#urbanCGN – Unterwegs in Ehrenfeld, Kölns buntem Szene-Veedel

Die Menschen sind dick eingemummelt, laufen hektisch von A nach B, erledigen Einkäufe, sind verabredet oder plaudern mit Bekannten, die sie zufällig getroffen haben. In der Buchhandlung findet eine Lesung statt, der Dönermann hievt seine frische Ladung tiefgefrorenes Döner-Fleisch aus dem Wagen und Fahrradfahrer klingeln sich ihren abenteuerlustigen Weg auf dem schmalen Fahrradstreifen frei. Die kalte Novemberluft wird von Gesprächsfetzen in verschiedenen Sprachen erfüllt, ein Hund begleitet lautstark die Gesänge eines Straßenmusikanten und aus den vollgepackten Cafes weht frischer Kaffeeduft hinaus.

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An einem Samstag im November…. typisches Bild aus der Ehrenfelder Körnerstraße.

Ehrenfeld – live und in Farbe

Es ist ein ganz normaler Samstagnachmittag in Kölns beliebtesten Veedel – Ehrenfeld. Die Gegend im Kölner Westen, im Kölner Volksmund auch „Ihrefeld“ genannt, ist schon lange angesagt – hier leben Künstler und Kreative mit Alteingesessenen Kölnern Tür an Tür; Imbissbuden und Gemüsehändler teilen sich mit hippen Boutiquen und innovativen Gourmet-Konzepten die Straßenzüge. Familien, Studenten, junge Paare und eigentlich fast jeden, der urbanen Lifestyle liebt und lebt, treibt es hierhin. Ehrenfeld ist das, was Kreuzberg und Friedrichshain lange in Berlin und das Schanzenviertel in Hamburg waren oder vielleicht noch sind: Ein angesagter Ort zum Leben, mit ganz viel Energie, innovativem Geist und jeder Menge Charakter. Ein perfektes Beispiel dafür, wie sich Vielfalt jeglicher Art aneinander bereichern kann. Und: Das Veedel ist der Star und Inhalt einer neuen Stadtführung, die KölnTourismus im Rahmen seines Projektes #urbanCGN – cologne urban lifestyle seit einigen Monaten anbietet und an der itravel-Mitarbeiterin Viktoria kürzlich teilnahm.

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Tourguide Christian kennt sich aus in Ehrenfeld – und überrascht selbst Kölner noch mit seinem Insider-Wissen über das Veedel.

Veedelstour für Köln-Patrioten

Die erste Überraschung gibt es gleich am Anfang: Die zwölf Teilnehmer sind fast ausnahmslos Kölner, die meisten zugezogen, einige sogar in Ehrenfeld selbst wohnhaft. Sie alle wollen mehr über ihre eigene Stadt, ihr Veedel erfahren. „Man weiß so viel über andere Großstädte, die man im Urlaub bereist. Aber über seine eigene Heimatstadt – da weiß man kaum etwas drüber“, fasst eine Teilnehmerin ihre Ambitionen zutreffend zusammen. Diese „Wissenslücke“ wird in den nächsten eineinhalb Stunden mit vielen Informationen und Anekdoten über Ehrenfeld geschlossen. Tourguide Christian hat nicht nur seine Mutter im Gepäck, sondern auch viel Wissenswertes über die Entwicklung des ehemaligen Arbeiterviertels zum In-Veedel der Domstadt. Er erzählt von der Gründung im Jahre 1845 und dem rasanten Aufstieg durch die Industrie und den Eisenbahnanschluss. Über Vincent Statz, der hier zahlreiche Arbeitersiedlungen errichtete und über die „3 Fenster-Häuser“, für die Ehrenfeld bekannt ist: 20 Fuß breit und 60 Fuß tief, mit drei Fenstern zur Straßenseite hin – so galten lange Zeit die Kriterien für den steuerfreien Häuserbau in dieser Gegend.

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3 Fenster-Häuser wie diese finden sich überall in Ehrenfeld.
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Das 4711-Haus. Hier wurde einst Kölns bekanntestes Parfum hergestellt – jetzt ist es ein kreatives Zentrum und Sitz verschiedener Agenturen.

