Was passiert, wenn ein heiliges Tier jedes Jahr dutzende Menschen tötet? Diese Diskussion erhitzt derzeit die Gemüter in Osttimor. Während die Regierung des Inselstaates plant, eine Krokodilfarm zu eröffnen, sind Großteile der Bevölkerung weiterhin dafür, dass sich die Krokodile überall frei bewegen dürfen.

Die folgende Legende beschreibt die Entstehung Osttimors und erklärt, wieso die Einwohner das Krokodil verehren und als heilig ansehen – und es trotz der jährlichen Todesfälle beschützen möchten.

Das gute Krokodil – Die Krokodillegende aus Osttimor

„Eines Tages fand ein Junge ein Krokodilbaby, das versuchte von der Lagune ins Meer zu kommen. Weil es sehr schwächlich war, nahm der Junge das kleine Krokodil und trug es zum Meer. Das Krokodil war sehr dankbar und versprach dem Jungen sich zu revanchieren. Es sagte dem Jungen, es wolle mit ihm auf Reisen gehen. Der Junge solle zum Meer kommen, es rufen und das Krokodil würde ihm helfen.

Nach einiger Zeit erinnerte sich der Junge an das Versprechen des Krokodils und ging zum Ufer der See. Er rief das Krokodil dreimal. Als das Krokodil erschien, waren beide sehr froh über das Wiedersehen. Das Krokodil sagte dem Jungen, er solle sich auf seinen Rücken setzen und das Krokodil trug den Jungen viele Jahre lang auf vielen, vielen Reisen.

Aber obwohl das Krokodil und der Junge Freunde waren, blieb das Krokodil immer noch ein Krokodil. Es fühlte den unwiderstehlichen Drang den Jungen zu fressen. Dies störte das Krokodil und so fragte es bei anderen Tieren um Rat. Es fragte den Wal, den Tiger, den Wasserbüffel und viele andere Tiere und alle sagten, „Der Junge war nett zu Dir, Du kannst ihn nicht fressen“. Schließlich fragte das Krokodil den weisen Affen. Nachdem der Affe sich die Geschichte angehört hatte, verfluchte er das Krokodil und verschwand.

Das Krokodil schämte sich und entschied, den Jungen nicht zu fressen. Stattdessen nahm er den Jungen wieder auf seinen Rücken und zusammen reisten sie, bis das Krokodil sehr alt wurde. Das Krokodil fühlte, es würde niemals die Güte des Jungen vergelten können und sagte deswegen zum Jungen: „Ich werde bald sterben. Aber mein Körper wird ein neues Land bilden, für Dich und Deine Nachkommen.““ 

Aus dem Krokodil wurde die Insel Timor, die auch heute noch die Form eines Krokodils hat. Der Junge hatte viele Nachkommen, die von ihm seine Güte, seine Freundlichkeit und seinen Sinn für Gerechtigkeit erbten. Heute nennen die Bewohner Timors das Krokodil Großvater und immer wenn sie einen Fluss überqueren, rufen sie: „Krokodil, ich bin Dein Enkel – friss mich nicht.“

Quelle: https://de.wikisource.org/wiki/Das_gute_Krokodil_-_Die_Krokodillegende_aus_Osttimor

Osttimor, Krokodil, heilig
Die Umrisse der Insel Timor muten der Form eines Krokodils an.

Auch in anderen Ländern und Kulturen werden seit jeher die unterschiedlichsten Tiere verehrt. Ebenfalls als heilig angesehen wird das Krokodil in Burkina Faso. Auch hier beruht der Glaube an das Übersinnliche im Krokodil auf einer Sage, nach der das Reptil einst einen Jäger aus Sabou aus dem Koma gerettet haben soll.

