Christo in Italien – Floating Piers am Iseo-See

So muss sich einst Jesus gefühlt haben – damals, als er laut Matthäus-Evangelium über das Wasser lief. Schwerelos, stark und voller Zuversicht. Der Ausnahmekünstler Christo ermöglicht dieses Erlebnis derzeit auch „Normalsterblichen“ am Iseo-See in Norditalien. „Floating Piers“ heißt sein neustes Projekt, dass seit dem 18. Juni für die Öffentlichkeit zugänglich ist – und bereits jetzt alle Erwartungen übertrifft. Ganze 55.000 Besucher standen bereits am Eröffnungstag Schlange, um über die orangefarbenen Stege zu spazieren und sich dem Wasser besonders nah zu fühlen. Dies geht auch mit Rollstuhl oder Kinderwagen, allerdings sind die Stege nicht mit Zäunen oder Geländern zum Wasser gesichert.

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Christo am Iseo-See – das Jahreshighlight für die Region und viele Fans!
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Hauptsache auffallen – so liebt es Christo. Und auch die Italiener…
Schuhe aus und los

Das Besondere: Die Konstruktion ist so ausgetüftelt, dass die Stege sich den Wellen anpassen und man die Bewegungen des Wassers im ganzen Körper spürt, während man auf ihnen entlang wandelt. Am schönsten ist das Erlebnis barfuß.

15 Millionen Euro Produktionskosten verschlangen die Floating Piers. 220.000 Kunststoffwürfel wurden in den letzten Monaten zusammengeschraubt, mit dem orange-grellen Polyamidgewebe überzogen und von Tauchern mit 190 schweren Ankern am Grund des Iseo-Sees befestigt. Die Stege verbinden den Ort Sulzano mit der Insel Monte Isola, der größten Insel in einem südeuropäischen Binnengewässer, und dem kleinen Eiland San Paolo.

Knallorangene Blitze „stören“ die norditalienische Idylle

Wieder einmal beweist Christo sein Gespür für außerordentliche Settings: Der Iseo-See gilt noch als Geheimtipp unter den norditalienischen Seen. Die Gegend besticht mit italienischem Charme und hat sich ihre Idylle über die Jahre hinweg erhalten. Wie Lichtblitze einer anderen Galaxy durchziehen die knallorangenen Stege die typisch italienische Idylle des Iseo Sees mit den pittoresken Straßencafes, den kleinen Segelbooten und den grünen Bergen im Hintergrund.

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Der Reichstag in Berlin wurde auch schon von Christo verhüllt. Damals noch zusammen mit seiner Frau Jeanne-Claude.
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Immer wieder setze der Künstler in der Vergangenheit mit grellen Farben Kontraste zur Natur – wie hier in Florida.
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Auch in New York setze Christo auf orange ( Bild: Passau Mural).

Es ist die vorerst letzte Installation des Künstlers mit bulgarischen Wurzeln, der inzwischen 81 Jahre alt ist. In den letzten Jahrzehnten hatte der Künstler zusammen mit seiner 2009 verstorbenen Frau Jeanne-Claude immer wieder durch spektakuläre Verpackungsaktionen in der ganzen Welt für Furore gesorgt. In Deutschland sorgte er 1995 mit dem „Verhüllten Reichstag“ für Aufsehen, in Florida 1983 mit dem Projekt „Sourrounded Island“, 2005 mit „The Gates“ im Central Park in New York.

Bis zum 3. Juli sind die Floating Piers noch in Italien zu erleben. Also schnell hin und im Rahmen einer individuellen Italien-Reise dieses Highlight der modernen Kunst erleben! Schaut euch hier unsere Angebote an.

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