Er führt die Gruppe zum 4711-Gebäude, in den ehemals das wohl bekannteste Parfum Kölns produziert wurde und jetzt innovative Firmen kreativen Ideen haben. Übrigens schlug hier 2004 auch die Geburtsstunde von itravel, bis 2014 war der Firmensitz in Ehrenfeld. Daher kennen wir auch das gegenüber gelegene „Haus Scholzen“, das ehemals eine Weinhandlung war und ein beliebtes Ausflugsziel für die Menschen aus der Stadt darstellte. Bis heute kehren hier Jung und Alt mit Freuden ein – und auch das berühmte Kölner „Divertissimentchen“ fand hier seinen Ursprung.

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Eine „echt kölsche“ Institution in Ehrenfeld: Das Haus Scholzen an der Venloer Straße.

Die Körnerstraße – ein Paradebeispiel für gelebte Veedelskultur

Die Ehrenfelder Kultur wird wohl am meisten in der Körnerstraße gepflegt – nicht nur im Rahmen des Körnerstraßenfestes, sondern auch in und um die vielen kleinen, individuellen Läden, Cafes und Kneipen herum. Hier findet man zum Beispiel die Rösterei „van Dyk“ und den Vintage-Laden „Kitsch Deluxe“. Auch in der Grimm- und Stammstraße sowie in den kleinen Nachbarstraßen trifft man immer wieder auf Schaufenster, deren Auslage einen in Staunen versetzt.

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Ist es ein Frisör? Oder eine Buchhandlung? Nein – das Van Dyck ist ein beliebtes Cafe mit eigener Rösterei!
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Die Auslage des „Kitsch Deluxe“ ist verlockend. Leider ist der Laden geschlossen, als wir dort sind…

Urban Gardening, Streetart-Murals und die Edelweiß-Piraten

Die Tour führ weiter zu einem Urban Gardening Projekt inklusive Imkerei und zum Ehrenfelder Bahnhof, dessen Mauern mit imposanter Streetart bemalt sind. Über jedes einzige Kunstwerk – in der Fachsprache „Murals“ genannt – weiß Christian allerhand zu erzählen – und verrät auch, dass alle Gemälde im Rahmen des ersten Kölner Cityleaks-Festivals entstanden sind. Damals hatte Anne Scherer, die Kuratorin des inzwischen international etablierten Events, Künstler aus aller Welt dazu aufgerufen, sich kreativ auszuleben. So kann man hier den großartigen Output von renommierten Streetart-Künstlern unter anderem aus Brasilien, Berlin und Spanien bewundern.

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Die Häuserwände rund um die Stammstraße schmücken imposante Gemälde. Hier wacht eine Heilige über einen beliebten Kinderspielplatz.
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Die Bögen des Ehrenfelder Bahnhofes sind mit großartigen Streetart-Murals geschmückt.

Auf der anderen Seite der Gleise gibt es weniger schönes zu entdecken – das Mahnmal der Edelweiß-Piraten erinnert hier an die 13 Widerständler, die 1944 an dieser Stelle öffentlich hingerichtet wurden. Nicht weit entfernt strahlt der Helios-Turm sein laues Licht über die einsetzende Dämmerung. Er ist seit jeher Wahrzeichen von Ehrenfeld, dieser seltsame Leuchtturm, den nie ein Seemann zu Gesicht bekam und der wohl eher zu Werbezwecken errichtet wurde. Die Stadt hegt große Pläne für das Gelände rund um den Turm, eine Bürgerinitiative kämpft seit Stunde Eins dieses Vorhabens dagegen an. Im Gespräch sind eine Grund- und Gesamtschule sowie eine Einkaufsstraße. Ein Fahrradladen, ein Einrichtungshaus und ein Fitnesscenter sind bereits in den ehemaligen Produktionsstätten eingezogen.

Der Kampf gegen die Gentrifizierung

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Ein schöner Nachmittag in Ehrenfeld neigt sich dem Ende zu… Es wird nicht der letzte Besuch gewesen sein – in Kölns schönstem Veedel!