Ratten in Rajahstan:
Im nordindischen Bundesstaat werden Tiere verehrt, die bei uns vor allem Ekel und Abneigung hervorrufen: Ratten. Es gibt verschiedene Legenden, die sich um die Gründe für die Verehrung der Nager ranken. Gemeinsam ist ihnen, dass die Ratten die Seelen verstorbener Menschen in sich tragen: Es sind Wiedergeborene, die unter dem Schutz der Heiligen Karni Mata stehen, einer Reinkarnation der Göttin Durga.
Dieser Göttin ist auch ein ganz spezieller Tempel gewidmet: Der Karni-Mata-Tempel in Rajahstan. Hier wuseln etwa 20.000 Ratten umher. Sie werden verehrt, bedient und dürfen die Speisen der Menschen zuerst essen. Die Gläubigen trinken, schlafen und beten gemeinsam mit den Ratten, die ihnen Glück bringen sollen. Falls ein Besucher aus Unachtsamkeit auf eines der Tiere tritt oder bei einem anderen Unfall tötet, muss er es außerhalb des Tempels bestatten und als Buße eine Rattenfigur aus Silber oder Gold stiften.

Ratten Tempel heilig
Verehrung statt Ekel: Ratten im Karni-Mata Tempel.

Kühe in Indien: 
Die wohl berühmtesten heiligen Tiere sind die Kühe in Indien. Sie werden verehrt, weil sie für fünf lebensnotwendige Gaben stehen wie Milch oder Kuhfladen, der als fruchtbarer Dünger dient. Besonders im Straßenverkehr wird der Status des Lebewesens deutlich. Wenn eine Kuh die Straße überqueren will, steht teilweise alles still. Aber Achtung: Berührt werden dürfen die Kühe nicht.

Fledermäuse in Australien:
Umherwandelnde Geister – die symbolisieren Fledermäuse in Australien und gelten deshalb als heilig. Zusätzlich sind sie ein wichtiger Helfer gegen Insektenplagen und tragen zum Ausgleich des Ökosystems bei.

Katzen in Japan: 
In Japan sollen Katzen dem Glauben nach böse Geister vertreiben und erhalten deshalb einen besonderen Status. Die Katze ist auch ein beliebtes Souvenir vor Ort – ob als Print auf einem T-Shirt oder ganz klassisch als Dekoration.

heilig, Katze Japan
Ein beliebtes Mitbringsel aus Japan: die „Winkekatze“.

Affen in Ghana:
In mehreren Regionen Ghanas gelten Affen als heilig. Da sie Vorfahren des Menschen sind, stehen sie in einigen Teilen Ghanas sogar unter Staatsschutz. Die Affen leben gleichwertig unter den Einheimischen und dürfen in den Behausungen frei ein- und ausgehen.

Königsphyton in Benin:
Sich eine Schlange um die Schultern legen, um gesund zu werden: Das ist im Küstenort Ouidah in Benin nicht unüblich. Der ungiftigen Königspython werden heilende Kräfte zugesprochen, sie gilt als Gottheit der Vodun-Religion.

Schildkröten in Vietnam:
Auch in Vietnam ist eine Legende Anlass zur Verehrung der Schildkröten. Demnach soll eine Schildkröte vor etwa 600 Jahren dem König Li Loi geholfen haben, das Volk vor den Chinesen zu beschützen. Seit jeher gilt sie als heilig und wird von den Vietnamesen auch für ihre Langlebigkeit und Weisheit verehrt.

Schildkröte Vietnam heilig
Sogar auf eine Briefmarke hat es die Schildkröte bereits geschafft. Quelle: Shutterstock.com

Weiße Elefanten in Thailand:
Weiße Elefanten dürfen in Thailand nicht zu Arbeitszwecken eingesetzt werden, da sie als heilig empfunden werden. Deshalb können nur sehr wohlhabende Menschen einen weißen Elefanten halten. Damit ein Elefant als weiß gilt, reicht es übrigens, dass seine Haut einige weiße Stellen aufweist oder das Tier insgesamt eine blasse Haut hat.

 

Lust bekommen, wilde Tiere zu entdecken? Schau Dich in unserem großen Safari-Angebot nach Deinem perfekten Tiererlebnis um!

Kommentar verfassen