Schauspieler Murali Perumal über Indien

Vom Inder, der sein Glück suchte… und fand!

Ein bisschen liest sich die Geschichte von Murali Perumal wie die amerikanische Mär vom Tellerwäscher zum Millionär, nur in deutscher Inszenierung. 1978 in Bonn geboren, wuchs er im Bad Godesberger Diplomatenviertel auf – sein Vater war als Fahrer bei der indischen Botschaft beschäftigt, seine Mutter Hausfrau. Beide sind längst wieder in ihre Heimat Indien zurückgekehrt und dort glücklich. Murali aber war schon als kleiner Junge ehrgeizig und erkannte schnell, was Deutschland ihm bieten konnte – insbesondere hinsichtlich seiner großen Leidenschaft, der Schauspielerei. Er schloss erfolgreich sein Abitur ab, lernte dann am renommierten Max Reinhard Seminar in Wien die hohe Kunst des Schauspiels und kehrte mit dem Abschluss in der Tasche zurück nach Deutschland – voller Hoffnung auf viele attraktive Rollen in Film und Fernsehen sowie auf der Bühne.

Sein Weg sollte kein leichter sein. Doch sein Kampf für die Gleichberechtigung von Schauspielern mit Migrationshintergrund wurde belohnt

Doch aller Anfang ist schwer – und für jemanden, dem seine ausländische Herkunft so zu Gesichte steht wie Murali, umso mehr. Er sprach für etliche Rollen vor und bekam stets die gleichen Antworten: Sein Typ sei „zu speziell“, man könne sich ihn nicht in der Rolle eines Anwalts oder Kommissars vorstellen, das deutsche Publikum sein noch nicht bereit für ihn in einer tragenden Rolle. So hielt er sich mit Nebenrollen als Taxifahrer, Krankenpfleger und Rosenverkäufer über Wasser – bis er irgendwann die Schnauze voll davon hatte. „Ich wollte und konnte einfach nicht akzeptieren, dass es uns Schauspielern mit Migrationshintergrund im Jahre 2014 in Deutschland noch so schwergemacht wird“, erzählt er heute. Fortan kämpfte Murali für die Gleichberechtigung von Schauspielern mit Migrationshintergrund und für die ethnische Vielfalt im deutschen Theater und Fernsehen. Und stieß mit seinem Anliegen schließlich doch auf offene Ohren – zum Beispiel bei der Süddeutschen Zeitung, die über sein Engagement berichtete oder bei Karin Beier, der ehemaligen Intendantin des Kölner Schauspiels, die ihn für ihr internationales Ensemble engagiere.

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Wie man sich als indischer Schauspieler in Deutschland „durchschlägt“, weiß Murali Perumal nur zu gut. (Bild: Martin Schwanda)
Das Kölner Schauspielhaus als Sprungbrett

Die Kehrtwende seiner Karriere: Von nun an ging es bergauf, plötzlich taten sich eine Menge Türen auf und es folgten Rollen in diversen TV-Produktionen, in „Die Musterknaben“, „Pastewka“ und sogar im Hamburger Tatort an der Seite von Mehmet Kurtulus. Im Kino konnte man ihn unter anderem in „Madly in Love“, „Der geilste Tag“ und „Anatomie 2“, sehen. Absoluter Höhepunkt bislang: Der Dreh mit Samuel L. Jackson für den Hollywood-Streifen „Big Game“!

In der deutschsprachigen Filmbranche hat Murali seinen Platz gefunden, der internationale Durchbruch steht noch aus. Die, die ihn kennen, wissen: auch der wird kommen!

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Der Schauspieler gewährte uns interessante Einblicke in seine „zweite Heimat“ Indien.

Wir sprachen mit Murali über Indien, ein Land, das er zwar nicht als seine Heimat bezeichnet, dem er sich aber doch sehr verbunden fühlt:

Deine Familie lebt inzwischen wieder in Indien. Wie stehen deine Eltern zu deiner Entscheidung für ein Leben als Schauspieler in Deutschland und wie fühlst du dich, wenn du sie besuchst?

Anfangs waren sie natürlich dagegen und wollten, dass ich einmal ein leichteres Leben habe als sie.
Jetzt sind sie zwar stolz, wenn sie hören, dass ein Film mit mir im Kino oder Fernsehen läuft. Aber letztendlich machen sie sich immer noch Sorgen, ob ich auch genügend Geld und Arbeit habe, um zu überleben. Und nach all den Jahren in diesem unsicheren und auch unregelmäßigen Beruf, sind ihre Gedanken irgendwo auch berechtigt.

