Ach, du schönes Wangerland

Familienurlaub in Friesland, wo die Uhren noch langsam ticken…

Als wir das Straßenschild mit der Aufschrift „Wangerland“ passieren, sind wir die einzigen Reisenden auf dieser baumgesäumten Landstraße gen Norden, die uns in ein eher unbekanntes und unberührtes Fleckchen Deutschland führt. Wir drosseln automatisch das Tempo, sehen rot verklinkerte Bauernhäuschen an uns vorbei ziehen und lassen die frische Meeresbrise ins Auto. Atmen kräftig ein. Das tut gut. Der Himmel ist strahlend blau, die Sonne wärmt uns das Gesicht und in der Ferne ist bereits der Deich auszumachen. Vor uns liegt eine Woche Bauernhofurlaub an der Küste. Die ganze Familie ist bester Laune, als wir nach „nur“ dreieinhalb Stunden Fahrt das Familotel Frieslandstern in Horum erreichen. Hier haben wir – ganz gegen unser eigentliches Naturell – „all in“ gebucht. Das heißt für uns Eltern primär: Eine Woche lang kein Kochen, kein Einkaufen und kein Spülmaschine ein- und ausräumen, sondern sich einfach mal verwöhnen lassen. Ein Traum! Auch tägliche Kinderbetreuung wird angeboten und – für die Kinder das Wichtigste – das Ponyreiten im hauseigenem Reitstall. Womit wir dann auch gleich starten, während Papa die Koffer ausräumt. Ich drehe also Runde um Runde in der Reithalle und sehe die Augen meiner Kleinen strahlen. Schon sind wir voll und ganz angekommen. Bereits beim Abendessen werden neue Freundschaften geknüpft und unsere Vierjährige bekommen wir ab dann eher selten zu Gesicht.

Tiere, frische Luft und Platz zum Spielen - mehr brauchen Kinder (fast) nicht!
Tiere, frische Luft und Platz zum Spielen – mehr brauchen Kinder (fast) nicht! (familotel frieslandstern)
Während die Kleinen in der Halle auf Ponys reiten, geht es für die Großen an den Strand... (familotel frieslandstern)
Während die Kleinen in der Halle auf Ponys reiten, geht es für die Großen an den Strand… (familotel frieslandstern)

Die Kinder sind mit ihren neuen Freunden unterwegs während wir im Strandkorb Ostfriesentee schlürfen. Unser Plan geht tatsächlich auf!

Auf dem großzügigen Gelände des Hofes inklusive Spielplatz, Fußballfeld und Trampolin können die Kinder schwer verloren gehen und außerdem haben alle Eltern auf alle Kinder ein Auge, wenn die mit den Ketcars durch die Gegend flitzen. So dass zumindest ein Elternteil zeitweilig zum Entspannen kommt, während der andere mit unserer Lütten loszieht, die sich das Füttern der Ziegen zur Aufgabe gemacht hat. Zeit, um sich mit einem guten Buch in einen Strandkorb zu verziehen, Tee zu schlürfen oder sich eine Massage zu gönnen. Genau so haben wir es uns vorgestellt, als wir kurzfristig nach einem Urlaubsziel gesucht haben, bei dem wir uns nicht viel vom Fleck bewegen müssen, jedes Familienmitglied auf seine Kosten kommt und wir noch einmal unser aller Immunsystem aufpäppeln bevor die Erkältungssaison beginnt. Letzteres wollten wir vor allem mit dem Reizklima erreichen, dass in der Region des Nordseeheilbades Horumersiel vorherrscht.

UNESCO Weltkulturerbe Wattenmeer – ein Segen für Mensch und Tier.

Ab ins Watt zum Matschen! Was für ein Highlight für Kinder...
Ab ins Watt zum Matschen! Was für ein Highlight für Kinder…
Entspannen auf friesisch.
Jetzt werden die Strandkörbe „winterfest“ gemacht. (Wangerland Touristik)

Das kleine Städtchen bietet sonst noch eine übersichtliche Flanierstraße und ab und an auch Veranstaltungen wie zum Beispiel das herbstliche „Kolkleuchten“ im Kurpark, das jährlich im Oktober stattfindet. Am Strand waren wir dann aufgrund starken Windes leider nur zweimal, aber zu einer kleinen, sehr schönen Wattwanderung hat es dann doch noch gereicht. Dafür lernten wir am Deich eine Schafsherde sehr nah kennen, erkundeten mit dem Planwagen die Marschen – wie die schöne friesische Landschaft genannt wird – und konnten viele Zugvögel beobachten. Die Tiere legen hier auf ihrem Rückweg aus den Brutgebieten weit oben in den Tundren der Arktis, im Norden Europas, Asiens oder gar Amerikas ihre einzige Rast ein, um ihre Energiereserven für die Weiterreise nach Afrika aufzufüllen. Das Wattenmeer bietet dafür ideale Voraussetzungen. Der Nahrungsreichtum ist hier so groß, dass Millionen von Zugvögeln ihren hohen Energiebedarf decken können. Ohne diesen Zwischenstopp im Wattenmeer sind viele Vogelpopulationen nicht in der Lage, ihren Zugweg zu bewältigen. Allein dieser Umstand macht die buchstäblich weltumspannende Bedeutung des Wattenmeeres deutlich und unterstreicht, wie berechtigt seine Aufnahme in die UNESCO-Liste des Welterbes ist.

Schneller als wir dachten, war die Woche vorbei. Wir kehrten glücklich und entspannt und um einige neue Bekanntschaften bereichert, nach Köln zurück. Und freuen uns nun wieder auf Kindergarten und Arbeit und auf den Lärm und das Treiben unserer schönen Stadt. Bei allem, was das Wangerland so reizvoll macht, sind wir wohl doch eher Stadtmenschen geblieben, schätze ich…

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