohen Mauern ohne dabei anderen Häftlingen zu begegnen. Auch der Gottesdienst sollte die Männer nicht zusammenführen, weshalb die Bänke von allen Seiten durch Holzbalken abgetrennt wurden, sodass noch nicht einmal Blickkontakt hergestellt werden konnte. Man sollte sich voll und ganz Gott hingeben und da nur die ganz harten Fälle in die Isolationshaft kamen, sollte vor allem hier die Kommunikation untereinander verhindert werden.

Relikte aus vergangenen Zeiten: Ein altes Dominospiel der Häftlinge.

Nach der Schließung kamen die Touristen 

1877 öffneten sich die Zellen in Port Arthur und die Gefängnisanstalt wurde geschlossen. Sie blieb jedoch unvergessen und bildete sich vor allem ab den 1920ern zu einem Magneten für Touristen. 1996 ereignete sich dann doch noch etwas Tragisches auf dem Gelände: Ein Schütze erschoss 35 Menschen und verletzte 19 Personen.

Heute gibt es auf dem Gelände immer noch einiges zu erkunden und zu sehen. Viele Gebäude aus vergangenen Zeiten stehen noch mehr oder weniger unversehrt und im Inneren erwartet die Besucher eine Reise durch die Zeit mit vielen interessanten Infos. Da die Aufzeichnungen von damals sehr gut erhalten sind, erfährt man auch viel Persönliches über die Häftlinge und ihre Geschichte. Im Eintritt inklusive ist auch eine ca. 40-minütig Führung über das Gelände, die wirklich super ist, da man sich einen Überblick über das Gelände verschaffen kann.
Eben weil das Gelände so groß und gut erhalten ist, kann man hier einen ganzen Tag verbringen und sich über die leider dunkle Siedlergeschichte Australiens informieren.

Also: Wer auch immer sich auch in Tasmanien wieder findet, sollte sich auf den Weg nach Port Arthur machen, denn neben all dem Baden und Wandern im schönen Australien kann etwas Kultur und Bildung nicht schaden…

Eure Petra!

Kommentar verfassen