Christian Gieseke spricht von Gentrifizierung, der sozialen Umstrukturierung eines ganzen Stadtteils. Konkret bedeutet das, dass die ursprüngliche, oft ärmere Bevölkerung der Stadtviertel durch wohlhabendere Mieter und oft auch Investoren, welche das Viertel als „in“ ansehen, vertrieben wird. Das, was zum Beispiel im Schanzenviertel in Hamburg oder Kreuzberg in Berlin, aber auch im Belgischen Viertel schon geschehen ist. Klar, diese Stadtviertel sind noch immer beliebt und in vielerlei Hinsicht attraktiv – so richtig hip sind sie aber schon lange nicht mehr… Wir drücken Ehrenfeld und seinen Bewohnern die Daumen, dass sie sich erfolgreich gegen diese Entwicklung behaupten können und dass Ehrenfeld so wunderbar einzigartig bleibt, wie es ist!

Stadtviertel wie Ehrenfeld gibt es eigentlich in jeder Großstadt – nicht nur hier bei uns in Deutschland, sondern weltweit. Soho in New York, das EastEnd in London, Gràcia in Barcelona und Södermalm in Stockholm, um nur einige der schönsten zu nennen.
Habt ihr Lust, den kreativen Lifestyle dort zu erleben und euch von den vielen innovativen Ideen inspirieren zu lassen? Dann reist mit uns in die aufregendsten Metropolen und lernt diese abseits des Mainstreams kennen!

Wenn ihr mehr über Ehrenfeld und das Projekt #urbanCGN wissen möchtet, besucht die Seite www.koelntourismus.de oder den Blog www.visit.koeln.
Hier erfahrt ihr auch, welche angesagten Events wann in Ehrenfeld und ganz Köln stattfinden.
Die wichtigsten Veranstaltungen, die über Kölns Grenzen hinaus bekannt sind, sind übrigens:

Passagen: Die größte deutsche Designveranstaltung findet parallel zur internationalen Möbelmesse – der imm cologne – statt. Die PASSAGEN Interior Design Week Köln sind die Plattform für aktuelle Strömungen und Trends des Designs, des Wohnens und des Lifestyles. Rund 200 Shows internationaler Designer und Hersteller in Kölner Showrooms, Galerien, Einrichtungshäusern, Kulturinstituten, Museen und Hochschulen umfasst das Programm mittlerweile.
16. bis 22. Januar 2017, www.voggenreiter.de

le bloc: Bei diesem kleinen, aber feinen Shopping-Event im Belgischen Viertel verwandeln sich Showrooms, Schaufenster und Hinterhöfe in Pop-up-Stores, Konzertbühnen und Hot-Spots für Mode-Liebhaber. Legendär sind dabei insbesondere die Modenschauen im Parkhaus an der Maastricher Straße.
10. Juni 2017, www.lebloc.de

c/o pop: Seit 2004 gilt die c/o pop als Nachfolger der nach Berlin verlagerten Popkomm. Hier trifft sich jährlich die internationale Popmusik und es finden Konzerte in ganz Köln statt.
16. bis 20. August 2017, www.co-pop.de

CityLeaks Festival: Urban Gardening, Urban Art, Chair Bombing oder Skateboarding – bei diesem Event liegt der Blick auf dem Leben in der Stadt. Und zwar gerne über die Köpfe von bürokratischen Planungen und komplizierter Politik hinweg. Veränderungen werden hier „von unten“ angestrebt und manifestieren sich zum Beispiel in neuen politischen Bewegungen wie „Occupy“ oder „Reclaim your City“.
01. bis 24. September 2017, www.cityleaks-festival.de

Museumsnacht: Während der größten Museumsnacht NRWs gibt es nicht nur Ausstellungs-, Konzerthighlights, sondern auch Speed-Dating mit großen Meistern, Ambientsounds zwischen mittelalterlichen Skulpturen und Direktorenführungen bei Nacht. Das vielfältige Veranstaltungsprogramm lockt jährlich tausende Besucher.
04. November 2017, www.museumsnacht-koeln.de

Abschließend wollen wir euch das brandaktuelle #urbanCGN – Video nicht vorenthalten. Cologne – we love you!

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