Porto, O‘Porto

Weltenbummler Stephan Weißenfels war in Portugal unterwegs und hat für uns seine Eindrücke aus Porto zusammengefasst:

Aufbruch und Ankunft

Der Check-In in den Flieger ist auch immer ein Check-Out aus dem Bekannten. Für mich als Reisenden besitzt dabei Begegnung die oberste Priorität, sei es in Form von neuen Menschen, Landschaften, kulinarischen Entdeckungen, Architekturformen, Lebensstilen und Einstellungen. Porto begrüßte mich am späten Nachmittag beim Austritt aus dem Flieger mit einer wohltuenden Abendsonne und leichtem Wind. What a feeling!

Gleich zu Beginn am Flughafen bin ich in Kontakt gekommen mit zwei jungen Individualreisenden aus Deutschland. Trotz unterschiedlicher vorgebuchter Hostels wurde sich dank weggefallener EU-Roaming-Gebühren nach Check-In unkompliziert wieder vereinigt und ein erster Spaziergang durch Porto unternommen. Er endete auf der südlichen Uferseite des Rio Duoro in Villa de Gaia bei einer leckeren Flasche Portwein und Fisch. Beim Plaudern und Essen kamen wir in den Genuss des unbezahlbaren Blicks auf die in den Berg gemeißelte Stadt. Porto hat mit seinen eng verwinkelten Gassen, die mit Azulejos (bunt bemalte Wandkacheln) verzierten Häuser, einem durchmischten Baubestand und seinen Brücken eine ganz besondere Atmosphäre. Wunderschön abwechslungsreich, dabei aber authentisch und kernig. Keine künstlich aufgewertete und hochglanzpolierte Innenstadt, sondern ein ehrlicher Spiegel der abwechslungsreichen Geschichte und einer vielfältigen Gesellschaft.

Auf den Karten der Flussuferrestaurants werden Fisch wie der Nationalfisch Bacalhau mit Beilage angeboten. Die etwas derberen Gaumen können das Lokalgericht Francesinha bestellen, übersetzt die kleine Französin. Es ist ein mit Käse überbackenes Toast, welches unzählige Lagen an Fleisch einschließt und mit einem Spiegelei und einer kräftigen Tomatensauce serviert wird. Nichts für Vegetarier, für alle anderen aber durchaus eine Erfahrung wert. Denn when in Porto, do as the Portuenser do! Bei einer leckeren und gemütlichen Flasche Portwein wurde schnell aus Kontakt Freundschaft, sodass wir kurzerhand beschlossen, in der Bar des Nice Way Hostels noch einen Absacker zu trinken. Gleich beim Eintritt kam uns eine zehnköpfige Crew von Reisenden entgegen, die sich bereit machten für den Pub Crawl. Durch viele freundliche Hallos angefixt, schlossen wir uns spontan an. Wer nicht den höchsten Anspruch an Musik und die Ausgefallenheit der Bars hat, kann während der Rundtour durch das Partyviertel in kürzester Zeit eine Reihe von interessanten Leuten kennen lernen, sei es der Goldschmied aus Neuseeland, der Doktor der Geologie aus Italien oder die Sozialarbeiterin aus Dänemark. Vereint im kosmopolitischen Urlaubsvibe gab es unzählige ausgelassene Unterhaltungen und Tänze. Doch von zu viel Mainstream nach einer Weile doch etwas verschreckt, aber mit noch Partywillen ausgestattet, ging es weiter in den Nachtclub Plano B, wo in einem hohen, schön ausgebauten Kellergewölbe bei dröhnender elektronischer Musik die Nacht zum Tag wurde.

Offenheit und Unternehmungslust

Am nächsten Tag verabredete ich mich mit den neu gewonnenen Freunden zum Brunchen. Das Frühstück, so die Erfahrung meiner Tage in Porto, ist in den unzähligen Cafés immer üppig, deckt  von süß bis herzhaft alles ab und beinhaltet leckere und mit Liebe servierte Kaffeegetränke im besten Preis-Leistungsverhältnis. Nach der Stärkung am Morgen ging es spontan an den Stadtstrand Praia do Cabedelo do Douro, wo dem hektischen Tourigewimmel der Innenstadt für ein paar Stunden entflohen werden kann. Unbedingt bis zum Sonnenuntergang über dem Atlantik bleiben, wer grenzenlose Ferne erleben möchte.

