„Fremde Länder, fremde Tischsitten.“ – so könnte man das bekannte Sprichwort abwandeln.
Essen mit Gabel und Messer, den Teller leeren für Sonnenschein und zu einer Essenseinladung pünktlich auf die Minute erscheinen – wer viel reist, merkt schnell, dass nicht in allen Ländern die gleichen Tischregeln gelten wie bei uns. Was bei uns als gute Sitte gilt, kann in anderen Ländern seltsam erscheinen, peinlich oder sogar grob unhöflich sein.
Wir verraten euch heute ungewöhnliche Tischsitten und Etikette-Regeln, die auf Reisen beachtet werden sollten.

USA: Für alles gewappnet sein
Was bei uns von mangelnden Tischmanieren zeugt, ist in den USA ganz normal: Vor dem Essen wird die Mahlzeit in mundgerechte Stückchen geschnitten, damit anschließend das Messer aus der Hand gelegt und nur mit der Gabel weitergegessen werden kann. Die zweite Hand ist dann frei und wird meist einfach unter den Tisch gehalten. Diese Sitte soll im Wilden Westen entstanden sein – hier lag eine Hand stets am Colt, um eventuell hereinspazierende Feinde abzuwehren.

Indien: Essen mit allen Sinnen
„Essen mit Besteck ist wie Liebe über einen Dolmetscher“, heißt es in Indien. Darum wird vollständig auf Besteck verzichtet. Aber aufgepasst: In Indien wird die linke Hand nach dem Toilettengang statt Papier zur Reinigung benutzt und gilt deshalb als unrein – es wird also nur mit der rechten Hand gegessen. Übrigens: Linkshänder dürfen die linke Hand benutzen. Für sie ist im Gegenzug die rechte Hand tabu.
Nach einem traditionellen Abendessen mit einer indischen Familie kannst du das Wort Fettnäpfchen aus deinem Vokabular streichen!

Japan: Der Essstäbchen-Knigge

sushi, japan
Mit Essstäbchen umgehen zu können ist leider nur die halbe Miete. Hinzu kommen zahlreiche Regeln und Traditionen.

Die japanische Kultur ist äußerst komplex und vielschichtig. Hier wird man als Besucher immer wieder in größere und kleinere Fettnäpfchen treten. Die wirklich schlimmsten sollte man aber vermeiden. So ist es ein grober Fauxpas, Essstäbchen senkrecht in den Reis zu stecken. Dies ist eine Handlung, die zum japanischen Totenritual gehört und bei Tisch absolut nichts zu suchen hat. Auch die Stäbchen kreuzen und auf den Teller legen ist unfein. Besser: Die Stäbchen auf der dafür vorgesehenen Stäbchenbank neben dem Teller ablegen. Suppen werden in Japan getrunken beziehungsweise geschlürft. Das darf durchaus lautstark sein und ist ein Kompliment an Küchenchef oder -chefin. Alle anderen Speisen werden mit Stäbchen gegessen. 

Russland: Never enough
Bei uns gilt es gemeinhin als gutes Zeichen, wenn der Gast seinen Teller leer isst. Es hat geschmeckt und man ist zufrieden. Anders in Russland. Hier sollte man immer einen Höflichkeitsrest auf dem Teller lassen, da ansonsten immer wieder nachgefüllt wird. Der Rest auf dem Teller zeigt dem Koch, dass er genug serviert hat und der Gast satt geworden ist.

Italien: Mehr als nur Pizza 

Espresso begleitet in Italien den Tag
In Italien gibt es zu jeder Tageszeit eine andere Kaffeespezialität.

Neben Pizza und Pasta ist Kaffee eine der großen Leidenschaften der Italiener. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass sich um das Kaffeetrinken eine Menge Rituale und Regeln entwickelt haben. Jede Kaffeesorte hat hier ihre eigene Tageszeit. Der Tag wird mit einem starken Espresso begrüßt. Zum Frühstück reicht man dann Cappuccino oder Latte Macchiato und von mittags bis abends wird wieder Espresso getrunken.
Im Heimatland der Spaghetti werden sowohl Spaghetti als auch Tagliatelle einfach mit der Gabel auf dem Teller gerollt. Und zwar so, dass die Portion mit einem Bissen im Mund verschwindet. Heraushängende Nudeln abzubeißen, ist nämlich genauso verpönt, wie einen Löffel zur Hilfe zu nehmen.
Bei einer Gourmetreise durch die Toskana lernst du nicht nur die italienischen Tischsitten kennen, sondern kannst auch selber mediterrane Gerichte zubereiten und verköstigen.

Thailand: Stäbchenfrei
Erleichterung für alle, die mit den, im asiatischen Raum typischen, Essstäbchen nicht zurechtkommen: In Thailand wird vor allem mit Gabel und Löffel gegessen. Ganz unkompliziert ist es aber dennoch nicht. Sich die Gabel in den Mund zu stecken, hat in Thailand ungefähr den Stellenwert, als würde man bei uns sein Messer ablecken. Die Gabel dient also nur dazu, das Essen auf den Löffel zu schieben.

Frankreich: Das Brot brechen

Französische Brotkultur - nicht nur beim Backen ist Handarbeit gefragt
Für ihr Nationalgericht haben die Franzosen ganz eigene Regeln: Kommt das Baguette nicht schon geschnitten auf den Tisch, sollte man sich auf keinen Fall ein Stück mit dem Messer abschneiden. Stattdessen bricht man sich ein Stück ab. Im Gegensatz zu den meisten Ländern in unserer Liste wird in Frankreich immer mit Besteck gegessen, auch wenn Obst oder Hähnchenkeulen serviert werden. Auch gelten Essgeräusche hier als äußerst unpassend.

China: Je lauter, desto besser
Die Tischsitten in China dürften so manchen in den Wahnsinn treiben: Laute Essgeräusche samt Schlürfer, Schmatzer und Rülpser sind hier ganz normal und gelten als Zeichen, dass das Essen schmeckt.

Chile: Für Zuspätkommer
Gute Nachrichten für alle, die gerne mal etwas zu spät kommen: In Chile wird das nicht nur toleriert, sondern gilt sogar als höflich, wenn man verspätet zu einer Verabredung erscheint.

Äthiopien: Freundschaftsrituale
Am befremdlichsten für uns dürfte die Esskultur in Äthiopien sein. Statt separater Teller für jeden am Tisch gibt es eine große Schale, aus der sich alle bedienen. Ein Zeichen von Respekt und Freundschaft ist außerdem, sich gegenseitig mit kleinen Happen zu füttern.

Mit unserem kulinarischen Reise-Knigge solltest du schon einigen Fettnäpfchen ausweichen können. Natürlich gibt es in den verschiedenen Kulturen der Welt noch zahllose andere Gesten und Handlungen, die anders interpretiert werden als bei uns. Falls du nicht auf eigene Faust, sondern im Rahmen einer geführten Reise unterwegs bist, hast du es etwas leichter, denn ein persönlicher Reiseführer weist dich natürlich auf alle kulturellen Besonderheiten hin.

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