Typisch indische Eigenschaften – gibt es die? Welche davon siehst du positiv, welche negativ? Und: Wie deutsch bzw. wie indisch bist du selbst?

Positive Eigenschaften sind eine große Offenheit, Neugier, Liebenswürdigkeit, Fleiß, Ehrgeiz, ein eigener Humor und bei einigen Menschen dort auch eine wunderbare Bescheidenheit. Negativ empfinde ich einen zu großen Fokus auf Status, Geld und Beruf, was es natürlich auch in anderen Ländern gibt. Außerdem eine gewisse Distanzlosigkeit, wenn man in Indien verreist und viele Inder dort ein anderes Verhältnis zu Nähe haben.

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Die Menschen in Indien und ihre Andersartigkeit üben eine große Faszination auf uns aus.

Indien ist ein Land, das viele Menschen fasziniert, gleichzeitig aber auch abschreckt. Auf was muss man sich als Reisender einstellen – und was erwartet einen in Indien?

Sehr viele Menschen, viel Hektik, die oben angesprochene Distanzlosigkeit, immer noch Armut neben großem Reichtum. In manchen Orten wird man als Europäer auch angestarrt werden. Als Frau würde ich dort heutzutage nicht mehr alleine verreisen. Aber generell ist man Touristen gegenüber sehr freundlich.
Einen aufregenderen Urlaub als in Indien, kann ich mir sonst auf der Welt nicht vorstellen. Die Menschen und Landschaften sind spannend, von unglaublich schönen und sinnlichen Tempeln, Ayurveda- und Yogazentren, Naturreservaten, Urwäldern, Wüsten, Bergen bis zu wunderschönen Städten und auch den großen Megacities, gibt es dort einfach alles, was das Herz begehrt. Die jahrtausende alte indische Kultur und Philosophie sind faszinierend, außerdem gibt es die Möglichkeit, heilige Orte aller großen Weltreligionen zu besuchen. Ein Land der Gegensätze. Die meisten meiner Freunde, die schon einmal dort waren, wollen immer wieder hin. Das Indien-Fieber hat sie gepackt. Das war vor 25 Jahren noch nicht so, da war die Armut noch zu präsent und verschreckend für viele Westler. Aber Indien hat sich sehr weiterentwickelt.

Welche Orte würdest du für eine Reise nach Indien unbedingt empfehlen?

Das kommt darauf an, worauf man wert legt. Es gibt unglaublich tolle Städte und Bauten im Norden Indiens, nicht nur das Taj Mahal! Den Bundesstaat Rajastan empfehle ich und als spirituell interessierter Mensch natürlich auch das Himalaya Gebirge. Im Süden kann ich noch mehr empfehlen, einfach weil ich dort schon oft war. Wer sich erholen möchte, mit Yoga, Ayurveda oder einfach wunderschöne Natur genießen möchte, sollte nach Kerala in den Südwesten Indiens reisen. Oder in den Bundesstaat Tamil Nadu, wo ich her komme. Madurai mit seinem weltberühmten Meenakshi Tempel ist sehr sehenswert, aber auch andere Orte wie Pondicherry, Kanniyakumari, welche beide am Meer liegen. Als Stadt finde ich Bangalore spannend, einer der modernsten Städte des ganzen Landes.

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Das Taj Mahal ist und bleibt das absolute Highlight Indiens!
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Auch der “ Meenakshi Tempel“ in Madura ist absolut außergewöhnlich und ein Muss auf jeder Indien-Reise. (Foto: Marko Roth Productions)
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Wie aus einem Märchen entsprungen wirkt die zauberhafte Kerala-Region auf uns – hier die idyllischen Backwaters.

Wir danken Murali Perumal für dieses Interview und wünschen ihm für seinen weiteren Werdegang viel Erfolg!

Wer nun Lust auf Indien bekommen hat, der möge sich bei uns melden. Gemeinsam stellen wir Eure individuelle Traumreise zusammen!

Schaut euch auch unser wunderschönes „for that moment in India“-Video an!

 

(Startbild: Patrick Ranz)

 

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