Der Atlantik und seine Sonnenuntergänge stillen Reisesehnsüchte.

Abends gab es dann wieder gewohnt portugiesisch frisch gefangenen und gegrillten Fisch mit Beilage am Ufer des Atlantiks. Wer Fisch mag, wird Porto lieben. Im Anschluss lädt zum Ausklang des Tages ein gemütlicher Spaziergang über die von Gustav Eiffel erbaute Brücke Ponte Dom Luis und die Uferpromenade des Villa de Gaias ein. Für Fotoliebhaber präsentiert sich ein Paradies. Sobald man sich dabei vom Zentrum entfernt, fallen einem die unzähligen portugiesischen Fischer auf, die sich am Rande des Douro versammeln, plaudern und bei einer gemütlichen Flasche Wein ihrem nächsten Fang hinterherjagen.

Neugier und Interesse

Weil zwar das Bedürfnis nach neuen Kontakten bedient war, weniger aber die Neugier an historischen Fakten und Insiders wurde am nächsten Tag eine Free Walking Tour vom zentralen Platz Praça da Liberdade gestartet. Hier empfehle ich die rothemdigen PortoWalkers. Nicht nur Freundlichkeit, ein perfektes Englisch, ein sympathischer Lokalstolz und lustige Insider konnte begeistern. Es wartet auf die Teilnehmer die süßeste Köstlichkeit der Welt für gerade mal 1,50 Euro. Normalerweise handelt es sich um eine Großbäckerei, doch wegen des guten Drahts zu den PortoWalkers wird eine Ausnahme gemacht. Lasst euch überraschen! Bei der Tour begeisterte die überall im Stadtbild verbreitete Streetart. Keine Schmierereien, sondern Ausdruck moderner Kunst und Designs, die sich nahtlos in den Farben- und Formenreichtum von Porto einfügen.

UNESCO Weltkulturerbe; Portos Altstadtkern.
Gelungene Street Art findet sich überall im Stadtbild wieder.
Wunderschöne Blicke laden überall zum Innehalten ein.

Bei der gutbesuchten Free Walking Tour wurde sich mit neuen Reisenden zusammengeschlossen und die Stadt auf eigene Faust weiter durchschritten. Überall ist Sehenswertes in Form von Kirchen, Klöstern, barocken Residenzen, der wohl schönsten Bibliothek der Welt (Lello e Irmao), kleinen sympathischen Geschäften, Parkanlagen und zerklüfteten Gassen zu finden. Ohne Zweck und Absicht vergangen so schnell ein paar Stunden in der ständigen Dynamik des Auf und Abs von Porto. Geschlaucht vom Erkunden ging es am Abend zusammen in das leckere vegetarische Restaurant daTerra, wo sich für nur 8 Euro durch das üppige Buffet probiert werden kann. Im Anschluss wurde eine gemütliche Flasche Portwein am Ufer des Douro getrunken und im Hot Five Jazz & Blues Club bei gelungenem Ambiente und bester Musik der Abend ausgeklungen.

Port ist ein Muss für alle Städtereisefans oder als Eingangstor in eine ausgiebigere Portugal Erfahrung. Die kompakte Innenstadt lässt sich bequem abgehen und begeistert hinter jeder Ecke mit unvergesslichen Eindrücken und Stimmungen. Es wimmelt nur so an interessanten Reisenden aus allen Ländern, die einem mit Offenheit und Neugier begegnen. So garantiert Porto die Möglichkeit, nicht nur schöne Orte zu sehen und hiervon Fotos zu schießen, sondern sie mit Erinnerungen zu füllen. Die komplette Stadt ist voller Begegnungen und überall wartet Genuss!

PS: Check-In und Check-Out. Achtet mal darauf, wie sich Einstellungen, Gefühle und Gesichter verändern, je nachdem ob man im Flughafen im Ankunfts- oder Abflugterminal ist. Ort und Bewusstsein bestimmen unser Sein! Bon viagem!

Und jetzt? Ab nach Portugal!

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